Tombstone zeigt welche Wahrheiten sich hinter der Wahrheit verbergen

Pantera - Fünf Reiter kamen nach Tucumcari

Blutrache Vazquez kam aus dem Norden. Ihr Haar war so schwarz wie Ihre Seele, und Ihre Pistole saß so locker wie Ihre Moral.
Rote Wut kam aus dem Norden. Ihre Schultern waren fast so breit wie die Ihres Pferdes, und Ihr Blick war so hart wie die Steine des Black Rock.
Doc Lightning kam aus dem Süden, und das Blitzen seiner Erfindungen war heller als die Blitze im Sturm, der mit ihm kam.
Shady Liveuax kam aus dem Osten, und seine Motive waren so undurchschaubar wie seine Kartentricks.
Niemand weiß woher Vater Johnson kam, aber sein Urteil war so unabänderlich wie das Urteil Gottes selbst.
Sie trafen sich vor dem Dead Dog Saloon und eine schwangere Stille lag über der Stadt. Doc Lightning brach die Stille. „Keine Angst, mein Bester. Sie sehen alle aus wie Profis. Wir werden das Problem sicher mit Vernunft lösen können. Alles wird gut.“
Keiner der anderen Reiter verlor ein Wort, aber Vater Johnson bedachte den Wissenschaftler mit einem strafenden Blick.
Das Innere des Saloons war kaum weniger öde als die Wüste um das Dorf. Der ausgezehrte Barkeeper wischte mit einem staubigen Tuch in einem staubigen Glas herum, und die drei Damen der Nacht wirkten gleichzeitig aufgedreht und gelangweilt, als sie neue Kundschaft erblickten.
Einzig Big Jim Clifford, der große Mann in Tucumcari, zeigte so etwas wie eine Reaktion auf das Auftauchen der Fünf.
„Willkommen in Tucumcari, der Perle von Texas! Ich nehme an, die Damen und Herren sind hier wegen meines Aufrufs?“
Vazquez ließ sich in einen Stuhl fallen und legte die Füße auf den Tisch. Ihre Hand blieb auf dem Griff des Revolvers in Ihrem Gürtel.
„100 Dollar pro Kopf.“
Rote Wut verschränkte nur die Arme, was sie solide wie eine Felswand erscheinen ließ.
„Black Rock Gang.“
Doc Lightning sah von einem Gerät an seinem Gürtel auf und schien einen Moment verwirrt ob der Aufmekrsamkeit.
„Was? Wer? Ach ja, die Belohnung. Man sprach davon, das es sich um eine recht wehrhafte Bande handelt, ja?“ Er schaute über die Schulter, wo sich absolut niemand befand. „Jaja, ganz sicher sagt man das.“
„Shady“ Liveaux blickte über den Rand seiner getönten Brille und rollte in breitem Cajun, während seine Hände unentwegt Karten mischten,
„Und was macht diese Burschen so wertvoll, mon Ami? Sind sie, comme on dit, gewitzt?“ Seine linke Hand zog einen roten Joker aus dem Deck.
„Sie tun das Werk des Teufels. Und wir werden es beenden.“ Die Worte Vater Johnsons waren Anklage und Urteil in einem.
Big Jims Grinsen war breit, aber unsicher. „Dann sind wir uns ja einig. Sie ereldigen die Black Rock Gang, und es gibt 100 Dollar pro Kopf dieser Ratten. Sherriff Wishbone und Deputy Cook hier können Ihnen alle weiteren Fragen zu diesen Schurken beantworten. Ich habe wichtige Geschäfte auf der Ranch. Giddyup, Compadres. Sie werden den Ratten bestimmt in den Hintern treten!“ Big Jim verliess den Saloon wie ein Kojote, der den Berglöwen gerochen hatte.
Rote Wut und Doc Lightning verschwanden fast ebenso schnell aus dem Saloon, gefolgt von Vater Johnson und einigen verdammenden Worten ob der Sünde des Alkohols und der Unkeuschheit.
Vazquez und Liveaux wandten sich den Gesetzeshütern von Tucumcari zu – zwei traurigen Individuen, deren schlechter Charakter nur von Ihrer miesen Körperhygiene übertrumpft wurde.
„Sie brennen jede Nacht eine Ranch nieder, und sie kommen der Stadt immer näher.“ Vazquez taxierte den rattendürren Wishbone über den Tisch hinweg.
„Sie hinterlassen keine Überlebenden, und keine Spuren, denen man folgen könnte. Aber sie kommen immer von Richtung Black Rock.“
„Du meinst keine Spuren, die du gefunden hättest, richtig, Gringo?“ Vazquez kippte den Whiskey, den der vertrocknete Barkeeper endlich gebracht hatte.
„Was? Ja ne, das haben die anderen – ich meine das haben die Range – es gibt eben keine Spuren.“ Vazquez warf dem Cajun einen bedeutungsschweren Blick zu.
„Und was 'abt Ihr bis jetzt gegen diese – Schurken – unternommen, mes amis?“ erkundigte sich der Spieler, während er scheinbar die Karten von einer Hand in die andere wandern ließ.
„Hä? Gemacht? Das sind ein Dutzend oder mehr, was sollen denn da zwei Männer machen. Wir halten den Kopf unten und sorgen für die Sicherheit hier im Ort.“ Sein Blick suchte schon während des Sprechens nach einem Ausweg. Mit einem Rasseln trafen Vazquez Stiefel den Boden. Betont langsam richtete sie sich auf und starrte dem Sherriff ins Gesicht.
„Dann sorg mal dafür, das Du und Deine Pussy da uns nicht im Weg stehen. Adios, Gringos.“ Das Gesetz des Ortes verschwand ebenso schnell wie der zweite Whisky. Vazquez starrte den Cajun herausfordernd an. „Ich hoffe, Deine Finger sind am Abzug genauso schnell wie mit den Karten, Gringo. Ich hab sechs Schuss in meinem Eisen, aber da bleiben noch sechs übrig.“
Liveaux schenkte Ihr sein bestes Lächeln. „Ich bin kein Revolverheld, cherié. Aber keine Sorge, ich werde meinen Teil am Kopfgeld verdienen. Lass mich jetzt kurz mit den Damen sprechen – normalerweise wissen die Ladies mehr als die feinen Vertreter des Gesetzes über das, was wirklich in einer Stadt passiert.“


Rote Wut betrachtete stoisch, wie Doc Lightning diverse rotierende und glitzernde Gerätschaften aus dem Wagen fabrizierte. Ein nicht abbrechender Fluss von unverständlichen Worten ergoss sich aus dem Wissenschaftler, der sich seines Publikums in keinem Moment bewußt zu sein schien.
Vater Johnson stapfte zielstrebig an den beiden vorbei. Sein prüfender Blick fiel auf die verkohlte Ruine des Gotteshauses, in dessen Trümmern nur noch die Glocke und ein eisernes Kreuz auf seine frühere Funktion verwiesen. Zielstrebig passierte er die Ruine und betrat den Totenacker dahinter. Es schien schlagartig dunkler zu werden, als er das Tor durchschritt. Unbeeindruckt registirierte er, das sein Atem plötzlich als Wolke sichtbar war, und aus dem plötzlichen Zwielicht schien das dürre Gerippe eines Baumes hervor zu stechen, an dessen unterstem Ast eine leere Schlinge in nicht vorhandenem Wind baumelte.
Er packte seine Bibel fester und schritt zielbewußt auf den Baum zu. „Und ob ich doch wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich doch kein Leid, denn der Herr-“
Mit einem Flackern wie einer verlöschenden Flamme erschien eine weiße Gestalt in der Schlinge.
„Ich habe sie geliebt...“ wehte es an die Ohren des Predigers.
„ist mein Hirte, und es wird mir an nichts mangeln-“ Ohne zu zögern schritt er weiter zu dem Baum, und seine freie Hand umfasste die Schlinge.

Ich liebe sie, aber niemals werde ich es Ihr sagen können. Lucy, du bist so schön, du bist so unschuldig. Wie kann ich Dich nur beschützen vor all dem Bösen? Ich kann es nicht, ich konnte es nicht, WAS HABEN SIE DIR ANGETAN!-

Ein Gewicht wie ein umfallender Baum krachte auf den Priester hernieder. Mit einem Keuchen zog er die Luft zurück in seine brennenden Lungen. Ihm war, als hätte er seit Minuten keine Luft mehr bekommen. Ein scharfer Schmerz zog sich um seinen Hals, und er langsam wurde er der Gestalt der Indianerin gewahr, die auf ihm lag.
Wortlos erhob sich Rote Wut und ließ ihn wieder auf die Beine kommen. Doc Lightning stand neben Ihr und brabbelte halb zu ihm, halb zu einem ungesehenen Publikum. „Erstaunlich, spontanes Erscheinen von Würgemalen auf der Haut, deutliche Senkung der Körpertemperatur und Einstellen der Atmung über mindestens sechzig Sekunden. Hätte unsere Freundin Euch nicht unterbrochen, hätte ich gerne die Langzeitwirkungen der Halluzination untersucht.“ Er stellte einen klobigen Apparat auf ein Stativ und justierte diverse farbige Linsen.
„Ihr werdet keine Untersuchungen hier anstellen. Diese Ruhestätte der Toten ist entweiht.“ Resolut packte er seine Bibel und fiel vor dem Baum auf die Knie.
„Oh Herr, erlöse diese Seele, die den Weg nicht findet in Dein Reich, befreie Ihn von den Fesseln, die ihn an diese Welt ketten. Herr, erbarme Dich, Herr, ERLÖSE DEN SÜNDER“. Als der Pater sich von seinen Knien erhob, waren sowohl die Schlinge als auch das Zwielicht über dem Friedhof verschwunden. Eine weitere Seele hatte einen Weg aus dieser verfluchten Welt gefunden.
Die Temperatur des Ortes stieg merklich an, aber diese Erlösung war ein Tropfen auf den heißen Stein. Unbeirrt rappelte Vater Jones sich auf und schritt in Richtung der Kirche.
„Hier ist noch Arbeit des Herrn zu tun. Aber sein Auge liegt weiterhin auf Euch! Also wird hier keine Grabschändung getätigt, sonst, der Herr sei mien Zeuge, werde ich das Werkzeug seiner Vergeltung sein!“ Mit einem Blick, der die Verdammnis der Hölle erahnen ließ, schritt er in Richtung des alten Gotteshauses.

Rote Wut schaute dem Vater hinterher, dann wandte sie sich Doc Lighnting zu. „Dankbarkeit ist doch auch in dem Buch von weißem Gott?“ Der Doc hatte sich schon lange wieder seinen Geräten zugewandt und zuckte abwesend mit den Schultern.
„Es ist immer einfacher zu predigen als sich an seine eigenen Regeln zu halten. Stimmt's nicht, Murray? Genau, das dachte ich mir auch. Und ist es nicht faszienierend, das man jetzt die Namen aller Verstorbenen lesen kann, statt nur den dieser Dame? Faszinierend, sage ich.“


Vazquez und Shady Liveaux traten nach dem verstörenden Verhör gemeinsam auf die Strasse. In dem Moment, wo Ihre Stiefel den sandigen Boden berührten, wurde das Zwielicht von einem grellen Blitz erhellt, und in der Ferne erblickten Sie den Black Rock. Wie eine lauerndes Tier schien der Felsen inmitten der Wüste zu hocken, und nur für einen Moment schien es so, als wären auf dem Felsen Gestalten zu erahnen. Es war viel zu weit weg, als das man irgendwelche menschlchen Gestalen hätte erahnen können, aber Shady senkte seine Brille, runzelte die Stirn und zog dann eine paar Karten. ER blickte kurz auf das Blatt, schüttelte den Kopf und wandte sich and Blutrache.
„Ich denke, frü'er oder später werden wir uns diesen unwirtlichen Felsen anschauen müssen, ma chére.“ Vazquez schob den Hut aus der Stirn und spuckte aus.
„Später, hombre. Lass uns mal sehen, was die pendejos mit der Kirche gemacht haben.“ Mit klirrenden Sporen schritt die harte Frau zu den Trümmern der Kirche. Liveaux genoss einen Moment den Ausblick, dann folgte er Ihr. Sie ereichten die Ruine im selben Moment, in dem Rote Wut und Doc Lightning vom Totenacker zurück waren.
„Erstaunliche Konvergenz, wenn ich das so sagen darf, Murray.“ Doc Lightning inspizierte ein merkwürdig summendes Gerät. „Eine Wahrscheinlichkeit nahe der Fluxgrenze.“ Rote Wut blickte prüfend in den Himmel. „Zuviel Zeit vergangen.“
Blutrache winkte ab. „Wo ist der Padre?“ Ein weiterer Blitz erhellte kurz die Szenerie und gab den Blick frei auf eine dahingestreckte Gestalt vor der zersprungenen Glocke in den Trümmern der Kirche, die linke Hand über der Brust verkrampft, die Bibel noch in der Rechten.
„Sacre Coeur, mes amies. Das ist – etwas - mehr als merkwürdig.“ Liveaux's Brillengläser reflektierten die Blitze und verwandelten sein blasses Gesicht in eine Totenmaske.
Mit einem metallischen Klicken spannte Vazquez Ihr Eisen.
„Von jetzt an bleiben wir zusammen. Der Padre war nicht schwach und nicht wehrlos - „ Sie deutete mit dem Lauf Ihres Sechsschüssers auf die Schrotflinte, die unbeachtet vor der Glocke lag. „- und irgendwas hat ihn geknickt wie einen Strohhalm.“
Rote Wut inspizierte den Boden und zerbröselte ein paar Brocken Ache zwischen den Fingern. Sie schüttelte den Kopf wie ein angeschlagener Bulle. Doc Lightning schaute Ihr interessiert über die Schulter. „Was sagt Ihre Expertenmeinung, werte Kollegin? Mr. Murray wüsste gerne, ob sich Spuren des Tathergangs rekonstruieren lassen.“
„Keine Spuren außer von Gottesmann. Und Asche ist – älter als ein Monat, aber noch warm als war Feuer gestern.“ Sie griff in einen Beutel an Ihrem Gürtel und warf einige Kräuter auf den Boden. „Mehr unruhige Geister.“ Liveaux schritt vorsichtig durch die Asche.
„Und gestanden hat er 'ier, nicht wahr?“ Er deutete auf die Überreste eines Kamins inmitten der Trümmer.
Rote Wut blickte auf und nickte kurz. Vazquez schritt zu dem Spieler und schuate, was er entdeckt hatte. „Si – das wird es sein.“
Auf dem Kaminsims, wie durch Magie unberührt, stand eine Fotografie einer Frau. Darunter eine Inschrift - 'Du lässt mich einsam und unvollständig zurück.'
Blutrache ließ den Blick schweifen. „Irgendwelche Freiwilligen?“


Du musst Dich von diesem jungen fernhalten, Cindy. Er hat nichts gutes im Sinne.“ Sie schaute Ihr armes, unschuldiges Mädchen an, das so viel Leid über die Stadt bringen würde.
Sag Du auch etwas, Vater!“ Pater Livingstone schaute seine beiden Mädchen besorgt an.
Ihr wünschte, diese Stadt wäre etwas gottesfürchtiger, dann würde es nicht so viel Leid geben“,
Mit einem Knall, als würden die Tore der Hölle selbst aufgestossen, flog die tür der Kirche auf. Eine finstere Gestalt auf einem Pferd, die Peitsche in der Linken, ritt in das Haus des Herrn.
Wo ist die Hure, die mir meinen Sohn nehmen will?“
Sie griff sich an die Brust, der Schreck war so groß, das Ihr Herz schier stehen blieb. Der Atem stockte Ihr, und der Schmerz strahlte aus in all Ihre Glieder.
Mit einem Summen wie von Tausend Bienen lud sich das Gerät auf, nur um sich dann in einem zähnerschütternden Kreischen zu entladen. Der Blitz warf einen grünlichen Schleier über die gesamte Ruine und verwandelte den Kaminsims samt dem Bild in grünlichem Schleim.
Vazquez, Rote Wut und Liveaux fielen zu Boden. Liveaux übergab sich lautstark, und Vazquez schüttelte sich kurz, bevor sie eine Flasche aus der Jacke zog und einen tiefen Schluck nahm.
„Madre de Dios, verdammte Gespenster.“ Sie prostete dem Doktor zu. „Danke, gringo.“ Sie stupste mit dem Stiefel die Indianerin neben Ihr an. „Ay, chica, es ist vorbei. Steh auf.“ Unter ihrem rötlichen Hautton war die Haut der Kriegerin grau, Ihre linke Hand krampfte über dem Herz zusammen.
„Maledicta, es sind genug gestorben – Du nicht!“ Resolut rollte sie die Kriegerin zu sich herüber und zwängte Ihr die Flasche zwischen die Lippen. Der scharfe Schnaps rann wie flüssiges Feuer den Hals der Indianerin herab, und mit einem Ruck bäumte sie sich auf, hustete und keuchte wie ein Ertrinkender. Ein Schwall indianischer Worte ergoss sich aus Ihr, während sie blind nach dem Medizinbeutel an Ihrer Seite tastete und den Inhalt über sich aus schüttete. Dann blickte sie sich wild um, erblickte die Mexikanerin und riss Ihr Messer aus dem Gürtel.
Blutraches Hand lag schon auf dem Revolvergriff, als Rote Wut mit der anderen Hand die Klinge des Messers ergriff und mit einem Ruck einen tiefen Schnitt in Ihre Handfläche grub. Sie legte die blutige Hand erst auf Ihre Brust, dann auf die von Vazquez. „Mein Leben ist Deines, Butrache.“
Irritiert blickte die Revolverheldin auf Ihre beschmierte Brust. „Eh, wo ich herkomme, feiern wir das Leben anders. Sie schritt zu Liveaux und packte ihn am Kragen. „Komm schon, Cajun. Wir haben zu feiern.“ Dann zerrte sie ihn kompromisslos hinter die Ruine.


Sünden der Väter

„…und basierend auf diesen Fakten ist die Existenz einer Rasse von sogenannten Hemophagen nicht nur wahrscheinlich, sondern meiner Meinung nach eine evolutionäre Notwendigkeit!“

Blitzlichter flammten auf, und unzählige Reporter begannen gleichzeitig zu schreien:
„Dr Hawkins, Ihre Verwicklungen in Apartment H…“
„Dr Hawkins, sind sie tatsächlich selber von Vampiren gebissen…“
„Was sagen Sie zu den Ergebnissen von Professor Styx und seiner…“
„Wie kommt es, das Ihre Geschichte zunächst in einem Schmierenblatt wie dem Epitaph…“

Jeff verließ das Podium und überließ die Geier dem PR Experten der Universität. Er ging schnellen Schrittes durch die Gänge des Psychologiegebäudes und erreiche schließlich sein Vorzimmer. Seine Sekretärin begrüßte ihn mit einem verschmitzten Lächeln.
„Haben Sie es überstanden?“
„Ja, zum Glück übernimmt Harvey die Kommentierung, so daß ich mich dem schlimmsten Rummel entziehen kann.“
„Ich fürchte, sie haben es noch nicht ganz geschafft“ sie zwinkerte ihm zu und deutete auf die halb geöffnete Tür seines Büros. Dahinter konnte er die Umrisse eines Damenschuhs sehen, der ungeduldig wippte. Der Rest der Gestalt war noch von der Tür verborgen, aber die milchkaffeefarbige Haut, die schreiend roten Schuhe und die Dreistigkeit, ihm in seinem Büro aufzulauern, ließen nur eine Schlussfolgerung zu.

„Carmen, wie schön, das Du mal wieder vorbei schaust. Ich habe Dich bei der Pressekonferenz vermisst.“
Carmen Sanchez-Sanchez, Top Reporterin des Tombstone Epitaph, schenkte ihm ein freches Grinsen.
„Ach weißt Du, das Thema Vampire ist irgendwie durch. Und meine Leser sind an wissenschaftlichen Hintergründen weniger interessiert als an den schmutzigen kleinen Details. Du weißt schon, waren die Opfer nackt, prominent, oder besser beides, so was in der Art.“
„Ja, und ich bin Dir dankbar, dass Du meinen Namen so unfassbar gut verändert hast. Professor H, ein anerkannter Parapsychologe der Universität Chicago – da wird bestimmt niemand auf mich kommen.“
„Ach komm, als ob Du Publicity scheuen würdest. Aber genug des Vorspiels – ich brauche Deine Unterstützung. Was sagst Du hierzu?“
Sie ließ einen Umschlag mit Fotoagrafien über seinen Schreibtisch gleiten. Die Art der Abzüge, die Beleuchtung und Markierungen auf dem Boden identifizierten die Bilder als Tatortaufnahmen.
„Das Opfer ist, Asiate, Mitte 20. Es hat offensichtlich einen Kampf gegeben, da ist deutlich zu viel Blut, um nur von Ihm zu sein, vor allem, da er nur wenige Wunden hat. Hm. Das ganze sieht merkwürdig aus. Einerseits ist seine ganze Front voller Kratzer auf der Brust – hier, tiefe parallele Furchen, fast wie von Hörnern, aber recht flach und an den Händen so etwas wie – Bißwunden? An Oberschenkeln und Unterleib gibt es Hämatome, wie von einem stumpfen gegenstand. Aber das hier scheint wohl die Todesursache zu sein.“
Jeff hielt ein Foto nach oben, das einen Pfeil im Rücken des Opfers zeigte.
„Und genau deswegen bin ich bei Dir. Was kannst Du mir zu dem Pfeil sagen?“
Jeff betrachtete die Fotografie näher und setzte seine Brille auf.
„Hm, da gibt es einige interessante Markierungen auf dem Schaft. Die Färbung der Federn ist auch recht auffällig. Allerdings müsste ich ihn näher-„
Eine Plastiktüte mit der Aufschrift „Evidence – Chicago Police Department“ klapperte auf seinen Schreibtisch. Jeff blickte Carmen über den Rand seiner Brille misstrauisch an.
„Ich frage besser nicht, woher Du die hast, oder?“
„Besser nicht – konzentrier Dich auf das Wesentliche. Was ist das für ein Pfeil?“
Jeff hielt den Pfeil ins Licht. Die Färbung der federn lässt auf Navajo schließen, vielleicht auch Salish. Die Markierungen auf dem Schaft haben aber nichts mit Stämmen zu tun, das ist etwas anderes. Er sprang auf und durchsuchte einige Referenzbücher, bis er schließlich mit einem dicken Wälzer zum Schreibtisch zurück kam.
„Hier ist es – ein sogenannter Weia Hoka. Diese Markierungen hier sind Anrufungen an verschiedene Manitus, um Stärke und Treffsicherheit zu erhöhen, und das Böse zu vernichten, das dieser Pfeil trifft. Das erklärt auch - “ er kratzte durch die Tüte etwas Blut von der Spitze „warum die Spitze mit Asche bedeckte ist. In vielen indianischen Stämmen wird weiße Asche von heiligen Bäumen als Mittel gegen das Böse benutzt.“ Er stützte sich auf den Schreibtisch, nahm seine Brille ab und sah Carmen in die Augen. „Was wir hier haben, ist ein Dämonentöter.“

Carmen klatschte aufgeregt in die Hände. „Das wollte ich hören, Jeff! Du bist ein Schatz!“ Sie sprang auf und küsste ihn auf die Wange. Sie stopfte den Pfeil in Ihre Handtasche und machte sich auf zur Tür. Im Türrahmen drehte sie sich kurz um. „Kommst Du?“

„Äh, wohin denn?“

„Na, Du willst doch bestimmt mal mit einem echten Geisterjäger sprechen. Komm schon!“


Jeff Hawkins blieb es schleierhaft, wie Carmen es immer wieder schaffte, Menschen so der Massen zu überrumpeln. Jetzt saß er im Besucherraum des Chicagoer Polizeireviers, getrennt nur durch eine Scheibe von einem geständigen Mörder.

„Mr Falcon, glauben Sie mir, wir haben nichts mit der Polizei zu tun. Und auch nicht mit dem FBI. Wir wollen nur Ihre Geschichte hören.“ Carmen hatte Ihr Telefon auf mitschneiden gestellt und redete jetzt intensiv auf den Mann vor Ihr ein. Er sah weder aus wie ein Mörder, noch wie ein Indianer. Er sah aus wie ein Buchhalter irischer Abstammung. Blass, rötliche Haare, eine Nickelbrille. Höchstens 1,60, untersetzt.

„Sie wissen, dass es schlecht für Sie aussieht. Man hat sie am Tatort aufgegriffen, mit einem Bogen, und zwei weiteren Pfeilen wie diesem.“ Sie hielt das Foto hoch. „Sie sind nur noch hier, weil man noch Ihre genealogischen Werte abwartet. Wenn sie als Indianer eingestuft werden können, brauchen die nicht mal eine Verhandlung, sondern sie landen direkt im Lager.

Der kleine Mann blickte zu Boden.

„Sie haben Mr Hsiang Tsung ermordet. Ich will nicht sagen, dass es den schlechtesten Menschen der Welt erwischt hat. Wenn ich mir das so ansehe, hat Mr. Tsung diverse Anklagen wegen häuslicher Gewalt hinter sich, und der einzige Grund, warum er das Sorgerecht hat, ist die indianische Abstammung seiner Mutter und sein Status als Bürger von Shiawase Computersystems.

Jeff ergriff das Wort

„Warum haben Sie ihn mit einem Weia Hoka getötet? Das ist mächtige Medizin.“

Die Augen des kleinen Mannes ruckten hoch. „Sie wissen, was das ist?“

Jeff nickte.

„Dann wissen Sie auch, wofür er gut ist. Es ist ein böser Geist unterwegs. Ein yee naaldlooshii, ein Hautwechsler. Und ich wollte ihn aufhalten.” Er vergrub sein Gesicht in den Händen. „Aber ich habe versagt!“

Jeff und Carmen schauten sich an. Carmen sprach zuerst.
„Naja, aber sie haben Ihn schon erwischt. Der Gute ist hin.“
„Aber nicht der naaldloshii. Ich war zu schwach. Er hatte schon einen neuen Körper. Der Hautwechsler kann in jeden fahren, dessen Blut er geschmeckt hat. Und dieser hatte Blut geschmeckt.“
Jeff wirkte irritiert. „Warum haben Sei dann seinen neuen Wirt nicht auch erwischt? Sie hatten doch noch weitere Pfeile, und das Opfer kann doch nicht weit gewesen sein?“
Carmen räusperte sich und zeigte Jeff ein Bild auf Ihrem Telefon.. „Weil das hier das Opfer ist…“





Carmen und Jeff standen auf dem Gang des Sacred Heart Hospitals und schauten durch das Fenster in ein Krankenzimmer. Ein kleines, rotblondes Mädchen verschwand beinahe in den dicken Decken. Ihre Arme und Brust waren bandagiert, und sie war sehr blass. Es war schon 22.00 - Jeff hatte die Nachtschwester überzeugen könne, das sie etwas länger bleiben durften.

Carmen las von Ihrem Telefon ab.
„Sally Tsung Whitefeather, 11 Jahre. Sie ist Pfadfinderin und singt im Kirchenchor. Sie ist das dritte von fünf Kindern. Mutter ist Emily Whitefeather, Navajo, deportiert ins Lage Chicago-Süd. Vater Hisang Tsung. Sie ist die einzige Überlebende von fünf Kindern - VITAS und die ersten Bombenanschläge der Sons of Raven. Und jetzt möglicherweise Wirtskörper für einen bösen Indianischen Geist.“

„Genaugenommen sind Naagloshi keine Geister. Es sind Hexen, die die Gestalt von Tieren annehmen können, indem sie sich Ihre Felle überziehen. Deshalb tragen die Navajo selbst kaum Felle, da sie mit diesen Hexen in Verbindung gebracht werden. “

„Und was tun wir jetzt?“

„Nun, zunächst schauen wir nach, was heute Nacht passiert. Der Naagloshi scheut die Sonne, da sie zeigt, dass er keinen Schatten wirft. Deshalb wechselt er – oder sie – seine Gestalt steht’s im Dunkel. Dazu wirft er das Fell eines Tieres über und macht sich dann auf die Jagd.“

„Und mal angenommen, die kleine Sally ist unser Naagloshi?“

„Das glaube ich kaum. Die Geschichte unseres Mr. Falcon hat nämlich einen Haken – Naagloshi sind keine Werwölfe. Sie werden nicht durch Biss übertragen oder Blut. Sie sind böse Zauberer. Sie können allerdings die Gestalt derjenigen annehmen, die ise gesehen haben.“

„Also könnte sie es doch sein? Und was dann?“

„Dann haben wir ein Problem. Es heißt, der Naagloshi sei so schnell, das man ihm aus einem Schritt Entfernung ins Gesicht schießen kann und dennoch nicht trifft. Einzig ein Pfeil oder eine Kugel bedeckt mit der weißen Asche des heiligen Baums kann ihn töten, nachdem man seinen wahren Namen offenbart hat. Das zwingt Ihn, sein Fell abzuwerfen, und dann ist er verwundbar.“

„Und du willst einem 12jährigen Mädchen ins Gesicht schießen?“

„Das meinte ich mit dem Problem…“


„Irgendwie passt das alles nicht zusammen.“
Carmen gähnte und streckte sich.
„Es ist jetzt beinahe ein Uhr. Ich hole uns noch einen Kaffee, sonst halte ich die Nacht nicht durch.“
Jeffs Kopf ruckte hoch – auch er war schon beinahe weggenickt. Er schaute Carmen noch einen Moment hinterher, dann schaute er wieder hinüber zu Sally. Der Raum lag ihm Schatten, nur wenig Mondlicht und die Notbeleuchtung des Krankenhauses erhellten ihn. Trotzdem schien etwas anders zu sein. Irgendetwas fehlte. In dem offenen Schrank neben Sallys Bett hatte eine Jacke gehangen, eine schwere gefütterte Lederjacke. Er stand auf und ging zum Fenster, um genauer nachzusehen. Als er am Fenster stand, schlug plötzlich die Tür des Zimmers auf und schlug mit einem lauten Klirren gegen die Wand. Irgendetwas huschte an Ihm vorbei, ohne das er es erkennen konnte.

Er wirbelte herum. Etwas klapperte über den Boden – Carmens Absätze? Falsche Richtung! Er hastete den zwielichtigen Gang entlang. Ein Tür klappert. Als Jeff sie erreicht, fällt sie gerade ins Schloss.
Noch einmal atmet er tief ein, stützt sich an der Wand ab – und reißt die Tür auf.

Ein kreischendes etwas trifft ihn in der Körpermitte. Jeff taumelt, geht zu Boden. Krallenartige Nägel zerren an seiner Jacke. Etwas spitzes, hornartiges schabt seine Rippen entlang. Verzweifelt greift er nach seinem Angreifer, spürt Fell. Er zerrt daran, und erkennt grüne Augen, die ihn haßerfüllt anstarren. Kurze Arme versuchen, seine Augen zu erreichen, sein Unterleib wird mit Tritten malträtiert.

Sally! Sally Tsung Whitefeather! Wach auf!“ Scharfe Zähne graben sich tief in sein Handgelenk, bis Blut fließt. Verdammt, einmal hätte das ja klappen können mit dem wahren Namen. Er reißt seine Hand los und stößt das Kind von sich, das auf allen vieren unter einem Bett verschwindet. Rückwärts rutscht Jeff an die Wand, hält sein blutiges Handgelenk.

Tierhaftes Knurren und – Blöken tönt unter dem Bett hervor, dann schießt Sally nach vorne, die Hände klauenartig ausgestreckt. Die riesige Lederjacke bläht sich auf wie Flügel. Er kann das Kind gerade noch packen, aber das Kind schlägt, beißt und kratzt mit unbändiger Kraft um sich. Jeffs verletzte Hand gibt nach, und eine Kinderhand reißt ihm blutige Furchen in die Wange. Nur Zentimeter von seinem Auge entfernt. Ein harter Tritt in den Unterleib treibt ihm die Tränen in die Augen.

„Das reicht, Elisabeth Falcon!“ Zwei kaffebraune Hände reißen das Kind zurück.. Als der Name ertönt, erschlaffen die Züge des Kindes, und es rutscht völlig knochenlos aus der zu großen Lederjacke. Auf dem Boden liegt ein kleines, unschuldiges Mädchen.

Carmen betrachtet kurz die Jacke, bevor sie sie weit weg von Sally auf eine Pritsche wirft. „Schafsfell. Du bist beinahe von einem Werschaf ermordet worden.“ Jeff lässt erschöpft seinen Kopf hängen.
„Kannst Du in deinem Artikel wenigstens einen Hund daraus machen? Mein Ruf ist eh schon arg ruiniert.“
„Mal sehen. Vielleicht lasse ich auch Dich darauf kommen, das Sie Falcons Tochter ist. Meine Leser mögen den heldenhaften Parapsychologen sooo gerne.“ Sie zwinkerte mir zu.
„Wieder bleibt die Frage – was machen wir jetzt?“ Gemeinsam schauten sie zu Sally, die ängstlich auf der Pritsche hockte.

„Ich werde sie mitnehmen. Ich weiß, wie ich mit dem Fluch umgehen kann.“ Falcon saß oben auf einem Fenstersims, in der Hand einen Umhang aus Federn. Geschmeidig ließ er sich zu Boden fallen.
„Wenn wir uns von Fellen und Federn fernhalten, passiert uns nichts. Es ist zwar in den letzten Jahren stärker geworden, aber Den Geistern sei Dank gibt es sowieso kaum noch echte Felle. Ich verspreche, ich werde Sie von all diesen Dingen fernhalten.“
„Und wenn das nicht reicht?“ Wenn doch etwas passiert und Menschen zu Schaden kommen?“ Carmen sah Ihn herausfordernd an.

Falcon ließ den Kopf hängen. Dann riss er zwei Federn aus dem Umhang, und stach mit den Kielen erst sich selbst, dann Sally in den kleinen Finger. Er reichte die Federn Carmen.
„Mein voller Name ist Nicholas Bartleby Falcon. Den Namen meiner Tochter kennt Ihr. Wenn einer von uns einem Menschen schaden sollte, sollt Ihr uns finden und mit einem Pfeil durchbohren, der diese Feder trägt. Ihr kennt nun unsere Namen, kein Fell kann unsere wahre Gestalt vor Euch verbergen.“ Er schaute ernst erst in Carmens, dann in Jeffs Augen.
„Ich vertraue Euch unser Leben an. Ich bitte Euch, weise damit umzugehen.“

Dann nahm er seine Tochter bei der Hand und schritt langsam mit Ihr den Gang hinunter.

Carmen starrte lange Zeit die blutigen Federn in Ihrer Hand an, bevor Sie sie in Ihrer Handtasche verschwinden ließ. Jeff räusperte sich. „Aähm, ich würde diese Federn schon gern untersuchen, Du weißt schon, im Namen der Wissenschaft..“

Sie hakte ihn unter und schritt schnurstracks den Gang hinunter, fort von den Falcons. „Das hängt schwer davon ab, wohin Du mich jetzt ausführst. Ich denke Dein Leben und Dein Ruf sollten schon mindestens ein Fünf Sterne Dinner wert sein. Lass Dir was einfallen, wie Du das noch steigern kannst, wenn Du die Federn auch noch haben willst.“


TOMBSTONE EPITAPH

**NEU**: FÜNF Kolumnen, die aufdecken das die Wahrheit nicht immer ist was sie scheint. C-Files, Lost Scripts und Lone Gunmen berichten aus 1.Hand über ungesagtes, vertuschtes und unfassbare Wahrheiten. 100% unabhäng, objektiv und unbestechlich. Neu hinzugekommen sind Die Abenteuer von Anita Bluebird, Tempelritter im Wilden Westen und Die Aufzeichnungen der Diogenes Gesellschaft, Monsterjagden im Deutschen Kaiserreich von 1899.
VORSICHT: Diese Wahrheit könnte ihre psychische Gesundheit gefährden. 


 ************************************************
Unglaubliche Tatsachenberichte aus Chicago



************************************************
In seinen Drehbüchern verarbeitet P.J.
 seine unfassbaren Abenteuer

************************************************
Insider des FBI berichten aus den Schatten der Gesellschaft





************************************************
Die frühen Geschichten des Tombstone Epitaph - die1870er












Wir folgen den Abenteuern von Anita Bluebird, Ritter des Tempels im Wilden Westen!

************************************************
Die Aufzeichnungen der Diogenes Gesellschaft, Unterkapitel Stuttgart, Königreich Württemberg

Kapitel II : Das Prager Fiasko



Zusammengestellt von Mycroft Holmes, Esquire

>>[click picture]<<

Das Prager Fiasko

Nach den turbulenten Ereignissen in Amsterdam hatte ich einen besseren Eindruck von den Eigenschaften und Möglichkeiten unserer neuen Ripperloge. Damit lag es nahe, sie in ein weiter östlich gelegenes Operationstheater zu verlegen, damit ein wenig Gras über die Missverständnisse in Holland wachsen konnte. 
Die Verbindungen zwischen Logen sind oftmals diffizil. Unsere Kooperation mit der Bruderschaft des St. Georg beispielsweise war schon des öfteren strapaziert worden, da unser pragmatischer Umgang mit Rippertech und moderner Technologie von den Brüdern verurteilt wird. Daher legte ich unseren neusten Mitgliedern nahe, sich in diesem Fall nur im Notfall an die Bruderschaft zu wenden. Denn ehrlich gesagt ist, abgesehen von Vater George, ist diese neue Loge genau das, was die Brüder uns immer vorwerfen – eine nahezu unkontrollierbare Bombe.

Zum Fall selbst – seit einiger Zeit waren die Schwarzen Kosaken in Deutschland mit immer mehr und immer moderneren Waffen aufgetreten. Das letzte, das wir brauchen konnten, war Draculas Privatheer mit Präzisionsgewehren und Handgranaten.

Schwarzer Kosak mit neuer Ausrüstung


 Die erste Loge, die wir darauf angesetzt hatten, geriet in einen Hinterhalt und wurde beinahe völlig ausgelöscht. Unser einziger Hinweis war ein Kommuniqué, das den Stuttgart/Prag Express als eine wichtige Transitlinie auswies.
Ich hielt es also für angebracht, unsere neuen Ripper in diesen Zug zu verfrachten.

 Ihre natürlichen Anlagen würden für ausreichend Aufregung sorgen, um einen der Spieler zu einem Fehler zu verleiten. Als hätte ich sie dementsprechend instruiert, begannen die Spannungen in der Gruppe schon bei Reisebeginn. So teilten sich die Herren tatsächlich nicht nur auf die erste und zweite Klasse auf, sondern ließen aus gefühlter Gehässigkeit sogar einige Mitglieder in der Bauernklasse reisen. Hier fielen die Herren Ganondorf und Wurst, beides Gentleman der Wissenschaft, natürlich auf wie bunte Hunde und gerieten schnell mit Tagelöhnern und Tunichtguten aneinander. Auch Wilhelm, der aufbrausende Schatzsucher, lenkte schnell durch seine ruppige Art einige Blicke auf sich.
Nur Vater George und Fürst Erbach versuchten zunächst, in der feinen Gesellschaft unter zu tauchen. Auch wenn ein Poker spielender Geistlicher etwas von der Norm abweicht, wird von Amerikanern eine gewisse Exzentrizität ja nahezu erwartet. Interessant war auch die Reaktion Fürst Erbachs auf Isabelle de la Delacroix. Eine derart offenkundige Feindseligkeit hätte ich nicht erwartet, vor allem gegenüber dem schönen Geschlecht. Und auch wenn Isabelle kein unbeschriebenes Blatt ist, deutete doch erst mal nichts darauf hin, das sie den Hass Ihres Cousins Henry auf die Erbachs teilt.
Immerhin konnten die beiden sich bei der Neutralisierung eines gewissen Mr. Grissom positiv beteiligen. Selbiger offenbarte sich während des Spiels nicht nur als Falschspieler, sondern als sogenannter „Huckster“, einer amerikanischen Form der Hexerei. Da er sich der Festnahme widersetzte, wurde er Opfer einer abgebrochenen Flasche in der Halsgegend.


Die Herren Wurst und Ganondorf wurden währenddessen Zeugen einer Verschwörung – Erbach und Gabel, einer der anderen Reisenden, sollten einem Anschlag zum Opfer fallen. Beim Versuch, die Verschwörer aufzubringen, gerieten zwar einige der Schurken unter die Räder, aber keiner konnte gefangen werden, um den genauen Ablauf des Attentats zu klären.
So nahm das Schicksal seinen Lauf, und an der ungarischen Grenze spielten die Kabale Ihren Trumpf aus. Eine Gruppe von Schergen, die sich als Teil der Preußischen Politischen Polizei ausgaben, nahmen den feigen Mord an Gabel, der im Schlaf von Ihren Spießgesellen gemeuchelt worden war, als Vorwand und setzten die gesamte Truppe exklusive Erbach fest.
Zwar waren die Anschuldigungen simpel fabriziert und hätten keiner Nachforschung stand gehalten, aber es reichte, um den Fürst von seinem Gefolge zu trennen. Dies war offensichtlich der Hauptzweck des Manövers.
So erreichte Fürst Erbach alleine Prag, und kontaktierte dort unseren Mann mittels eines toten Briefkastens in der Kathedrale. 



Unglücklicherweise war der Fürst seit seiner Ankunft unter Beobachtung der Kabale, so das er unwissentlich die Häscher zurück zu unserem Mann führte. Die beiden verteidigten sich tapfer, fielen aber der Überzahl der Kabalschergen zum Opfer und wurden verschleppt.

Während dessen schmachteten die restlichen Ripper in einer kleinen Grenzstation und harrten der vermeintlichen preußischen Polizei.


Statt dessen wurden sie Zeuge einer unerklärlichen Heimsuchung. Um Mitternacht wurde die gesamte Besatzung der Station grausam dahin gemetzelt, und die Tür der Zelle öffnete sich wie von Geisterhand. Im Blut der Polizisten an die Wand geschrieben stand ein Treffpunkt – die Seitenkapelle des Heiligen Georg zur Mitternachtsstunde.

Zu diesem Treffen kam es denn auch wenig später, als der Rest der Loge das schöne Prag erreichte. Laut meinen Quellen handelt es sich bei diesem Kontakt um niemand geringeren als Melmoth den Wanderer, eine Entität der Klasse III. Wie Melmoth so früh auf diese Loge aufmerksam wurde ist unklar, allerdings vermute ich das entweder Herr Wurst oder Wilhelm durch Ihre – spezielle Vergangenheit die Aufmerksamkeit des Wanderers erregt haben. Zu diesem Zeitpunkt sei nur vermerkt, das sie die Kontaktaufnahme mit Melmoth unbeschadet überstanden haben, was ein eindeutiges Indiz für Folgeprobleme ist.

Künstlerische Darstellung Melmoths

Beim Verlassen der Kathedrale konnte zum Glück der Leutnant unsere Leute abfangen, bevor sie wieder mit den Kabalen aneinander gerieten. Wie geplant hatte unser Maulwurf die Entführung des Fürsten beobachtet und so den Unterschlupf der Kabaltruppen entdeckt. Nun wurde es Zeit für den Gegenschlag.

Manchmal bemitleide ich die Kabale für Ihre fehlende Inspiration. Ein altes Lagerhaus als Zentrale für Ihre Experimente? Wie klischeehaft und vorhersehbar. Auch das Szenario im Inneren hatte etwas altbekanntes.
Das klassiche Labor eines Kabalwisenschaftlers
Der gute Fürst von Erbach von seiner Erzfeindin an einen Experimentiertisch gefesselt, wo sie ihm die Details Ihres finsteren Plans enthüllt, und kurz vor der Exekution kommen die tapferen Gefährten, um sie zu retten. Nun ja, leider nur fast. Zwar konnten unsere neuen Rekruten endlich einmal hemmungslos die Zerstörungskraft Ihrer Erfindungen und Geschütze unter Beweis stellen, während um sie herum die elektrifizierten Speicherbänke detonierten und untote Schergen nach ihrem Leben trachteten, leider konnten sie aber das vorübergehende Ableben des Fürsten nicht verhindern. Auch die Komtesse de la Delacroix konnte entkommen, was uns gewiss noch einiges an Kopfschmerzen bereiten wird.

Komtesse Delacroix

Trotz allem scheint somit vorerst dem Handel von Waffen gegen die Leichen von Veteranen ein Riegel vorgeschoben, und zumindest eines der Labore der Kabale ist vernichtet. Ich verzeichne diese Mission damit als Erfolg. Viel besorgniserregender ist, das Fürst Erbach kurz nach seinem Ableben wieder in der Prager Innenstadt gesehen wurde, kurz nachdem die Auguren der Brüder des St. Georg eine diabolische Präsenz innerhalb der Kathedrale selbst wahrgenommen hatten.

Selbst mein kleiner Bruder könnte die Verbindung zwischen dem Auftauchen des Wanderers, der Kontaktaufnahme mit unserer Loge und der wunderbaren Auferstehung des Fürsten ziehen. Nun, wir werden sehen, ob wir diese neuerliche Wendung in unserem Sinne nutzen können. Mit Vater George haben wir einen potentiellen Kontrollfaktor in der Gruppe, aber langfristig könnten wir Gefahr laufen, das diese neue Loge zu einer größeren Bedrohung wird, als diejenigen, gegen die wir sie einsetzen.


Die folgenden Einsätze werden ein diesem Risiko entsprechenden Oppositionsgrad einfordern. Ich habe da schon etwas im Sinn...


Diogenes Gesellschaft

Nach langem Diskurs mit diversen Clubmitgliedern haben wir beschlossen, einen Zweig in Deutschland aufzubauen. Die Lage auf dem Festland droht, außer Kontrolle zu geraten, und wir brauchen einige Agenten vor Ort. Nach Durchsicht der Akten habe ich mich auf sechs Individuen konzentriert, deren Tauglichkeit jetzt geprüft werden muss. Jedes von Ihnen ist mit den Kabalen in Berührung gekommen und hat, anstatt den Kopf einzuziehen, bschlossen, den Kampf zu Ihnen zu tragen.

  • Johann Schwartau. Ein ehemaliger Archäologe, der bei den Ausgrabungen seines Vaters in der Nähe von Gizeh Zeuge einer Attacke durch Tot-Amon wurde. Der Junge musste zusehen, wie sein Vater von den Untoten erwürgt wurde, aber statt hilflos dabei zu stehen, griff er sich eine Fackel und attackierte die Leichname. Dabei steckte er versehentlich das Lager in Brand und erlitt schwerste Verbrennungen, konnte die Wesen aber zurück treiben. Die örtlichen Ripper der Loge von Alexandria kamen zu spät, um seine Eltern zu retten, aber mittels der Asche Tot-Amons konnten sie große Teile seiner Haut wiederherstellen. Sie bildeten den Jungen zum Ripper aus, und er ist seitdem ein recht zielgerichteter, wenn auch schwer zu kontrollierender Jäger. Vor kurzem ist er zurück nach Württemberg gekommen und hat noch Probleme, sich wieder in der zivilisierten Gesellschaft zurecht zu finden.
  • Fürst Wilhelm von Erbach – Wilhelms Vater war ein erfolgreicher General in Deutschlands frühen Frankreichfeldzügen und hat sich dort leider auch einige Feinde gemacht. Einer dieser Feinde suchte die Hilfe der Kabale, um seine Rache zu verwirklichen. Als einer von Draculas Nachfahren suchte er die von Erbach heim und schlachtete alle bis auf den jungen Wilhelm nach einem Opernbesuch ab. Wilhelm investierte daraufhin den Rest seiner Jugend darin, ein maskierter Rächer zu werden, der unbewusst das Aussehen und Methoden seines Feindes kopierte. Seitdem hat er schon diverse Handlanger de la Croix zur Strecke gebracht, aber das Oberhaupt des Clans ist ihm bis jetzt entwischt.
  • Vater George Stevens ist einer der wenigen Überlebenden der „Blauen Nacht“ des Vatikans, während der in einer der größten Kabaloffensiven der Neuzeit der Heilige Vater selbst angegriffen wurde. Nicht weniger als 100 der anwesenden Bischöfe und Kardinäle wurden von mit langer Hand platzierten Besessenen attackiert. Vater Stevens war einer der Außerwählten, die nicht nur überleben, sondern zurückschlagen konnten. Als Mitglied des Ordens von St. Georg ist er seitdem mit Feuer und Gottesfurcht unterwegs, um die Kabale vom Antlitz der Erde zu wischen.
  • Felix Ganondorf ist einer der Vorreiter der Äther- und Elektrizitätslehre. Eher Theoretiker als Praktiker öffnete er bei einem seiner Versuche zur Raumdilatation versehentlich ein Portal in eine der Vorhöllen und entließ einen Gehörnten in sein Heim, was seine Familie das Leben kostete. Glücklicherweise konnte er den Gehörnten mittels seines tragbaren Blitzwerfers von der Ebene bannen. Seitdem konzentrieren sich seine Forschungen auf den Bereich der Waffentechnologie, um dem Krieg gegen die Kabale die nötige Feuerkraft zu liefern.
  • Hans-Peter Wurst wandte sich erst spät der Wissenschaft zu. In seinen frühen Zwanzigern erfuhr er, das seine Mutter nur deshalb bei seiner Geburt verstarb, weil sein Vater versucht hatte, die Seele seines ungeborenen Kindes für Macht und Reichtum an den Teufel zu verkaufen. Stattdessen endete er mit einem Mensch/Dämonen Hybriden, der verspätete Rache am Mörder seiner Mutter nahm. Seitdem wehrt sich Hans Peter mit den Mitteln der Wissenschaft gegen das Schicksal, das Ihn eher an der Spitze der Höllentruppen denn auf Seiten der Engel sehen würde.

Diese illustre Truppe konnte ich während eines gemütlichen Abendmahls davon überzeugen, das sie gemeinsam deutlich mehr erreichen würden denn als Einzelkämpfer. Die einzige Frage war, ob diese allesamt gestörten Individuen fähig wären, als Gruppe zu agieren und sich auch ungewohnten Herausforderungen zu stellen.

Zum Test dieser Hypothese beschloss ich, sie auf ein überschaubares Problem anzusetzen, allerdings in ungewohnter Umgebung – eine Geistergeschichte im holländischen Königshaus. Dies hatte den Vorteil, das jeder Ausgang der Geschichte dem Empire helfen würde. Ein Erfolg würde uns eine gute Verbindung in den niederländischen Adel verschaffen, eine Niederlage würde eher auf das deutsche Reich, vertreten von Fürst Erbach, zurückfallen, und somit eine Aufnahme Hollands in den Norddeutschen Bund unwahrscheinlicher machen.

Ich bin im Nachhinein froh, das ich unmittelbar nach der Verkündung des Auftrags aufbrach, denn was mir das Personal von dem späteren Verlauf der Nacht berichtete, hätte mich eventuell dazu animiert, die ganze Mission abzubrechen.

Auf dem Rückweg zu Ihren persönlichen Quartieren stießen die neuen Rekruten offensichtlich auf eine Zigeunerin, die sie vor dem „Sohn zweier Väter“ warnte, bevor sie einen zufälligen Passanten als Opfer von Dr. Jekylls Experimenten enttarnte. Die wackeren Recken verfolgten den Missgestalteten und brachten ihn zu Fall, woraufhin er sich in einen harmlosen Buchhalter zurück verwandelte. Da Schüsse gefallen waren, beschlossen sie korrekterweise, Ihn in der Loge weite zu befragen, um komplexe Erklärungen mit den Behörden zu vermeiden.

Von hier ging das ganze allerdings etwas aus dem Ruder. Herr Schwartau, offensichtlich stark Impuls getrieben, wollte dem guten Mann eine Blutprobe entnehmen, um eine tiefere Analyse des Elixirs zu erstellen, das zu seiner Verwandlung geführt hatte. An sich eine gute Idee, allerdings die Exsanguination vor dem Objekt des Versuchs zu diskutieren, führte zu leichter Panik seinerseits. Die Diskussion eskalierte, bis Vater Stevens schließlich handfeste Maßnahmen ergriff, Herrn Schwartau hinterrücks niederstreckte und ihn in eine Verhörzelle steckte, während Fürst von Erbach den Buchalter nach Hause eskortierte.

Damit nicht genug. Offensichtlich ist Gefangennahm eine extreme Stresssituation für Herrn Schwartau, der daraufhin mit der konsequenten Dekonstruktion der Zelle begann. Herr Ganondorf, abgestellt zur Beobachtung von Herrn Schwartau durch die verspiegelte Panzerglasscheibe (ein Produkt aus den Werkstätten Professor Teslas), konnte er nicht umhin, diverse Ruhigstellungsfunktionen der Zelle zu testen. Zum Glück sah er davon ab, sie zu fluten, aber die Schlafgasfunktion erfüllte Ihren Zweck vorbildlich.

Das alles führte dazu, das Herr Schwartau keinerlei Reisevorbereitungen treffen konnte und quasi mit einem verknitterten Anzug und geliehener Wechselkleidung aus der Loge die Reise auf der Dorade antrat. Kein guter Start für eine Reise auf einer Mission in fremde Adelshäuser.

Transfer auf der Dorade
Ich will es knapp halten – entgegen meinen expliziten Anweisungen nutzten unsere neuen Rekruten die Reise nicht dazu, sich mit dem niederländischen Königshaus vertraut zu machen, sondern versuchten sich gegenseitig zu diskreditieren. Ich bin wirklich überrascht, das das ganze nicht in einem Duell geendet hat.

Ankunft in Den Haag
Entpsrechend unseren Vorbereitungen wurde die Gruppe denn auch als Gäste empfangen und von der Leibgarde des Königs eskortiert. Wieder wurde diese Gelegenheit genutzt, um interne Konflikte und Probleme zu schüren, indem Fürst von Erbach Herrn Schwartau und die Herren Wurst und Ganondorf als Gesinde deklarierte, was zu Ihrer fälschlichen Unterbringung in den DIesntbotenquartieren führte. Das ganze wurde im Nachhinein als „deutscher Humor“ gerettet, aber der Schaden war getan.
Interessanter als diese infantilen Querelen war ein Zwischenfall bei der Ankunft im Palast. Die Wachen, anscheinend höchst angespannt ob der Vorkommnisse der letzten Tage, schossen auf Befehl von Hauptmann Gent ein Blumenmädchen nieder, das die neuen Gäste begrüßen sollte. Nur dank des beherzten Eingreifens von Vater Stevens konnte die junge Dame gerettet werden. Enttäuschend für mich ist, das diese Episode nicht genutzt wurde, um die Hintergründe dieses doch recht auffälligen Verhaltens zu beleuchten. Es wäre eine exzellente Möglichkeit gewesen, Befragungen hinsichtlich der Ereignisse zu starten, ohne die Integrität der Tarnung zu gefährden. Diesen Punkt werde ich in der Nachbesprechung einfließen lassen.

Zumindest in Präsenz Ihrer Majestät Wilhelmina fanden die Herren denn zu Ihren Umgangsformen zurück und verhielten sich angemessen Ihres Standes. Zur Überraschung der anwesenden erklärte die Königin, das Herr Wurst am Hofe eine gewisse Berühmtheit inne habe, sei die Tochter der Monarchin doch eine große Anhängerin seiner Publikationen. Herr Wurst vereinbarte eine Demonstration seiner Technologie zum Abendmahl, und man zog sich in die Zimmer zurück. Während Herr Wurst mit Unterstützung von Herrn Schwartau einen „Laktosemittel-Applikator inklusive integrierter Cerealien-Produktions-Optimisator und Distributor“, kurz Käsetoastwerfer entwarf, nutzten Herr von Erbach und Vater Stevens die Zeit zur Inspektion der Palastanlagen.

An mehreren Stellen fanden sie „blutige“ Handabdrücke, an denen verzweifelt diverse Bedienstete arbeiteten.

Offensichtlich hinterließ „Das Mädchen“, wie die Bediensteten den Spuk bezeichneten, unweigerlich einen dieser Handabdrücke, der nur schwer zu entfernen war.

Dinner und Technologiepräsentation waren eine voller Erfolg – Prinzessin Wilhelmina wollte Herrn Wurst als Dank einen Ihrer Erbringe schenken, das Ihnen laut Ihren Geflüsterten Worten „Vor dme teufel“ schützen sollte. Aber entsprechend seines Standes lehnte Herr Wurst dieses weitaus zu großzügige Geschenk ab. Zwar machte das die kleine Majestät recht unglücklich, die Mutter wusste aber um die Angemessenheit der Geste. Auch deswegen stimmte sie zu, eine Audienz bei Ihrer Majestät selbst, König Wilhelm dem Ersten, in die Wege zu leiten.

Nächtliche Unruhen

Die erste Übernachtung brachte denn auch den ersten Kontakt mit der Heimsuchung. Herr Schwartau wurde des Nachts am Fenster von einer weißen Gestalt besucht, die ihn in Ihre Umarmung zu locken suchte. Herr Schwartau ließ sich nicht auf solche Alterkationen ein und alarmierte statt dessen den Rest der Gesellschaft. Unglücklicherweise war der Spuk verschwunden, als der Rest der Loge zusammen gerufen war. Einzig ein blutiger Handabdruck verblieb am Fenster.

Ein Analyse dieser Spuren ergab, das es sich mitnichten um Ektoplasma handelte, wie es bei einer Geisterscheinung üblich wäre, sondern um wochenaltes Blut, das unter normalen Umstände schon längst dem Gerinnungsprozess hätte unterliegen müssen und es jetzt verspätet auch tat. Keiner der erfahrenen Geisterjäger konnte mit diesem Indiz etwas anfangen.
Der nächste Tag war geprägt von einer Art Schnitzeljagd auf lokale Erzählungen und Geistergeschichten. Vom Galgenberg über die Sumpfleichen bis hin zu Brudermorden und Inzucht wurden diverse Orte und Personen untersucht, ohne einen irgendwie gearteten Fortschritt zu erzielen.
Der Tag endete schlussendlich im Desaster – bei der Audienz mit König Wilhelm konfrontierten sie ihn mit unbelegbaren Theorien über Geisterangriffe auf sein Haus. Der Monarch, ein bodenständiger und gläubiger Mann, verwarf all diese Ideen und verbat sich weitere Einmischungen in seine Familienangelegenheiten seitens entfernter Verwandter und deren impertinenten Gefolge.

Innerhalb einer Kurzschlussaktion versuchte Herr Wurst, zumindest seinen guten Stand mit Königin und Prinzessin zu nutzen, um eventuell die Härte des Königs abzumildern. Wenn ich den Augenzeugenberichten glauben darf, bin ich mir keineswegs sicher, ob es dort wirklich eine unglaublich Darstellung der Menschlichen Resilienz und elektrischer Übertragungsfähigkeit handelte, oder schlicht um eine katastrophale Fehlfunktion und eine geschickte Überspielung des ganzen von Herrn Schwartau.

Was immer es war, dank dieser erneuten Darstellung konnte man die Königin überzeugen, das Sie und Ihre Tochter die Hergänge des ersten Angriffs in der Umgebung Ihrer Privatbibliothek noch einmal detailliert zu beschreiben.

Das Rätsel der verschlossenen Tür
Mein kleiner Bruder ist ja recht bekannt dafür, diverse sogenannter „Locked Room“ Verbrechen gelöst zu haben, oftmals mit exotischen, aber dennoch meist mundanen Auflösungen. Hier sollte es sich anders verhalten, aber die Grundmittel der Deduktion bleiben dieselben. Was sind die Fakten?
In diesem Falle waren die Fakten das die kleine Mina des Nachts, allein, in dieser Bibliothek las, die Tür von Innen verschlossen, Ihr Leibwächter, der uns bekannt Hauptmann Gent, vor der Tür. Bei Ihrer Lektüre, nach eigenen Angaben eine Märchensammlung der Gebrüder Grimm, wurde sie einer Präsenz gewahr. Das blasse Mädchen Ihr gegenüber schien aus dem Nichts erschienen, und auf Frage nach Ihrem Namen flüsterte die Gestalt nur den der Prinzessin zurück und versuchte, sie zu ergreifen. Die Prinzessin begann daraufhin zu schreien und versuchte, die Gestalt abzuwehren, verlor aber kurz darauf das Bewusstsein.
Hauptmann Gent brach, sobald er die Schreie vernahm, die Tür auf, konnte aber von der Angreiferin nichts finden.

Die Auffälligkeiten dieser Geschichte sind offensichtlich, und nach längerer Diskussion mit Ihren Majestäten kamen die Herren den auch auf des Pudels Kern. Warum ist eine zehnjährige alleine in der Bibliothek eingeschlossen? Offensichtlich hatte sie etwas gelesen,das keinesfalls so harmlos war, wie sie angab. Eine Durchsuchung der Bibliothek enthüllte dann auch schnell ein verborgenes Regal, in dem die heimliche Lektüre der jungen Dame offenbar wurde. „De Vermis Mysteriis“, ein Werk von Ludwig Prinn – Alchemist, Nekromant und angeblicher Magier, der behauptete, ein „wundersames Alter“ erreicht zu haben, bevor er auf der Höhe der Hexenjageden des frühen 16. Jahrhunderts in Brüssel verbrannt wurde.

Hinzu kamen diverse Werke hoher Freimaurer und die äußerst prekäre Korrespondenz einer Dame fragwürdiger Qualitäten mit nicht weniger als drei Mitgliedern des Königshauses, unter Ihnen Ihre Majestät Wilhelm selbst. Diese Person war der Königin tatsächlich bekannt, allerdings als eine Wahnsinnige, die bis vor kurzem versuchte hatte, eine Audienz beim König zu erhalten, zuletzt mit einem verborgenen Messer am Körper. Sei fristet jetzt Ihr Dasein in einem Sanatorium.

Addendum: Da unsere Ermittler dieser Spur nicht nachgegangen sind, habe ich später einige diskrete Nachforschungen einholen können. Diese runden das Bild der Ereignisse ab, sind aber hier nicht weiter von Bedeutung.

Doktor Ganondorf beschloss, das Werk genauer zu untersuchen, um irgendwelche Zusammenhänge mit den Erscheinungen nach zu vollziehen. Man beschloss, am Ort derTat zu verbleiben, um alle Eventualitäten nachzustellen und so möglicherweise den Ereignissen auf die Spur zu kommen. Tatsächlich wurde auch sämtliche Ausrüstung in die kleine ibliothek transportiert, inklusive der ätherischen Blitzwerfer von Herrn Ganondorf, den Repetierpistolen des Fürst von Erbach und dem Flammenwerfer von Vater Stevens.

Die nachfolgenden Ereignisse waren denn auch vorhersehbar, wenn auch nicht in jedem Detail.
Doktor Ganondorf, vertieft in die blasphemischen Beschreibungen Prinns, realisierte ebensowenig die Erscheinung des „Mädchens“ wie die dedizierten abgestellten Wachen. Scheinbar aus dem Boden hervor bildete sich die Gestalt und näherte sich dem Fürst von Erbach, auf den sie sich zu konzentrieren schien.
Aufgrund der Enge des Raumes gelang es dem Fürst nicht, der Gestalt auszuweichen, und landete in den Armen des Mädchens. Herr Ganondorf zögerte nicht lange und elektrisierte die Gestalt mit einem Blitz aus seinem Ätherwerfer. Zwar nahm die Fürst von Erbach in schwere Mitleidenschaft, aber es reichte, um das Wesen zu zwingen, seine Maske abzuwerfen. Die wahre Gestalt des Wesens ist schwer zu beschreiben – am ehesten ähnelt es dem, was Wischenschaftler heutzutage unter den Mikroskopen als Urbausteine des Lebens sehen, protoplasmische Ansammlungen von Zellen und Ganglien, die scheinbar ohne jeglichen Sinn oder erkennbares Ziel umherpeitschen. 



Ziellos war dieses Ding keineswegs, es versuchte sogar recht adamant, Fürst von Erbach in seine Fänge zu bekommen, allerdings wurde jeder, der zu nahe kam, ebenfalls Opfer der peitschenden Extremitäten des Wesen. Schusswaffen schienen wenig Wirkung zu zeigen, wie Fürst von Erbach bewies, als er geschätzte 30 Schuss aus unmittelbarer Nähe in den Leib des Monsters beförderte. Auch die Klauen Herrn Schwartaus und das elektrifizierte Bajonett Herr Wursts zeigten allerhöchsten temporäre Schäden. Auch eine Zerstörung des Buchs, das den Schrecken möglicherweise herbeigerufen hatte, oder ein überschütten mit geheiligtem Wasser zeigten keinerlei Wirkung. Hauptmann Gent kam tapfer zur Hilfe, aber er wurde ein Opfer der würgenden Ganglien.
In höchster Not schließlich, erfasst vom Furor seines Glauensbekenntnisses, badete Vater Stevens das Ding in einem Meer aus Flammen aus seinem Exorzist Mk II. Zwar setzte er damit auch zwangsläufig große Teile der Bibliothek und seiner Gefährten in Brand, allerdings was dies das einzige, was eine Reaktion in dem Wesen hervorrief – unmittelbare Flucht. Gleich seinen protoplasmischen Vorfahren war es dem Wesen möglich, sich durch dünnste Spalten in Fenstern und Mauerwerk zu pressen, was eine Verfolgung nahezu unmöglich machte. Bei dem Versuch, das Biest an der Flucht zu hindern, setzte Vater Stevens noch große Teile des Gartens in Brand.

Schnell erkannte man die Lage, das man nun schlussendlich ohne jeden Beweis übernatürlicher Aktivitäten der Anklage der Brandstiftung gegenüber stehen würde. Also verließen die Ermittler schleunigst den Palast und versteckten sich vorübergehend in den ausufernden Palastgärten. Frustriert ob dem anscheinenden Entkommen der Bestie ließ man nochmals alle Fakten Revue passieren. Auch wenn die Deduktion von einer für mich quälenden Langsamkeit geprägt war, kam man schlussendlich auf den gemeinsamen Fakt aller Angriffe – Geruch nach Pinien kurz vor dem Erscheinen der Gestalt. Aus vorherigem Studieren der Gartenpläne konnte Fürst von Erbach denn auch auf einen einzelnen Pinienhain auf dem Palastgartengelände verweisen.

Ohne zu zögern brachen die Ermittler auf, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Zwischen offensichtlich kranken Bäumen, im Finstern der Nacht, offenbarte sich Ihnen denn auch die Lagerstatt des Wesens. In einem verknoteten Gewirr aus schleimigen Ästen, triefende Wurzeln und schuppigen Extremitäten fand sich eine Öffnung, die etwas obszönes an sich hatte. Und dort, durchtrieben von Sprößlingen und würzen als wären es unzählige, blasphenische Nabelschnüre, wand sich das Wesen, zurück in der Form des Mädchens. Ihre Unschuldigen Augen waren glasig Ihr Bick ins nichts gerichtet.

Das ganze wirkte auf so viele Wissen falsch, das das Niederbrennen des gesamten Hains im Nachhinein nur als Gnade gewertet werden kann.

Abschluss
Wir konnten die Gruppe wieder zurück nach Deutschland schmuggeln, wenn es auch nicht einfach war. Offiziell sucht das Königshaus sie als Brandstifter und Attentäter, worauf der Tod steht. Allerdings ist sich die Königin als auch Ihre Tochter der wahren Tragweite der Aktivitäten bewusst, so das wir dennoch einen Mächtigen Gönner in Den Haag gefunden haben. Es bleibt zu sehen, wie lange Helmut noch an der Macht bleibt.

Zur Vollständigkeit hier unsere Erkenntnisse aufgrund später Ermittlungen. Prinz Viktor, einer der verstossenen Söhne des Königs, war im Zuge seiner Mitgliedschaft bei den Freimaurern wohl in Besitz des „Vermis“ gekommen. Als es denn an der Zeit war, seine Rache gegen seinen Vater und dessen neue Frau zu planen, vollführte er eines der Rituale aus eben diesem Buch. Als wichtigste Ingredienz nutzte er das Blut einer königlichen Tochter – der Tochter eines der Söhne oder Wilhelms selbst, dies ist nicht mehr genau nachzu vollziehen, mit der Prostituierten Jenny Walker. Aufgrund dieses Blutes konnte das Wesen nicht nur menschliche Gestalt annehmen, sondern war auch wie ein Spürhund auf der Sache nach Angehörigen dieser Blutlinie.

Fazit:
Unsere neuen Rekruten haben Ihren Auftrag erfüllt, wenn auch nicht in den vorgesehenen Parametern und gewiss nicht so, wie es sich für Gentleman gehört. Das werde ich bei weiteren Aufträgen für diese Loge in Betracht ziehen müssen. Dennoch, es ist immer gut zu wissen, das man ein Schlachterbeil zur Verfügung hat, auch wenn ein Skalpell zu bevorzugen ist.

Hochachtungsvoll,

Mycroft Holmes, Esquire, Diogenes Society London

Independence Day

Independence Day
2. Juli 1876, Chicago, The Dog and Eyrie Gentlemans Club
„ Wer ist der, der den Ratschluss verdunkelt mit Worten ohne Verstand?“ Hiob, Kapitel 38, Vers 2

Es war nicht leicht, Clive Brookes mit der Nachricht unseres Versagens zu konfrontieren. Zum ersten Mal seit Beginn unserer Zusammenarbeit mußten wir einen Fehlschlag eingestehen.
„Sie haben Andrew Holbrook zurückgelassen.“
Ich nickte.
„Und die letzten Überlebenden seiner Expedition ebenso?“
Wieder konnte ich nur nicken. Mr. Brookes stand auf und ging zum Fenster. Seine Stimme war belegt, als er weiter sprach.
„Ms Bluebird, ich halte sie für eine kompetente Frau. Und in gewissem Sinne sind sie der moralische Kompass dieser kleinen Expedition. Deshalb wollte ich mit Ihnen unter vier Augen über den Ausgang dieser Mission sprechen.“ Er drehte sich um und sein Ausdruck war – müde, angestrengt, als trüge er schwer an der Bürde der Verantwortung. „Können sie mir Ihre Gründe für diese Entscheidung darlegen?“
Ich sammelte mich einen Moment, dann begann ich zu erklären.
„Wir waren am Ende unserer Möglichkeiten. Das wir den ersten Zusammenstoß mit dieser Bestie überlebt hatten, war nichts geringeres als ein Wunder. Mr. Li und Mr. Murdoch waren überzeugt, das Dr. Holbrook selbst für das Erwachen dieser Monster verantwortlich war. Wir – ich – sah einfach keine Möglichkeit, wie wir dieses Ungetüm besiegen könnten.“ Ich hielt inne – es klang selbst in meinen Ohren nach einer Ausrede.
Aber der wahre Grund – das unsere Gruppe innerlich zerstritten war und ich mich selbst in einer tiefen Glaubenskrise befand – konnte ich ihm unmöglich gestehen.
Mr. Brookes rieb sich die Augen. „Ich will ehrlich sein, Ms. Bluebird. Ich bin enttäuscht. Selbst, wenn es so ist wie sie beschreiben und Andrew selbst an seinem Leid schuld ist, haben sie dennoch seine armen Bediensteten dem sicheren Tod überlassen. Aber ich war nicht an Ihrer Stelle, deshalb muss ich Ihre Entscheidung akzeptieren.“ Er setzte sich müde wieder in den Sessel.
„Nun, bevor ich eine besser ausgerüstete Expedition ausheben kann, damit wir uns um diese Monsterechse kümmern können, müssen wir erst einmal den 4.Juli hinter uns bringen. Ich weiß nicht, ob sie schon davon gehört haben, aber die Truppen Ihrer Majestät sind über Kanada wieder in die Vereinigten Staaten einmarschiert. Brooklyn ist wieder in britischer Hand. Wie sie Sich denken können, erhöht das nicht gerade die Sympathie gegenüber Bürgern des Empire, unabhängig davon, wie ich persönlich zu diesem militärischen Abenteuer stehe. Außerdem treiben sich hier in der Stadt gerade diverse sogenannte „Rail-Gangs“ herum, angeheuerte Schlägertruppen der Eisenbahnlinien. Genug der langen Vorrede, ich würde es begrüßen, wenn Sie, Mr. Li und Danny im Vorfeld der Feierlichkeiten ein wenig für Ruhe auf den Straßen sorgen würden. Mein Vertrauen in die hiesigen Gesetzeshüter ist – begrenzt.“
Ich stand auf und strich mein Kleid glatt. „Gut, Mr. Brookes. Ich denke, das sollten wir im Interesse des Gemeinwohls bewältigen können.Ich selbst werde allerdings wohl einige Zeit abwesend sein, da ich mich um einige familiäre Angelegenheiten kümmern muss.“
Mr. Brookes schaute mich einen Moment verwirrt an. „Nun ja, das hat verständlicherweise Vorrang. Allerdings sollten Sie sich noch die Zeit nehmen, den Neuzugang unserer kleinen Expedition kennen zu lernen. Dr. Hatch wird die Rolle unserer medizinischen Versorgung übernehmen. Dr. Caballero hatte einige – philosophische Probleme mit – einigen unserer Mitreisenden.“
„Probleme philosophischer Art?“
„Nun, sagen wir mal, Wundertaten, wandelnde Tote und lebendige Schatten sind nicht jedermanns Sache. Nach meinen Gesprächen mit Dr. Hatch sollte das hoffentlich weniger problematisch sein. In der Heimat gibt es anscheinend einige bemerkenswerte Fortschritte in der Medizin, vor allem in Verbindung mit – weniger menschlichen Subjekten. Vielleicht kann er Ihnen bei Dannys Therapie zur Hand gehen. Wie steht es um ihn?“
Ich suchte nach den richtigen Worten. „Er – also ich – es geht voran.“
Mr. Brookes rieb sich die Augen. „Halten Sie mich auf dem laufenden. Ich muss jetzt einen Brief an die Heimat schicken und die Familie über Andrews Schicksal informieren.“
Diese Pflicht überließ ich gerne Mr. Brookes, auch wenn ich mir über Holbrooks Schicksal keineswegs so sicher war wie er.

Der Doktor ist im Haus

Erlauben Sie mir, mich vorzustellen. Mein Name ist Hatch, Edward Hatch Doktor der Medizin, von den Eastshire-Hatches aus Nottingham. Ms Bluebird bat mich, ein paar Sätze für Ihre Aufzeichnungen zu verfassen. Offensichtlich ist sie so eine Art Archivarin oder Autobiographin für Esquire Brookes, in dessen Dienste ich gerade getreten bin.

Zu meiner Person gibt es wenig interessantes zu berichten. Als Humanmediziner zu einer Zeit großer Entdeckungen und Fortschritte habe ich mich dem Vorantreiben unseres Wissens über die Wirkung chemischer und organischer Verbindungen auf den menschlichen Körper verschrieben. In der alten Heimat ist der Zugang zu den interessantesten Forschungsobjekten streng kontrolliert von Logen und Geheimbünden wie den Templern und den Freimaurern. Deshalb hatte ich mich den Truppen Ihrer Majestät angeschlossen, als diese in die neue Welt aufbrachen. Nicht nur, das ich hoffte, der Einfluss der Logen sei hier geringer, auch die Wirkung des sogenannten „Geistersteins“ au den menschlichen Organismus war nur unzureichend erforscht. Ich hatte im Explorers Magazine und dem Tombstone Epitaph einige sehr interessante, wenn auch zweifelsohne übertriebene Berichte gelesen, die meine Neugier geweckt hatten.
Lassen wir den Schatten der Vergangenheit meine kurze, aber ernüchternde militärische Laufbahn bedecken. Schlussendlich brachten mich meine Irrwege nach Chicago, hier an die Grenze des sogenannten „Wilden Westens“. Und hier fand ich schließlich auch den ersten Lichtblick meiner Odyssee, „Clive Brookes fahrende Antiquitäten und Kulturausstellung“. Die Brookes hatten einen gewisssen Ruf ob Ihrer exzentrischen Hobbies, und Clive hatte nach den Indischen Feldzügen seinen Abschied von der Armee genommen, mit einigen recht kritischen Briefen ob des Vorgehens unserer Truppen im Subkontinent. Ich vermutete hier einen verwandten Geist.
Tatsächlich hatte Mr. Brookes ein offenes Ohr für meine Ideen. Er selber sah sich als eine Art kulturellen Botschafter in den ehemaligen Kolonien, und er hatte eine recht farbenfrohe Truppe von Gefolgsleuten um sich gesammelt. Einige der Geschichten, die er mir über seine Reise hierher und die dazwischenliegenden Ereignissen erzählte, ließen jedenfalls auf wissenschaftlich interessante Fakten schließen. Er legte mir vor allem ans Herz, einen Burschen namens Danny mal eingehend zu untersuchen, ohne mir genauer zu erklären, warum. Er meinte, er wolle mir die Überraschung nicht verderben und gerne mal eine frische Meinung hören.
Nun, mein erstes Zusammentreffen mit dieser illustren Truppe war – ernüchternd. Mr. Brookes hatte sie als eine Art Mischung aus Abenteurern und Exzentrikern beschrieben. Als ich sie zunächst traf, waren sie erst einmal – mürrisch.
Sie schienen vor allem niedergeschlagen wegen irgendeiner Mission, die offensichtlich nicht besonders gut verlaufen war. Ich saß mit Esquire Brookes im Sall des Dog&Eyrie, das nächste, was man in Chicago an einem Herrnclub finden konnte. Die drei gestalten, die den Club betraten, hatten sich zwar kurz umgezogen, aber man sah ihnen die Last der Reise noch an. Ich erkannte dieselben hängenden Schultern und allgemeine Reisemüdigkeit, die man mir selbst bestimmt auch ansah.
Ms Bluebird schien von inneren Zweifeln geplagt, und sie war die Sprecherin der Gruppe. Die beiden anderen Individuen – nun, Winston Li entsprach genau meinem Bild eines amerikanischen Revolverhelden, auch wenn seine Gesichtszüge einen asiatischen Einschlag hatten. Danny – nun, er war ein Rätsel. Von Kopf bis Fuß eingehüllt in Ponchos und Mäntel, trotz der brütenden Julihitze, und diese Maske – ich hatte selten eine solch bizarre Kopfbedeckung gesehen, komplett mit irgendwelchen Linsen, Filtern, Schläuchen, die unter dem Poncho verschwanden. Es war verständlich, das er sich ständig in den Schatten herumdrückte, und es waren kaum Worte aus ihm heraus zu bringen.
Gleich unser erstes Treffen wurde denn auch von - ich nenne es mal – Lokalkolorit unterbrochen. Eine Truppe von 6 Weibsbildern stürmte ohne Vorankündigung in das Dog&Eyrie. Es waren wüste Gestalten, gehüllt in lange Staubmäntel darunter unanständig freizügige Hosen und Hemden. Damit nicht genug, sie trugen Revolver und Peitschen an den Gürteln, wie die örtlichen Vietreiber!
Die Anführerin stolzierte durch den Raum, als gehöre sie hierher.
„Hallo Hallöchen, Ihr Inselbewohner. Meinen Witches ist zu Ohren gekommen, das hier ein paar Union Blue Pfeifen untergekommen sind.“ Ihre Weiber verteilten sich hinter Ihr im Raum. Eine rothaarige, gerade im heiratsfähigen Alter, schritt besonders frech von Tisch zu Tisch und starrte den Gästen grinsend ins Gesicht.
Der Barkeeper räusperte sich. „Hören sie, Miss, das hier ist ein Herrenclub, und das bedeutet, das Ladies hier keine Zutritt haben.“
Das schien die Frauen zu amüsieren. Allgemeines Gelächter ertönte, und die Anführerin trat an die Theke, die Hand an der Peitsche.
„Na dann trifft sich ja gut, das wir keine Ladies sind, Kleiner. Nochmal, wer von den Flaschen hier ist Union Blue?“
Inzwischen war die Rote zu unserem Tisch gekommen und hielt überrascht inne.
„Hey, Angie, du wirst es nicht glauben!“ Sie zeigte auf Danny. „Der elende Iron Dragon Bastler ist hier!“ Dannys Reaktion war schwer zu bestimmen, aber er schien einen Moment zu erstarren. Winston blätterte derweil gemütlich in einem Bündel Papiere, und warf nur ab und zu den Frauen einen abschätzenden Blick zu.
„Wo ist denn Deine kleine Karate-Schlampe? Die hält doch sonst Deine Kette?“ Die Stimmung war kurz vor dem explodieren. Gewalt lag in der Luft, und eine Dunkelheit schien sich über den Raum zu legen, ausgehend von Danny.
Dann zerschnitt Winston Lis Stimme die Stille.
„Jennifer R. Simkins, Körperverletzung, Raubüberfall, ungebührliches Verhalten in der Öffentlichkeit. 25 Dollar.
Angela Simkins, Raub, Diebstahl, Aufruf zum Ungehorsam, Sabotage von Schienenverkehr. 50 Dollar.
Und für den Rest von den Mädels bekomme ich sicher einen Mengenrabatt.“
Seine stahlblauen Augen richteten sich auf Jennifer.
„Und hier steht nichts davon, das ich Euch lebend abliefern muss.“
Einen Moment lang hielt Jennifer dem Blick stand, dann wich sie zurück, die Hand am Revolver.
„Na dann versuch's doch, Kopfgeldjäger. Du bist nicht der erste, der den Preis kassieren will.“
Füsse scharrten, Stühle kratzten über den Boden, als sich die restlichen Gäste aus der Schusslinie bewegten.
Mr Brookes Hand legte sich unter dem Tisch auf Lis Unterarm. „Nicht hier, Mr. Li.“ flüsterte er aus dem Mundwinkel. Kein Schiesserei hier im Club.“
„Wenn es sich vermeiden lässt.“ Gemächlich stand er vom Tisch auf und öffnete den Mantel. Von Danny erklang ein merwürdiges mechanisches Klicken, als sich irgendetwas unter dem Poncho bewegte.
Die Anführerin der Witches legte Ihr Hand auf die Schulter der Rothaarigen. „Angie, deswegen sind wir nicht hier. Wir haben noch was zu tun.“
„Aber er-“
„Wir gehen, Angie. Jetzt.“ Einen Moment lang starrte Sie Ihre Schwester haßerfüllt an, dann wieder auf uns. „Also gut, ein andermal, Kopfgeldjäger. Und du ebenso, Danny Boy. Du hast mindestens ein Dutzend von uns auf dem Gewissen. Die Wichitia Witches begleichen Ihre Rechungen. Immer!“
Mit diesen Worten zogen Sie sich zurück. Die Erleichterung im Raum war spürbar.
„Gut gelöst, Mr. Li. Auch wenn wir Glück hatten, das Ihre Anführerin wohl etwas vernünftiger ist als der durchschnittliche Bandit.“ Mr Brookes stand auf. „Genau so sollten sie mit Ärger in den nächsten Tagen umgehen. Diese Stadt ist ein Pulverfass, und jegliche Provokation kann Sie zur Explosion bringen. Ich werde jetzt mit Ms Bluebird die detaillierten Probleme bei Ihrer Mission durchgehen. Danny, wir müssen bei Gelegenheit Ihre Vergangenheit mit den Witches erörten.“
Dannys Maske bewegte sich mit einem trockenen Quietschen zu Brookes.
„Gibt nicht viel zu sagen. Sie haben meinen Zug überfallen. Ich hab Sie dafür bluten lassen. Ende der Geschichte.“
Mr. Brookes zögerte und warf Ms Bluebird einen fragenden Blick zu. „Wie gesagt, wir sollten das später erörtern. Ms Bluebird?“ Sie nickte und schloss sich Mr Brookes auf dem Weg nach oben an.
Li zündete sich eine weitere Zigarre an und blickte durch den Raum.
„Der Bursche da“, murmelte er aus dem Mundwinkel, „ist auffällig erleichtert, das die Mädels weg sind.“ Er deutete auf einen recht dandyhaft herausgeputzten Gentleman, auf dessen Schoß eine asiatische Schönheit saß. Tatsächlich gewann sein Gesicht gerade erst wieder an Farbe. „Ic hwerd ihm mal ein paar Fragen stellen.“
„Sollten wir nicht-“ begann ich, aber Li war schon an der Seite des Pärchens. Mt einem merkwürdigen Hopser richtete sich auch Danny auf und – stakste, ich kann es nicht anders beschreiben – die Treppe herauf. Ich blickte mich verwirrt um. „Äh, dann, warte ich wohl hier.“
Der Dandy hatte offensichtlich keinerlei Lust auf eine Unterhaltung und verließ beinahe fluchtartig den Club. Li und die junge Dame wechselten noch einige Worte, anscheinend in der Heimatsprache der Aisatin.
Dann verschwanden sie beide auf Ihre Zimmer, und ich saß alleine im Gastraum.
„Das ist eine – interessante Einführung.“ Ich bestellte mir einen Sherry und erwartete die Rückkehr meiner neuen Reisegefährten. Und wartete. Und wartete. Nach zwei Stunden und meinem dritten Sherry kam jemand die Treppe herunter. Erwartungsvoll sah ich auf, und wurde mit dem Anblick einer taumelnden Gestalt in einem ehemals teuren Anzug belohnt. Der Bursche war offensichtlich schon nah an seinem Limit, sein linker Arm war mit einem Verband eingehüllt, der unter seinem Hemd hervorlugte.

Sein unsteter Blick fand mich, und er setzte ein unstetes Lächeln auf. „N'Abend, Sir. Clayton Mansfield mein Name. Sie würden nicht zufällig einem Veteranen einen Drink ausgeben?“
Ich zuckte mit den Schultern. Mr. Brookes hatte uns alle Verpflegung freigestellt, und inzwischen war ich so gelangweilt, das selbst dieser Trunkenbold eine interessante Abwechslung war.
„Aber gerne, Mr. Clayton. Hatch ist mein Name, Andrew Hatch. Veteran, sagten Sie? Welcher Krieg, wenn ich fragen darf?“
Er brauchte seinen ersten Drink, bevor er sich öffnete. Mr. Mansfield war wohl eines der Opfer des nunmehr beinahe 10 Jahre andauernden Bürgerkrieges, ein Mann, der zu viel Leid und Tot gesehen hatte. Er suchte nun vergessen in Alkohol und anderen sinnvernebelnden Drogen. Als er mich verließ, war er auf der Suche nach etwas, das er Yellow Candy nannte.
Der Barkeeper klärte mich auf.
„Yellow Candy ist das neue Zeug, das die Chinesen aus dem Westen ranschaffen. Als ob Opium nicht mies genug wäre, dieses Zeug ist so billig, das es sich jeder Viehtreiber leisten kann. Manchmal verschenken sie's sogar, oder schmeißen es in die Drinks, wenn Leute nicht hinsehen. Und wer einmal Candy hatte, will nichts anderes mehr. Macht einen angeblich völlig furchtlos. Also, pass auf, wenn Dir irgend ein Chink was andrehen will. Die Chancen sind 50/50, dasYellow Candy drin ist.“
Welch erquickende Aussichten – Eisenbahnschläger, ein Fest zur Feier unserer Niederlage gegen die Einheimischen und eine neue Droge auf dem Markt. Die Gerüchte über die exzentrischen Abenteuer der Brookes waren keineswegs übertrieben....

East vs. West – Winston Li

Ich ließ mir den Abend in der Badewanne nochmal durch den Kopf gehen, zusammen mit zwei Fingern Whiskey und einer guten Cohiba. Man konnte sich an so ein Stadtleben gewöhnen.
Nicht , das es hier weniger Ärger geben würde als im Westen. Aber der Ärger war – irgendwie netter anzusehen als in der Prärie.
Kaum zurück aus den Fängen dieser verdammten Riesenechsen gab es hier gleich zwei gefährliche, aber interessante Misses. Jennifer R. Simkins, eine Wichita Witch, eine echte Eisenbahnsoldatin. Aber im Gegensatz zum normalen Abschaum schien sie ziemlich vernünftig zu sein, so wie sie Ihre kleine Schwester zurück pfiff, bevor es wirklichen Ärger gab. Ein schlaues Mädchen.
Und Suzie Wong, ein arbeitendes Mädchen, aber eine mit Klasse. Und sie hatte einige Geheimnisse. Ich weiß immer noch nicht, was das mit diesem Roten Lotus sollte, aber sie hat mir einen echten Dämonenjäger hier in Chinatown empfohlen. Es wurde Zeit, ein wenig aufzurüsten. Seit ich mit Bluebird und Danny unterwegs war, traf ich deutlich zu viele Biester, die meinen üblichen Argumenten Kaliber 45 gegenüber unzugänglich waren. Meine Ma, Gott hab sie selig, hatte immer diese lustigen Schriftzeichenfähnchen an unsere Fenster und Türen gehängt. Daddy wollte sie mal wegmachen zum vierten Juli und stattdessen Girlanden aufhängen. Niemals hatte ich meine Ma so wütend gesehen. Normalerweise war sie diese kleine, liebenswürdige Lady, die nichts aus der Ruhe bringen konnte und Dad alle Wünsche von den Augen ablas. Aber diese Fähnchen waren Ihr so wichtig, das Sie Dad dermaßen zusammen brüllte, das er den Schwanz einzog und alles eigenhändig wieder aufhing. Wenn meine Ma dermaßen an die Dinger glaubte, musste da was dran sein. Als ich sie fragte, nannte sie es „Shinto-Magie“. Mal sehen, ob ich mir nicht eine Dosis Shinto besorgen konnte, um mir zwischen den Heiligen und Dämonen in meinem Umfeld etwas Gehör zu verschaffen.

Aber erstmal wurde es Zeit für einen kleine Rundgang durch's Viertel. Ich war wohl kurz eingenickt, denn es ging schon auf Mitternacht zu, als ich runter ging. Danny und der neue Doc warteten unten, an getrennten Tischen. Konnte ich dem neuen Doc nicht verdenken – Danny war nicht gerade der Gesellschaftertyp.

„Ok, Danny, Hatch, wird Zeit, das wir mal ein bisschen Präsenz auf der Straße zeigen. Wenn man keinen Ärger haben will, muss man den Jungs zeigen, das man sie im Auge hat.“
Danny, der ohne Stuhl vor dem Tisch hockte wie eine Art ledriges Huhn, wendete mir quietschend den Kopf zu.
„Vergiss es, Li. Wenn ich auf die Straße gehe, mache ich mehr Ärger, als ich vermeide. Ich bleib hier, falls die Witches zurück kommen.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Vielleicht besser so. Komm, Hatch, ich erklär Dir, wie man im Westen solche Sachen angeht.“
Wir traten auf die Straße, und ich ließ meinen Blick über die verwaisten Stände streifen. Nur noch wenige Trunkenbolde und arbeitende Mädchen waren unterwegs.
„Also, wenn Du mit Brookes und uns unterwegs bist, darfst Du Dich von nichts aus der Bahn werfen lassen. Seit ich bei der Truppe bin habe ich Riesenwölfe, lebende Schatten, blutsaugende Rattenmenschen und dampflokgroße Eidechsen gesehen. Und das sind nur die Sachen auf der anderen Seite deiner Flinte. Deine Kumpels sind entweder im Namen Gottes unterwegs oder von Satan verdammte Seelen, die 'nen abgerissenen Arm wegstecken wie andere einen abgebrochenen Fingernagel. Also halt Dich an mich, ich bin der einzig normale hier.“ Ich weiss nicht, wie Hatch das ganze aufnahm, aber bevor wir das ausdiskutieren konnten, hörte ich das Knallen einer Peitsche und das irre Gackern von Angie Simkins.
„Dazu später mehr, Hatch. Da vorne wartet Arbeit auf uns.

Edward Hatch

Nachdem ich nun überzeugt war, das Li entweder noch betrunken oder ein Opfer schwerer Sinnestäuschungen war, freute ich mich nicht unbedingt darauf, ihn bei seiner nächsten Konfrontation mit den Wichita Witches zu begleiten.
Zu meiner überschaubaren Überraschung hatte die rothaarige Angie ein neues Opfer gefunden, einen in eine Art weißen Pyjama gekleideten Chinesen.
„Du willst also in unserer schönen Stadt deine elenden Drogen verticken, Chink? Dafür wirst Du bluten!“ Angie liess Ihre Peitsche kurz an dem Chinesen vorbeiknallen, der seine Augen geschlossen hielt und seine Hände or dem Körper verschränkte.
Li erregte Ihre Aufmerksamkeit recht effektiv durch einen Schuss in die Luft.
„Angie, das hatten wir doch schon, oder? Keinen Ärger auf meinen Straßen, sonst wanderst Du ein.“ Die Furie wirbelte zu uns herum.
„Willst Du jetzt auch noch einen verdammten Candy-Dealer in Schutz nehmen? Erst diesen irren Bombenleger Danny, jetzt noch einen Chink? Bist Du weich in der Birne?“ Die Fäuste der Wilden kneteten Ihre Peitsche, als wolle sie etwas erwürgen. Das Knirschen klang wie eine sterbende Katze.
Li legte das rauchende Gewehr über die Schulter und nahm die Zigarre aus dem Mundwinkel. Er deutete mit dem Stengel auf sie.
„Ich glaube, man muss Dir mal Manieren beibringen, Kleine. Ich besorge gerne das versohlen, aber erst nach dem Vierten. Und Du“ Er deutete auf den Chinesen, der weiterhin in Trance zu sein schien. „Ho don wei do chai shi“ (oder so ähnlich. Li erklärte mir später, das das „Keine Drogen in meinen Strassen“ hiess). Die Augen des Chinesen öffneten sich ruckartig. Er verbeugte sich schnell, dann drehte er sich um und ging.
„So einfach kommst Du mir nicht davon, Chink!“ Angie ließ Ihre Peitsche ausrollen, aber als sie zum Hieb ansetzte, wurde sie nach hinten gerissen. Ihre Schwester hatte die Peitsche gefangen und um Ihr Sattelhorn geschlungen.
„Angie, wir wollen doch dem guten Mr. Li keinen Grund geben, Dich zu verhaften.“ Sie blickte zu uns herüber. „Hier ist nichts passiert, nur eine kleine Meinungsverschiedenheit. Nicht wahr?“
Winston steckte die Zigarre wieder in den Mundwinkel. „Hab nichts anderes gesehen. Und jetzt ist es doch bestimmt Zeit für's Bett, nicht wahr? Wir wollen doch morgen alle zeitig aufstehen, Mädels.“
Angelas Augen brannten in einem Feuer, das ich noch nie gesehen hatte. „Eines Tages kommt meine Schwester nicht, um Deinen Arsch zu retten, Li. Eines Tages...“
„Kann's kaum erwarten, Angie.“ Er klopfte mir auf die Schulter. „Komm, wir müssen unsere Runde beenden. Ma'am“ er zog den Hut vor Jennifer, dann schritt er davon.
„Und so bewahren Sie den Frieden? Mit Drohungen?“ Ich war zugegebener maßen irritiert.
„Hat doch geklappt, oder? Solange allen hier klar ist, das ich nicht bluffe, werden Sie ruhig bleiben. Ich weiß nicht, was die Witches vorhaben, aber ein Feuergefecht auf der Straße würde es Ihnen auf jeden Fall versauen, ob sie den kürzeren ziehen oder nicht. Bleibt nur abzuwarten, was Ihr Endspiel ist – oder besser noch, wir finden es raus, bevor sie es erreichen.“

Mitternacht – und die Hölle bricht los

Der Rest der Patrouille verlief dann tatsächlich ruhig, abgesehen von irgendeiner besessenen Abstinenzlerin, die mit Flugsendungen und so einem albernen Sandwichplakat herumlief und uns als Söhne Satans bezeichnete, weil wir nicht dem Alkohol abschwören wollten. Das Grauen erreichte uns in unseren eigenen vier Wänden.
Als wir wieder in das Dog & Eyrie kamen, wo uns Danny eine ereignislose Stunde bestätigte, wurden wir von einem grauenhaften Schrei aus unseren Gedanken gerissen. Der Schrei verstummte abrupt, aber da waren Danny, Li und ich bereits auf dem Weg nach oben, von wo der Schrei ertönt war. Schnell erreichten wir die Quelle des Lärms, das Zimmer von Suzie Wong. Der Anblick darin warf mich zurück in die unsäglichen Lazarette, aus denen ich eigentlich entkommen wollte.
866 während der Schlacht von Detroit, wars ich in einem Feldhospital, und die Verwundeten kamen am Fließband.
Als ich grade den Arm eines jungen Mannes zusammen geflickt hatte, drang Lärm vom Triagezelt zu mir. Es war eine heiße Nacht, so wie es heute würde, und obwohl es fast ein Jahr her ist, erinnerst Ich mich daran, als wäre es gestern.
Ich gab meine Nadel an eine der Schwestern um zu sehen, was der Aufstand denn soll. Zunächst dachte ich, der Feind hätte uns flankiert und würde nachts attackieren. Die Wahrheit war um vieles Schlimmer.
Ein Schlächter in der Kleidung eines Chirurgen hatte sich durch die Verwundeten gehackt, und links und rechts gesunde Gliedmaßen amputiert. Keine Betäubung, keine Kugel zum drauf beißen – ein schneller Schnitt, und Arm oder Bein waren fort. In manchen Fällen Köpfe.
Ein junger Bursche namens Ketchum hatte ihn bemerkt. Er war selbst beinahe tot, aber die Schreie der Opfer hatten Ihn geweckt.
Die Wachen draußen hatten die Schreie ignoriert. Wenn Du den Verwundeten eine Weile zuhörst, fängt man an, Ihre Schreie zu ignorieren.
Ketchum auf jeden Fall schnappte sich sein Schießeisen und pumpte den Schlächter voller Blei. Die Schüsse alarmierten die Wachen endlich.
Als die Wachen kamen, sahen Sie den Schlächter über Ketchum stehen, der immer noch seine leere Pistole abfeuerte, obwohl sein rechtes Auge auf dem Skalpell des Schlächters aufgespießt war.
Mit einem Irren Lachen verschwand der Schlächter, so schnell wie ein Pferd, und schnitt sich einfach durch die Zeltwände, bevor er wie eine Spinne die Seiten eines Hauses herauflief. Keine der Kugeln schien Ihn auch nur irgendwie zu stören.

Die Wunden des Opfers sehen genauso aus wie die damals in Detroit. Der Schlächter hat mich eingeholt.

Der Rest der Szene wird mir erst später bewusst. Die Arme Suzie, bewusstlos, aber körperlich nahezu unversehrt. Eine zerschmetterte Fensterscheibe. Und überall Blut. 

Danny

War ja klar. Da hält man sich von jeglichem Ärger fern, kommt der Ärger zu einem Und das nicht genug, jetzt erwartet Brookes allen Ernstes, das wir Detektiv spielen! Einen Mord aufklären, und ja keinen Staub aufwirbeln! Bullshit, sage ich. Ich glaube, es wird Zeit, dieses „Arbeitsverhältnis“ mal zu überdenken. Brookes fällt mir zu sehr auf seine Kolonialattitüden zurück, und das brauch ich nun wirklich nicht.

Also ein neuer Psychokiller. Einer, der in Sekunden ganze Körperteile abschneiden kann. Und durch ein geschlossenes Fenster springt, ohne sich zu verletzen. Die Fußspuren sind beeindruckend. Der Bursche ist groß, schwer und schnell. Sie führen die Gasse entlang auf die Mainstreet und verschwinden da in hunderten von Wagen und Fußspuren. Gegenüber ist eine Kaschemme namens Cowtown Saloon, vielleicht war da noch jemand unterwegs. Davor liegt auf jeden Fall noch eine Schnapsleiche. Ein Wohnhaus hat er auch passiert, aber die Befragung soll lieber Li durchführen. Also setze ich mich lieber wieder in den „Club“.

Da erdreistet sich doch Brookes tatsächlich, mir schon wieder auf die Eier zu gehen! Warum ich denn so passiv wäre, ob ich denn so gar nicht an meiner Erlösung arbeiten wolle. Überhaupt, das auch alle anderen sich schon Sorgen machen würden.

Sorgen – als wüßte der, was Sorgen heißen! Dieses verdammte Amulett macht mich so stumpf! Ich weiß, es wäre kein Problem, einen spektralen animierten Hemo-Schnüffler in meine Maske einzubauen. Ich WEISS es! Aber in meinem Schädel tut sich nichts. Ich weiß, die Ideen sind nur kurz hinter diesem Schleier, aber sie wollen nicht raus kommen.

Sind etwas alle meine Erfindungen nur das Werk dieses verdammten Dämons? Habe ich selber NICHTS erschaffen? Und wer sagt überhaupt, das es ein Dämon ist. Doch nur Bluebird und ihre elende Kirche. Vielleicht ist es ja nur ein Teil von mir, so eine Art Totem? Ein Schutzgeist? Nur, weil die Kirchenaffen sie nicht verstehen, müssen Sie denn gleich „böse“ sein?

Und vielleicht wird er nur aggressiv wegen diesem Amulett? Unterdrücke ich etwa einen Teil von mir? Einen Teil, der mich zu etwas wirklich besonderem macht? Und mal im Ernst, hat es irgendetwas gemacht, das ich nicht auch gewollt hätte? Ich muss diese andere Seite von mir erforschen. Ich MUSS wissen, was hinter dem Schleier ist. Nur dann kann ich es benutzen.

Ich stelle mich vor den Spiegel. Die Maske schaut daraus hervor. Aber ist es eine Maske? Oder ist es mein wahres Gesicht, und darunter ist die Maske. Ich betrachte meine silberne Klaue. Solche Perfektion. Ich hebe meine linkes Bein und halte es neben meine Klaue. Die Krallen sind ähnlich. Ich kann jetzt problemlos auf einem Bein stehen, solange ich will. Eine eindeutige Verbesserung. War der Tod vielleicht nur ein – Erwachen?

Entschlossen packe ich das Amulett und ziehe es über den Kopf. Ich taumle kurz, irgendwo ertönen weit weg Schüsse. Ideen, Diagramme, Zeichnungen schießen mir durch den Kopf. Vor mir auf dem Tisch liegt ein Plan. Der Hämospüraufsatz für meine Maske. Mit Direktanschluss in meine Nebenhöhlen, nur wenige Schnitte und Schläche werden nötig sein. Er ist perfekt.

Ich blicke in den Spiegel, und schaue aus dem Spiegel heraus. Mein Spiegelbild legt den Kopf schief.

„Du wolltest reden?“

Winston Li

Unsere Nachforschungen enden in einer Sackgasse nach der anderen. Suzy ist nicht ansprechbar. Dr. Hatch hat sie kurz mit irgendeinem Mittelchen aus der Ohnmacht erweckt, aber Ihre Aussage hat uns nicht weitergebracht. Der Typ ist durch die Tür gekommen, und war monströs groß. Er trug eine weiße Maske und einen weißen Mantel, sollte also auffallen wie ein verdammter Wasserbüffel in einer Broncoherde, aber niemand hat ihn gesehen, nachdem er auf die Main Street ist. Kein Trunkenbold, kein Candyhead. Die Familie nebenan hat ihn vorbeirennen sehen, aber danach hat er sich anscheinend in Luft aufgelöst.

Der einzige, der außer uns noch auf dem Stockwerk da oben wohnt, ist dieser Trunkenbold Clayton. Hatch sagt, der Typ hat ein Kriegstrauma, und der Wirt meint, er säuft ständig und benebelt sich die Sinne mit Yellow Candy, wann immer er kann. Also wahrscheinlich auch ein nutzloser Zeuge, wenn wir ihn denn finden können.

Was ich stattdessen finde, ist Angie Simkins. Und den Chinesen von gestern den sie durch die Straßen peitscht. Verdammt nochmal. Und die anderen WItches schauen zu. Was haben sie bloß gegen diesen Kerl?

„Hey!“ Wieder spricht meine Flinte, damit ich Ihre Aufmerksamkeit kriege. Das wird zur Gewohnheit. „Sofort aufhören! Was soll das hier?“
Angie schaut mich an und lächelt zuckersüß. „Aber Mr. Kopfgeldjäger, das hier ist nur Selbstverteidigung. Der Chinese hat mich angegriffen, nachdem ich sein gelbes Gift nicht nehmen wollte. Nicht wahr, Schwester?“

Jennifer scheint zwar nicht besonders amüsiert, aber sie nickt. „Jepp, Mr. Li, er hat sie angegriffen. Und sie werden NIEMANDEN finden, der etwas anderes sagt.“ Ihre Hand liegt zur Unterstreichung Ihres Arguments auf dem Griff Ihrer Peitsche, Ihre Spießgesellinnen schauen die umstehende Menge herausfordernd an.

Der Chinese ist zusammen gebrochen. Dr. Hatch und – Clayton – eilen zu ihm, um nach seinen Wunden zu sehen. Der Trunkenbold stellt sich überraschend geschickt an.

Ich wende mich wieder Angie zu, die grinst wie ne Katze, die den Kanarienvogel verschluckt hat.

„Außerdem hat er wieder das böse böse Gift verteilt, und das wolltest Du doch nicht, oder, Li? Ich hab Dir also ‚nen Gefallen getan.“ Und jetzt entschuldige mich, es sieht so aus, als wolle er wieder aufstehen.“ Sie rollt Ihre Peitsche aus und dreht sich wieder zu Ihrem Opfer.
„He Ihr da, geht besser aus dem Weg. Ich kann zwar mit der Peitsche umgehen, aber wenn Ihr so nah an ihm dran steht…“
Hatch blickt sie erst irritiert, dann entschlossen an. Er steht auf und stellt sich zwischen Sie und den Verletzten.
„Das muss jetzt aufhören. Der Mann ist für niemanden eine Gefahr, und er braucht Hilfe. Hören Sie auf mit dieser Farce!“
„Ich soll WAS?“ Angie ist puterrot angelaufen. Das wird nicht gut gehen.

„Und außerdem hat er gar kein Candy verkauft! Er mag ein teuflisches Chinese sein, aber er ist einfach nur seinem Tagwerk nachgegangen!“ Ida Mae stellt sich mit Ihrem lächerlichen Sandwichplakat neben den Doc.

„Du vertrocknete Schlampe! Dann kriegst Du’s eben auch ab! Und der Azt, und der Säufer, Ihr alle! Hört Ihr Mädels, wir-„ Zwei der WItches packen Angie an den Armen und zerren Sie weg. „Ich krieg Euch alle! Ich wird Euch die Haut von den Knochen schälen! Ihr seid tot! TOT!“ Die Witches schleppen Sie in die Menge. Jennifer seufzt, dann zuckt sie mit den Schultern und schaut mich müde an.

„Familie, eh. Kann man sich nicht aussuchen.“ Dann wendet sie Ihr Pferd und trottet Ihrer keifenden Schwester nach.

Dr. Hatch

Wo war ich da nur hineingeraten. Danny, der anatomisch gewiss interessanteste der Gruppe, lehnte jede Kooperation ab. Li ergoss sich weiter in wilden Geschichten, was für Monstren sie schon begegnet sein wollten. Als wir dann in der Apotheke diverse Raubtierzähne inspizierten, war er überrascht, das es durchaus schon im Bereich des möglichen war, solche bei Menschen zu implantieren. Zwar hatte ich selbst noch bei keiner solchen Operation teilgenommen, aber ich hatte mal eine Tinktur zum Nachwachsen von Zähnen hergestellt, die leider unabsichtlich ganz ähnliche Resultate hervorbrachte.

Nun stand ich da, mit einem schwer verwundeten Drogenhändler und einem nach Alkohol und Yellow Candy stinkenden Arzt. Zum Glück hatte ich bei einem irischen Bauernaufstand einige Erfahrung mit Peitschenhieben und deren Behandlung gesammelt und noch die eine oder andere Tinktur dafür im Täschchen, so das ich den guten Mann schnell wieder auf den Beinen hatte.

Er dankte dann noch Li und mir für unsere Hilfe und versprach uns, der eiserne Drache würde sich jetzt um das Problem mit den WItches kümmern.

Das wiederum klang doch etwas ominös…

Nach dem Zwischenfall mit den Witches und dem Chinesen verschwand Li dann auch, um einer Spur in Chinatown nachzugehen. Ich hoffte, er würde diese Sache mit dem eisernen Drachen glatt bügeln, denn nach Deeskalation hatte das nicht geklungen, auch wenn der Chinese äußerst sanftmütig gesprochen hatte.

Und damit war ich dann prompt wieder allein. Ms Bluebird glänzte durch Abwesenheit, Li in Chinatown, und Danny führte in seinem Zimmer Selbstgespräche. Mr. Brookes war bei einem Geschäftsessen, und als die Nacht voranschritt und weder Li noch Danny nach unten kamen, wurde es mir etwas mulmig.

Ich dachte nicht einmal daran, ohne einen der beiden auf Patrouille zu gehen. Ich mache mir keine Illusionen ob meiner Erscheinung. Ich mag als seriös gelten, Respekt einflössend bin ich gewiss nicht. Zumindest nicht auf die Art und Weise, wie eine raue Stadt wie diese es braucht. Die Zeiger tickten, und der billige Sherry, der hier ausgeschenkt wurde, tat meinem Magen nichts Gutes. Ich griff mir also eine Lampe und machte mich auf den Weg zum Abort im Hinterhof – gerade rechtzeitig, um Zeuge des zweiten Leichenfundes zu werden. Nur 5 Minuten vorher auf meine Blase gehört, und eventuell hätte ich die Panik und den Menschenauflauf vermeiden können, der sich jetzt innerhalb von Minuten um die kleine Hütte bildete. Wortfetzen flogen mir zu
– Gott, beide Beine
– überall Blut
– eine von den Witches?
– Feinde haben sie ja genug

Als ich mich nach vorne geboxt hatte, erkannte ich im Schein mehrerer Lampen die Handschrift des Schlächters. Kopf und beide Beine chirurgisch präzise abgetrennt, der Rest des Torsos wie eine kaputte Puppe in den Abort geworfen. Der Revolvergurt mit der daran befestigten Peitsche bestätigte die Vermutung der umstehenden. Eine der Wichita Witches. Und ich hatte eine ungute Vorahnung, welche genau…

„Wo ist meine Schwester?“ Ich schäme mich zu gestehen, das ich froh war, Jennifer Simkins Stimme zu hören statt die Ihrer Schwester Angela. Mit Angela wäre jede Hoffnung auf Verhandlung von vorne herein verloren gewesen. „Wo – ist – meine Schwester?“ Sie trieb Ihr Pferd gnadenlos durch die Menge auf das Häuschen – und mich – zu. Ich wollte mich gerade diskret verziehen, als ich gegen eine nackte Männerbrust stieß. Ich wich zurück, und sah mit mit eine Gruppe von 6 muskulösen Chinesen konfrontiert, deren Oberkörper mit Tätowierungen sich windender Schlangen – oder waren es Drachen – bedeckt waren. In Ihren Händen funkelten Hackmesser und Dolche.
„Das nenne ich mieses Timing, Gentleman.“ Der Anführer, ein beinahe glatzköpfiger Bursche von den Ausmassen eines Kleiderschranks, sah mich abfällig an. Hinter mir erklang ein Schrei, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ. Jennifer hatte Ihre Schwester gefunden.
„Wer hat sie gefunden? Wer hat das getan?“ Ich bin immer wieder begeistert davon, wie schnell Menschenmengen verschwinden können, wenn Ärger in der Luft liegt. Ich wünschte, ich hätte diese Fähigkeit auch erlernt, denn so stand ich plötzlich zwischen einer vor Wut und Trauer halb wahnsinnigen Wichita Witch und einer Iron Dragon Rail Gang, die noch nicht einmal wußten, wie das ganze hier jetzt aussah.
„Du – Doc – was ist hier passiert. Und was stehst Du da bei den Chinks?“
„Ich, ähm, wissen Sie Miss, lassen Sie mich erklären. Ich denke nicht, das diese Herren etwas damit zu tun haben, denn Sie sind ebenso wie ich gerade erst-„
Ein Schuß ertönte, ich weiß nicht woher, und der Schädel des Chinesen neben mir zerplatzte wie eine Melone. Seine Gefährten zögerten nur Sekunden, dann warfen Sie sich Messer schwingend auf die Witches, die ebenfalls Ihre Waffen zogen. Die Schlacht brach los.

Gott muss seine Hand über mich gehalten haben, denn obwohl ich Messer und Kugel um meine Ohren pfeifen hörte, Blut mich besudelte und ich mindestens ein Dutzend Schläge und Tritte einsteckte, schaffte ich es schließlich unter die Veranda. Wahrscheinlich dauerte das ganze Gefecht nur wenige Minuten, aber wie es so ist im Kampf, kam es mir vor wie Stunden. Schließlich ertönten schrille Pfiffe, und eine Gruppe bewaffneter Reiter galloppierte in die Strasse, angeführt von einem bulligen Kerl mit einem Stern an der Jacke. Zurück blieben ein Dutzend Körper, tot oder schwer verwundet, 3 Chinesen, 2 WItches, und 6 Unschuldige, die Gott wohl nicht so liebte wie mich. Angelas Leiche war verschwunden. Anscheinend hatte Jennifer sie nicht zurück lassen wollen, im Gegensatz zu Ihren anderen „Schwestern“.

Ich half, so gut ich konnte, bei der Versorgung der Verletzten, und machte meine Aussage bei den Hilfssherriffs. Ich verschwieg geflissentlich den Auslöser des Kampfes, denn einer Nachforschung der Morde durch den Sherriff würde ein ungünstiges Licht auf Mr. Brookes und mich werfen. Auch den mysteriösen Schützen verschwieg ich. Die Deputies waren denn auch zufrieden mit einer Schlacht zwischen Rail Gangs, wenn auch einer überraschend heftigen.

Wie ich das ganze Mr. Brookes erklären sollte, war eine ganz andere Frage...