Nach langem Diskurs mit diversen
Clubmitgliedern haben wir beschlossen, einen Zweig in Deutschland
aufzubauen. Die Lage auf dem Festland droht, außer Kontrolle zu
geraten, und wir brauchen einige Agenten vor Ort. Nach Durchsicht
der Akten habe ich mich auf sechs Individuen konzentriert, deren
Tauglichkeit jetzt geprüft werden muss. Jedes von Ihnen ist mit den
Kabalen in Berührung gekommen und hat, anstatt den Kopf einzuziehen,
bschlossen, den Kampf zu Ihnen zu tragen.
- Johann Schwartau. Ein ehemaliger Archäologe, der bei den Ausgrabungen seines Vaters in der Nähe von Gizeh Zeuge einer Attacke durch Tot-Amon wurde. Der Junge musste zusehen, wie sein Vater von den Untoten erwürgt wurde, aber statt hilflos dabei zu stehen, griff er sich eine Fackel und attackierte die Leichname. Dabei steckte er versehentlich das Lager in Brand und erlitt schwerste Verbrennungen, konnte die Wesen aber zurück treiben. Die örtlichen Ripper der Loge von Alexandria kamen zu spät, um seine Eltern zu retten, aber mittels der Asche Tot-Amons konnten sie große Teile seiner Haut wiederherstellen. Sie bildeten den Jungen zum Ripper aus, und er ist seitdem ein recht zielgerichteter, wenn auch schwer zu kontrollierender Jäger. Vor kurzem ist er zurück nach Württemberg gekommen und hat noch Probleme, sich wieder in der zivilisierten Gesellschaft zurecht zu finden.
- Fürst Wilhelm von Erbach – Wilhelms Vater war ein erfolgreicher General in Deutschlands frühen Frankreichfeldzügen und hat sich dort leider auch einige Feinde gemacht. Einer dieser Feinde suchte die Hilfe der Kabale, um seine Rache zu verwirklichen. Als einer von Draculas Nachfahren suchte er die von Erbach heim und schlachtete alle bis auf den jungen Wilhelm nach einem Opernbesuch ab. Wilhelm investierte daraufhin den Rest seiner Jugend darin, ein maskierter Rächer zu werden, der unbewusst das Aussehen und Methoden seines Feindes kopierte. Seitdem hat er schon diverse Handlanger de la Croix zur Strecke gebracht, aber das Oberhaupt des Clans ist ihm bis jetzt entwischt.
- Vater George Stevens ist einer der wenigen Überlebenden der „Blauen Nacht“ des Vatikans, während der in einer der größten Kabaloffensiven der Neuzeit der Heilige Vater selbst angegriffen wurde. Nicht weniger als 100 der anwesenden Bischöfe und Kardinäle wurden von mit langer Hand platzierten Besessenen attackiert. Vater Stevens war einer der Außerwählten, die nicht nur überleben, sondern zurückschlagen konnten. Als Mitglied des Ordens von St. Georg ist er seitdem mit Feuer und Gottesfurcht unterwegs, um die Kabale vom Antlitz der Erde zu wischen.
- Felix Ganondorf ist einer der Vorreiter der Äther- und Elektrizitätslehre. Eher Theoretiker als Praktiker öffnete er bei einem seiner Versuche zur Raumdilatation versehentlich ein Portal in eine der Vorhöllen und entließ einen Gehörnten in sein Heim, was seine Familie das Leben kostete. Glücklicherweise konnte er den Gehörnten mittels seines tragbaren Blitzwerfers von der Ebene bannen. Seitdem konzentrieren sich seine Forschungen auf den Bereich der Waffentechnologie, um dem Krieg gegen die Kabale die nötige Feuerkraft zu liefern.
- Hans-Peter Wurst wandte sich erst spät der Wissenschaft zu. In seinen frühen Zwanzigern erfuhr er, das seine Mutter nur deshalb bei seiner Geburt verstarb, weil sein Vater versucht hatte, die Seele seines ungeborenen Kindes für Macht und Reichtum an den Teufel zu verkaufen. Stattdessen endete er mit einem Mensch/Dämonen Hybriden, der verspätete Rache am Mörder seiner Mutter nahm. Seitdem wehrt sich Hans Peter mit den Mitteln der Wissenschaft gegen das Schicksal, das Ihn eher an der Spitze der Höllentruppen denn auf Seiten der Engel sehen würde.
Diese illustre Truppe konnte ich
während eines gemütlichen Abendmahls davon überzeugen, das sie
gemeinsam deutlich mehr erreichen würden denn als Einzelkämpfer.
Die einzige Frage war, ob diese allesamt gestörten Individuen fähig
wären, als Gruppe zu agieren und sich auch ungewohnten
Herausforderungen zu stellen.
Zum Test dieser Hypothese beschloss
ich, sie auf ein überschaubares Problem anzusetzen, allerdings in
ungewohnter Umgebung – eine Geistergeschichte im holländischen
Königshaus. Dies hatte den Vorteil, das jeder Ausgang der Geschichte
dem Empire helfen würde. Ein Erfolg würde uns eine gute Verbindung
in den niederländischen Adel verschaffen, eine Niederlage würde
eher auf das deutsche Reich, vertreten von Fürst Erbach,
zurückfallen, und somit eine Aufnahme Hollands in den Norddeutschen
Bund unwahrscheinlicher machen.
Ich bin im Nachhinein froh, das ich
unmittelbar nach der Verkündung des Auftrags aufbrach, denn was mir
das Personal von dem späteren Verlauf der Nacht berichtete, hätte
mich eventuell dazu animiert, die ganze Mission abzubrechen.
Auf dem Rückweg zu Ihren persönlichen
Quartieren stießen die neuen Rekruten offensichtlich auf eine
Zigeunerin, die sie vor dem „Sohn zweier Väter“ warnte, bevor
sie einen zufälligen Passanten als Opfer von Dr. Jekylls
Experimenten enttarnte. Die wackeren Recken verfolgten den
Missgestalteten und brachten ihn zu Fall, woraufhin er sich in einen
harmlosen Buchhalter zurück verwandelte. Da Schüsse gefallen waren,
beschlossen sie korrekterweise, Ihn in der Loge weite zu befragen, um
komplexe Erklärungen mit den Behörden zu vermeiden.
Von hier ging das ganze allerdings
etwas aus dem Ruder. Herr Schwartau, offensichtlich stark Impuls
getrieben, wollte dem guten Mann eine Blutprobe entnehmen, um eine
tiefere Analyse des Elixirs zu erstellen, das zu seiner Verwandlung
geführt hatte. An sich eine gute Idee, allerdings die Exsanguination
vor dem Objekt des Versuchs zu diskutieren, führte zu leichter Panik
seinerseits. Die Diskussion eskalierte, bis Vater Stevens schließlich
handfeste Maßnahmen ergriff, Herrn Schwartau hinterrücks
niederstreckte und ihn in eine Verhörzelle steckte, während Fürst
von Erbach den Buchalter nach Hause eskortierte.
Damit nicht genug. Offensichtlich ist
Gefangennahm eine extreme Stresssituation für Herrn Schwartau, der
daraufhin mit der konsequenten Dekonstruktion der Zelle begann. Herr
Ganondorf, abgestellt zur Beobachtung von Herrn Schwartau durch die
verspiegelte Panzerglasscheibe (ein Produkt aus den Werkstätten
Professor Teslas), konnte er nicht umhin, diverse
Ruhigstellungsfunktionen der Zelle zu testen. Zum Glück sah er davon
ab, sie zu fluten, aber die Schlafgasfunktion erfüllte Ihren Zweck
vorbildlich.
Das alles führte dazu, das Herr
Schwartau keinerlei Reisevorbereitungen treffen konnte und quasi mit
einem verknitterten Anzug und geliehener Wechselkleidung aus der Loge
die Reise auf der Dorade antrat. Kein guter Start für eine Reise auf
einer Mission in fremde Adelshäuser.
Transfer auf der Dorade
Ich will es knapp halten – entgegen
meinen expliziten Anweisungen nutzten unsere neuen Rekruten die Reise
nicht dazu, sich mit dem niederländischen Königshaus vertraut zu
machen, sondern versuchten sich gegenseitig zu diskreditieren. Ich
bin wirklich überrascht, das das ganze nicht in einem Duell geendet
hat.
Ankunft in Den Haag
Entpsrechend unseren Vorbereitungen
wurde die Gruppe denn auch als Gäste empfangen und von der Leibgarde
des Königs eskortiert. Wieder wurde diese Gelegenheit genutzt, um
interne Konflikte und Probleme zu schüren, indem Fürst von Erbach
Herrn Schwartau und die Herren Wurst und Ganondorf als Gesinde
deklarierte, was zu Ihrer fälschlichen Unterbringung in den
DIesntbotenquartieren führte. Das ganze wurde im Nachhinein als
„deutscher Humor“ gerettet, aber der Schaden war getan.
Interessanter als diese infantilen
Querelen war ein Zwischenfall bei der Ankunft im Palast. Die Wachen,
anscheinend höchst angespannt ob der Vorkommnisse der letzten Tage,
schossen auf Befehl von Hauptmann Gent ein Blumenmädchen nieder, das
die neuen Gäste begrüßen sollte. Nur dank des beherzten
Eingreifens von Vater Stevens konnte die junge Dame gerettet werden.
Enttäuschend für mich ist, das diese Episode nicht genutzt wurde,
um die Hintergründe dieses doch recht auffälligen Verhaltens zu
beleuchten. Es wäre eine exzellente Möglichkeit gewesen,
Befragungen hinsichtlich der Ereignisse zu starten, ohne die
Integrität der Tarnung zu gefährden. Diesen Punkt werde ich in der
Nachbesprechung einfließen lassen.
Zumindest in Präsenz Ihrer Majestät
Wilhelmina fanden die Herren denn zu Ihren Umgangsformen zurück und
verhielten sich angemessen Ihres Standes. Zur Überraschung der
anwesenden erklärte die Königin, das Herr Wurst am Hofe eine
gewisse Berühmtheit inne habe, sei die Tochter der Monarchin doch
eine große Anhängerin seiner Publikationen. Herr Wurst vereinbarte
eine Demonstration seiner Technologie zum Abendmahl, und man zog sich
in die Zimmer zurück. Während Herr Wurst mit Unterstützung von
Herrn Schwartau einen „Laktosemittel-Applikator inklusive
integrierter Cerealien-Produktions-Optimisator und Distributor“,
kurz Käsetoastwerfer entwarf, nutzten Herr von Erbach und Vater
Stevens die Zeit zur Inspektion der Palastanlagen.
An mehreren Stellen fanden sie
„blutige“ Handabdrücke, an denen verzweifelt diverse Bedienstete
arbeiteten.
Offensichtlich hinterließ „Das
Mädchen“, wie die Bediensteten den Spuk bezeichneten, unweigerlich
einen dieser Handabdrücke, der nur schwer zu entfernen war.
Dinner und Technologiepräsentation
waren eine voller Erfolg – Prinzessin Wilhelmina wollte Herrn Wurst
als Dank einen Ihrer Erbringe schenken, das Ihnen laut Ihren
Geflüsterten Worten „Vor dme teufel“ schützen sollte. Aber
entsprechend seines Standes lehnte Herr Wurst dieses weitaus zu
großzügige Geschenk ab. Zwar machte das die kleine Majestät recht
unglücklich, die Mutter wusste aber um die Angemessenheit der Geste.
Auch deswegen stimmte sie zu, eine Audienz bei Ihrer Majestät
selbst, König Wilhelm dem Ersten, in die Wege zu leiten.
Nächtliche Unruhen
Die erste Übernachtung brachte denn
auch den ersten Kontakt mit der Heimsuchung. Herr Schwartau wurde des
Nachts am Fenster von einer weißen Gestalt besucht, die ihn in Ihre
Umarmung zu locken suchte. Herr Schwartau ließ sich nicht auf solche
Alterkationen ein und alarmierte statt dessen den Rest der
Gesellschaft. Unglücklicherweise war der Spuk verschwunden, als der
Rest der Loge zusammen gerufen war. Einzig ein blutiger Handabdruck
verblieb am Fenster.
Ein Analyse dieser Spuren ergab, das es
sich mitnichten um Ektoplasma handelte, wie es bei einer
Geisterscheinung üblich wäre, sondern um wochenaltes Blut, das
unter normalen Umstände schon längst dem Gerinnungsprozess hätte
unterliegen müssen und es jetzt verspätet auch tat. Keiner der
erfahrenen Geisterjäger konnte mit diesem Indiz etwas anfangen.
Der nächste Tag war geprägt von einer
Art Schnitzeljagd auf lokale Erzählungen und Geistergeschichten. Vom
Galgenberg über die Sumpfleichen bis hin zu Brudermorden und Inzucht
wurden diverse Orte und Personen untersucht, ohne einen irgendwie
gearteten Fortschritt zu erzielen.
Der Tag endete schlussendlich im
Desaster – bei der Audienz mit König Wilhelm konfrontierten sie
ihn mit unbelegbaren Theorien über Geisterangriffe auf sein Haus.
Der Monarch, ein bodenständiger und gläubiger Mann, verwarf all
diese Ideen und verbat sich weitere Einmischungen in seine
Familienangelegenheiten seitens entfernter Verwandter und deren
impertinenten Gefolge.
Innerhalb einer Kurzschlussaktion
versuchte Herr Wurst, zumindest seinen guten Stand mit Königin und
Prinzessin zu nutzen, um eventuell die Härte des Königs
abzumildern. Wenn ich den Augenzeugenberichten glauben darf, bin ich
mir keineswegs sicher, ob es dort wirklich eine unglaublich
Darstellung der Menschlichen Resilienz und elektrischer
Übertragungsfähigkeit handelte, oder schlicht um eine katastrophale
Fehlfunktion und eine geschickte Überspielung des ganzen von Herrn
Schwartau.
Was immer es war, dank dieser erneuten
Darstellung konnte man die Königin überzeugen, das Sie und Ihre
Tochter die Hergänge des ersten Angriffs in der Umgebung Ihrer
Privatbibliothek noch einmal detailliert zu beschreiben.
Das Rätsel der verschlossenen Tür
Mein kleiner Bruder ist ja recht
bekannt dafür, diverse sogenannter „Locked Room“ Verbrechen
gelöst zu haben, oftmals mit exotischen, aber dennoch meist mundanen
Auflösungen. Hier sollte es sich anders verhalten, aber die
Grundmittel der Deduktion bleiben dieselben. Was sind die Fakten?
In diesem Falle waren die Fakten das
die kleine Mina des Nachts, allein, in dieser Bibliothek las, die Tür
von Innen verschlossen, Ihr Leibwächter, der uns bekannt Hauptmann
Gent, vor der Tür. Bei Ihrer Lektüre, nach eigenen Angaben eine
Märchensammlung der Gebrüder Grimm, wurde sie einer Präsenz
gewahr. Das blasse Mädchen Ihr gegenüber schien aus dem Nichts
erschienen, und auf Frage nach Ihrem Namen flüsterte die Gestalt nur
den der Prinzessin zurück und versuchte, sie zu ergreifen. Die
Prinzessin begann daraufhin zu schreien und versuchte, die Gestalt
abzuwehren, verlor aber kurz darauf das Bewusstsein.
Hauptmann Gent brach, sobald er die
Schreie vernahm, die Tür auf, konnte aber von der Angreiferin nichts
finden.
Die Auffälligkeiten dieser Geschichte
sind offensichtlich, und nach längerer Diskussion mit Ihren
Majestäten kamen die Herren den auch auf des Pudels Kern. Warum ist
eine zehnjährige alleine in der Bibliothek eingeschlossen?
Offensichtlich hatte sie etwas gelesen,das keinesfalls so harmlos
war, wie sie angab. Eine Durchsuchung der Bibliothek enthüllte dann
auch schnell ein verborgenes Regal, in dem die heimliche Lektüre der
jungen Dame offenbar wurde. „De Vermis Mysteriis“, ein Werk von
Ludwig Prinn – Alchemist, Nekromant und angeblicher Magier, der
behauptete, ein „wundersames Alter“ erreicht zu haben, bevor er
auf der Höhe der Hexenjageden des frühen 16. Jahrhunderts in
Brüssel verbrannt wurde.
Hinzu kamen diverse Werke hoher
Freimaurer und die äußerst prekäre Korrespondenz einer Dame
fragwürdiger Qualitäten mit nicht weniger als drei Mitgliedern des
Königshauses, unter Ihnen Ihre Majestät Wilhelm selbst. Diese
Person war der Königin tatsächlich bekannt, allerdings als eine
Wahnsinnige, die bis vor kurzem versuchte hatte, eine Audienz beim
König zu erhalten, zuletzt mit einem verborgenen Messer am Körper.
Sei fristet jetzt Ihr Dasein in einem Sanatorium.
Addendum: Da unsere Ermittler dieser
Spur nicht nachgegangen sind, habe ich später einige diskrete
Nachforschungen einholen können. Diese runden das Bild der
Ereignisse ab, sind aber hier nicht weiter von Bedeutung.
Doktor Ganondorf beschloss, das Werk
genauer zu untersuchen, um irgendwelche Zusammenhänge mit den
Erscheinungen nach zu vollziehen. Man beschloss, am Ort derTat zu
verbleiben, um alle Eventualitäten nachzustellen und so
möglicherweise den Ereignissen auf die Spur zu kommen. Tatsächlich
wurde auch sämtliche Ausrüstung in die kleine ibliothek
transportiert, inklusive der ätherischen Blitzwerfer von Herrn
Ganondorf, den Repetierpistolen des Fürst von Erbach und dem
Flammenwerfer von Vater Stevens.
Die nachfolgenden Ereignisse waren denn
auch vorhersehbar, wenn auch nicht in jedem Detail.
Doktor Ganondorf, vertieft in die
blasphemischen Beschreibungen Prinns, realisierte ebensowenig die
Erscheinung des „Mädchens“ wie die dedizierten abgestellten
Wachen. Scheinbar aus dem Boden hervor bildete sich die Gestalt und
näherte sich dem Fürst von Erbach, auf den sie sich zu
konzentrieren schien.
Aufgrund der Enge des Raumes gelang es
dem Fürst nicht, der Gestalt auszuweichen, und landete in den Armen
des Mädchens. Herr Ganondorf zögerte nicht lange und elektrisierte
die Gestalt mit einem Blitz aus seinem Ätherwerfer. Zwar nahm die
Fürst von Erbach in schwere Mitleidenschaft, aber es reichte, um das
Wesen zu zwingen, seine Maske abzuwerfen. Die wahre Gestalt des
Wesens ist schwer zu beschreiben – am ehesten ähnelt es dem, was
Wischenschaftler heutzutage unter den Mikroskopen als Urbausteine des
Lebens sehen, protoplasmische Ansammlungen von Zellen und Ganglien,
die scheinbar ohne jeglichen Sinn oder erkennbares Ziel
umherpeitschen.
Ziellos war dieses Ding keineswegs, es versuchte
sogar recht adamant, Fürst von Erbach in seine Fänge zu bekommen,
allerdings wurde jeder, der zu nahe kam, ebenfalls Opfer der
peitschenden Extremitäten des Wesen. Schusswaffen schienen wenig
Wirkung zu zeigen, wie Fürst von Erbach bewies, als er geschätzte
30 Schuss aus unmittelbarer Nähe in den Leib des Monsters
beförderte. Auch die Klauen Herrn Schwartaus und das elektrifizierte
Bajonett Herr Wursts zeigten allerhöchsten temporäre Schäden. Auch
eine Zerstörung des Buchs, das den Schrecken möglicherweise
herbeigerufen hatte, oder ein überschütten mit geheiligtem Wasser
zeigten keinerlei Wirkung. Hauptmann Gent kam tapfer zur Hilfe, aber
er wurde ein Opfer der würgenden Ganglien.
In höchster Not schließlich, erfasst
vom Furor seines Glauensbekenntnisses, badete Vater Stevens das Ding
in einem Meer aus Flammen aus seinem Exorzist Mk II. Zwar setzte er
damit auch zwangsläufig große Teile der Bibliothek und seiner
Gefährten in Brand, allerdings was dies das einzige, was eine
Reaktion in dem Wesen hervorrief – unmittelbare Flucht. Gleich
seinen protoplasmischen Vorfahren war es dem Wesen möglich, sich
durch dünnste Spalten in Fenstern und Mauerwerk zu pressen, was eine
Verfolgung nahezu unmöglich machte. Bei dem Versuch, das Biest an
der Flucht zu hindern, setzte Vater Stevens noch große Teile des
Gartens in Brand.
Schnell erkannte man die Lage, das man
nun schlussendlich ohne jeden Beweis übernatürlicher Aktivitäten
der Anklage der Brandstiftung gegenüber stehen würde. Also
verließen die Ermittler schleunigst den Palast und versteckten sich
vorübergehend in den ausufernden Palastgärten. Frustriert ob dem
anscheinenden Entkommen der Bestie ließ man nochmals alle Fakten
Revue passieren. Auch wenn die Deduktion von einer für mich
quälenden Langsamkeit geprägt war, kam man schlussendlich auf den
gemeinsamen Fakt aller Angriffe – Geruch nach Pinien kurz vor dem
Erscheinen der Gestalt. Aus vorherigem Studieren der Gartenpläne
konnte Fürst von Erbach denn auch auf einen einzelnen Pinienhain auf
dem Palastgartengelände verweisen.
Ohne zu zögern brachen die Ermittler
auf, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Zwischen offensichtlich
kranken Bäumen, im Finstern der Nacht, offenbarte sich Ihnen denn
auch die Lagerstatt des Wesens. In einem verknoteten Gewirr aus
schleimigen Ästen, triefende Wurzeln und schuppigen Extremitäten
fand sich eine Öffnung, die etwas obszönes an sich hatte. Und dort,
durchtrieben von Sprößlingen und würzen als wären es unzählige,
blasphenische Nabelschnüre, wand sich das Wesen, zurück in der Form
des Mädchens. Ihre Unschuldigen Augen waren glasig Ihr Bick ins
nichts gerichtet.
Das ganze wirkte auf so viele Wissen
falsch, das das Niederbrennen des gesamten Hains im Nachhinein nur
als Gnade gewertet werden kann.
Abschluss
Wir konnten die Gruppe wieder zurück
nach Deutschland schmuggeln, wenn es auch nicht einfach war.
Offiziell sucht das Königshaus sie als Brandstifter und Attentäter,
worauf der Tod steht. Allerdings ist sich die Königin als auch Ihre
Tochter der wahren Tragweite der Aktivitäten bewusst, so das wir
dennoch einen Mächtigen Gönner in Den Haag gefunden haben. Es
bleibt zu sehen, wie lange Helmut noch an der Macht bleibt.
Zur Vollständigkeit hier unsere
Erkenntnisse aufgrund später Ermittlungen. Prinz Viktor, einer der
verstossenen Söhne des Königs, war im Zuge seiner Mitgliedschaft
bei den Freimaurern wohl in Besitz des „Vermis“ gekommen. Als es
denn an der Zeit war, seine Rache gegen seinen Vater und dessen neue
Frau zu planen, vollführte er eines der Rituale aus eben diesem
Buch. Als wichtigste Ingredienz nutzte er das Blut einer königlichen
Tochter – der Tochter eines der Söhne oder Wilhelms selbst, dies
ist nicht mehr genau nachzu vollziehen, mit der Prostituierten Jenny
Walker. Aufgrund dieses Blutes konnte das Wesen nicht nur
menschliche Gestalt annehmen, sondern war auch wie ein Spürhund auf
der Sache nach Angehörigen dieser Blutlinie.
Fazit:
Unsere neuen Rekruten haben Ihren
Auftrag erfüllt, wenn auch nicht in den vorgesehenen Parametern und
gewiss nicht so, wie es sich für Gentleman gehört. Das werde ich
bei weiteren Aufträgen für diese Loge in Betracht ziehen müssen.
Dennoch, es ist immer gut zu wissen, das man ein Schlachterbeil zur
Verfügung hat, auch wenn ein Skalpell zu bevorzugen ist.
Hochachtungsvoll,
Mycroft Holmes,
Esquire, Diogenes Society London
