Nach den turbulenten Ereignissen in
Amsterdam hatte ich einen besseren Eindruck von den Eigenschaften und
Möglichkeiten unserer neuen Ripperloge. Damit lag es nahe, sie in
ein weiter östlich gelegenes Operationstheater zu verlegen, damit
ein wenig Gras über die Missverständnisse in Holland wachsen
konnte.
Die Verbindungen zwischen Logen sind oftmals diffizil. Unsere
Kooperation mit der Bruderschaft des St. Georg beispielsweise war
schon des öfteren strapaziert worden, da unser pragmatischer Umgang
mit Rippertech und moderner Technologie von den Brüdern verurteilt
wird. Daher legte ich unseren neusten Mitgliedern nahe, sich in
diesem Fall nur im Notfall an die Bruderschaft zu wenden. Denn ehrlich gesagt ist, abgesehen
von Vater George, ist diese neue Loge genau das, was die Brüder uns
immer vorwerfen – eine nahezu unkontrollierbare Bombe.
Zum Fall selbst – seit einiger Zeit
waren die Schwarzen Kosaken in Deutschland mit immer mehr und immer
moderneren Waffen aufgetreten. Das letzte, das wir brauchen konnten,
war Draculas Privatheer mit Präzisionsgewehren und Handgranaten.
Die erste Loge, die wir darauf angesetzt hatten, geriet in einen Hinterhalt und wurde beinahe völlig ausgelöscht. Unser einziger Hinweis war ein Kommuniqué, das den Stuttgart/Prag Express als eine wichtige Transitlinie auswies.
| Schwarzer Kosak mit neuer Ausrüstung |
Die erste Loge, die wir darauf angesetzt hatten, geriet in einen Hinterhalt und wurde beinahe völlig ausgelöscht. Unser einziger Hinweis war ein Kommuniqué, das den Stuttgart/Prag Express als eine wichtige Transitlinie auswies.
Ich hielt es also für angebracht,
unsere neuen Ripper in diesen Zug zu verfrachten.
Ihre natürlichen
Anlagen würden für ausreichend Aufregung sorgen, um einen der
Spieler zu einem Fehler zu verleiten. Als hätte ich sie
dementsprechend instruiert, begannen die Spannungen in der Gruppe
schon bei Reisebeginn. So teilten sich die Herren tatsächlich nicht
nur auf die erste und zweite Klasse auf, sondern ließen aus
gefühlter Gehässigkeit sogar einige Mitglieder in der Bauernklasse
reisen. Hier fielen die Herren Ganondorf und Wurst, beides Gentleman
der Wissenschaft, natürlich auf wie bunte Hunde und gerieten schnell
mit Tagelöhnern und Tunichtguten aneinander. Auch Wilhelm, der
aufbrausende Schatzsucher, lenkte schnell durch seine ruppige Art
einige Blicke auf sich.
Nur Vater George und Fürst Erbach
versuchten zunächst, in der feinen Gesellschaft unter zu tauchen.
Auch wenn ein Poker spielender Geistlicher etwas von der Norm
abweicht, wird von Amerikanern eine gewisse Exzentrizität ja nahezu
erwartet. Interessant war auch die Reaktion Fürst Erbachs auf
Isabelle de la Delacroix. Eine derart offenkundige Feindseligkeit
hätte ich nicht erwartet, vor allem gegenüber dem schönen
Geschlecht. Und auch wenn Isabelle kein unbeschriebenes Blatt ist,
deutete doch erst mal nichts darauf hin, das sie den Hass Ihres
Cousins Henry auf die Erbachs teilt.
Immerhin konnten die beiden sich bei
der Neutralisierung eines gewissen Mr. Grissom positiv beteiligen.
Selbiger offenbarte sich während des Spiels nicht nur als
Falschspieler, sondern als sogenannter „Huckster“, einer
amerikanischen Form der Hexerei. Da er sich der Festnahme
widersetzte, wurde er Opfer einer abgebrochenen Flasche in der
Halsgegend.
Die Herren Wurst und Ganondorf wurden
währenddessen Zeugen einer Verschwörung – Erbach und Gabel, einer
der anderen Reisenden, sollten einem Anschlag zum Opfer fallen. Beim
Versuch, die Verschwörer aufzubringen, gerieten zwar einige der
Schurken unter die Räder, aber keiner konnte gefangen werden, um den
genauen Ablauf des Attentats zu klären.
So nahm das Schicksal seinen Lauf, und
an der ungarischen Grenze spielten die Kabale Ihren Trumpf aus. Eine
Gruppe von Schergen, die sich als Teil der Preußischen Politischen
Polizei ausgaben, nahmen den feigen Mord an Gabel, der im Schlaf von
Ihren Spießgesellen gemeuchelt worden war, als Vorwand und setzten
die gesamte Truppe exklusive Erbach fest.
Zwar waren die Anschuldigungen simpel
fabriziert und hätten keiner Nachforschung stand gehalten, aber es
reichte, um den Fürst von seinem Gefolge zu trennen. Dies war
offensichtlich der Hauptzweck des Manövers.
So erreichte Fürst Erbach alleine
Prag, und kontaktierte dort unseren Mann mittels eines toten
Briefkastens in der Kathedrale.
Unglücklicherweise war der Fürst
seit seiner Ankunft unter Beobachtung der Kabale, so das er
unwissentlich die Häscher zurück zu unserem Mann führte. Die
beiden verteidigten sich tapfer, fielen aber der Überzahl der
Kabalschergen zum Opfer und wurden verschleppt.
Während dessen schmachteten die
restlichen Ripper in einer kleinen Grenzstation und harrten der
vermeintlichen preußischen Polizei.
Statt dessen wurden sie Zeuge
einer unerklärlichen Heimsuchung. Um Mitternacht wurde die gesamte
Besatzung der Station grausam dahin gemetzelt, und die Tür der Zelle
öffnete sich wie von Geisterhand. Im Blut der Polizisten an die Wand
geschrieben stand ein Treffpunkt – die Seitenkapelle des Heiligen
Georg zur Mitternachtsstunde.
Zu diesem Treffen kam es denn auch
wenig später, als der Rest der Loge das schöne Prag erreichte. Laut
meinen Quellen handelt es sich bei diesem Kontakt um niemand
geringeren als Melmoth den Wanderer, eine Entität der Klasse III.
Wie Melmoth so früh auf diese Loge aufmerksam wurde ist unklar,
allerdings vermute ich das entweder Herr Wurst oder Wilhelm durch
Ihre – spezielle Vergangenheit die Aufmerksamkeit des Wanderers
erregt haben. Zu diesem Zeitpunkt sei nur vermerkt, das sie die
Kontaktaufnahme mit Melmoth unbeschadet überstanden haben, was ein
eindeutiges Indiz für Folgeprobleme ist.
| Künstlerische Darstellung Melmoths |
Beim Verlassen der Kathedrale konnte
zum Glück der Leutnant unsere Leute abfangen, bevor sie wieder mit
den Kabalen aneinander gerieten. Wie geplant hatte unser Maulwurf die
Entführung des Fürsten beobachtet und so den Unterschlupf der
Kabaltruppen entdeckt. Nun wurde es Zeit für den Gegenschlag.
Manchmal bemitleide ich die Kabale für
Ihre fehlende Inspiration. Ein altes Lagerhaus als Zentrale für Ihre
Experimente? Wie klischeehaft und vorhersehbar. Auch das Szenario im
Inneren hatte etwas altbekanntes.
Der gute Fürst von Erbach von
seiner Erzfeindin an einen Experimentiertisch gefesselt, wo sie ihm
die Details Ihres finsteren Plans enthüllt, und kurz vor der
Exekution kommen die tapferen Gefährten, um sie zu retten. Nun ja,
leider nur fast. Zwar konnten unsere neuen Rekruten endlich einmal
hemmungslos die Zerstörungskraft Ihrer Erfindungen und Geschütze
unter Beweis stellen, während um sie herum die elektrifizierten
Speicherbänke detonierten und untote Schergen nach ihrem Leben
trachteten, leider konnten sie aber das vorübergehende Ableben des
Fürsten nicht verhindern. Auch die Komtesse de la Delacroix konnte
entkommen, was uns gewiss noch einiges an Kopfschmerzen bereiten
wird.
| Das klassiche Labor eines Kabalwisenschaftlers |
Trotz allem scheint somit vorerst dem
Handel von Waffen gegen die Leichen von Veteranen ein Riegel
vorgeschoben, und zumindest eines der Labore der Kabale ist
vernichtet. Ich verzeichne diese Mission damit als Erfolg. Viel
besorgniserregender ist, das Fürst Erbach kurz nach seinem Ableben
wieder in der Prager Innenstadt gesehen wurde, kurz nachdem die
Auguren der Brüder des St. Georg eine diabolische Präsenz innerhalb
der Kathedrale selbst wahrgenommen hatten.
Selbst mein kleiner Bruder könnte die
Verbindung zwischen dem Auftauchen des Wanderers, der Kontaktaufnahme
mit unserer Loge und der wunderbaren Auferstehung des Fürsten
ziehen. Nun, wir werden sehen, ob wir diese neuerliche Wendung in
unserem Sinne nutzen können. Mit Vater George haben wir einen
potentiellen Kontrollfaktor in der Gruppe, aber langfristig könnten
wir Gefahr laufen, das diese neue Loge zu einer größeren Bedrohung
wird, als diejenigen, gegen die wir sie einsetzen.
