Tombstone zeigt welche Wahrheiten sich hinter der Wahrheit verbergen

Pantera - Fünf Reiter kamen nach Tucumcari

Blutrache Vazquez kam aus dem Norden. Ihr Haar war so schwarz wie Ihre Seele, und Ihre Pistole saß so locker wie Ihre Moral.
Rote Wut kam aus dem Norden. Ihre Schultern waren fast so breit wie die Ihres Pferdes, und Ihr Blick war so hart wie die Steine des Black Rock.
Doc Lightning kam aus dem Süden, und das Blitzen seiner Erfindungen war heller als die Blitze im Sturm, der mit ihm kam.
Shady Liveuax kam aus dem Osten, und seine Motive waren so undurchschaubar wie seine Kartentricks.
Niemand weiß woher Vater Johnson kam, aber sein Urteil war so unabänderlich wie das Urteil Gottes selbst.
Sie trafen sich vor dem Dead Dog Saloon und eine schwangere Stille lag über der Stadt. Doc Lightning brach die Stille. „Keine Angst, mein Bester. Sie sehen alle aus wie Profis. Wir werden das Problem sicher mit Vernunft lösen können. Alles wird gut.“
Keiner der anderen Reiter verlor ein Wort, aber Vater Johnson bedachte den Wissenschaftler mit einem strafenden Blick.
Das Innere des Saloons war kaum weniger öde als die Wüste um das Dorf. Der ausgezehrte Barkeeper wischte mit einem staubigen Tuch in einem staubigen Glas herum, und die drei Damen der Nacht wirkten gleichzeitig aufgedreht und gelangweilt, als sie neue Kundschaft erblickten.
Einzig Big Jim Clifford, der große Mann in Tucumcari, zeigte so etwas wie eine Reaktion auf das Auftauchen der Fünf.
„Willkommen in Tucumcari, der Perle von Texas! Ich nehme an, die Damen und Herren sind hier wegen meines Aufrufs?“
Vazquez ließ sich in einen Stuhl fallen und legte die Füße auf den Tisch. Ihre Hand blieb auf dem Griff des Revolvers in Ihrem Gürtel.
„100 Dollar pro Kopf.“
Rote Wut verschränkte nur die Arme, was sie solide wie eine Felswand erscheinen ließ.
„Black Rock Gang.“
Doc Lightning sah von einem Gerät an seinem Gürtel auf und schien einen Moment verwirrt ob der Aufmekrsamkeit.
„Was? Wer? Ach ja, die Belohnung. Man sprach davon, das es sich um eine recht wehrhafte Bande handelt, ja?“ Er schaute über die Schulter, wo sich absolut niemand befand. „Jaja, ganz sicher sagt man das.“
„Shady“ Liveaux blickte über den Rand seiner getönten Brille und rollte in breitem Cajun, während seine Hände unentwegt Karten mischten,
„Und was macht diese Burschen so wertvoll, mon Ami? Sind sie, comme on dit, gewitzt?“ Seine linke Hand zog einen roten Joker aus dem Deck.
„Sie tun das Werk des Teufels. Und wir werden es beenden.“ Die Worte Vater Johnsons waren Anklage und Urteil in einem.
Big Jims Grinsen war breit, aber unsicher. „Dann sind wir uns ja einig. Sie ereldigen die Black Rock Gang, und es gibt 100 Dollar pro Kopf dieser Ratten. Sherriff Wishbone und Deputy Cook hier können Ihnen alle weiteren Fragen zu diesen Schurken beantworten. Ich habe wichtige Geschäfte auf der Ranch. Giddyup, Compadres. Sie werden den Ratten bestimmt in den Hintern treten!“ Big Jim verliess den Saloon wie ein Kojote, der den Berglöwen gerochen hatte.
Rote Wut und Doc Lightning verschwanden fast ebenso schnell aus dem Saloon, gefolgt von Vater Johnson und einigen verdammenden Worten ob der Sünde des Alkohols und der Unkeuschheit.
Vazquez und Liveaux wandten sich den Gesetzeshütern von Tucumcari zu – zwei traurigen Individuen, deren schlechter Charakter nur von Ihrer miesen Körperhygiene übertrumpft wurde.
„Sie brennen jede Nacht eine Ranch nieder, und sie kommen der Stadt immer näher.“ Vazquez taxierte den rattendürren Wishbone über den Tisch hinweg.
„Sie hinterlassen keine Überlebenden, und keine Spuren, denen man folgen könnte. Aber sie kommen immer von Richtung Black Rock.“
„Du meinst keine Spuren, die du gefunden hättest, richtig, Gringo?“ Vazquez kippte den Whiskey, den der vertrocknete Barkeeper endlich gebracht hatte.
„Was? Ja ne, das haben die anderen – ich meine das haben die Range – es gibt eben keine Spuren.“ Vazquez warf dem Cajun einen bedeutungsschweren Blick zu.
„Und was 'abt Ihr bis jetzt gegen diese – Schurken – unternommen, mes amis?“ erkundigte sich der Spieler, während er scheinbar die Karten von einer Hand in die andere wandern ließ.
„Hä? Gemacht? Das sind ein Dutzend oder mehr, was sollen denn da zwei Männer machen. Wir halten den Kopf unten und sorgen für die Sicherheit hier im Ort.“ Sein Blick suchte schon während des Sprechens nach einem Ausweg. Mit einem Rasseln trafen Vazquez Stiefel den Boden. Betont langsam richtete sie sich auf und starrte dem Sherriff ins Gesicht.
„Dann sorg mal dafür, das Du und Deine Pussy da uns nicht im Weg stehen. Adios, Gringos.“ Das Gesetz des Ortes verschwand ebenso schnell wie der zweite Whisky. Vazquez starrte den Cajun herausfordernd an. „Ich hoffe, Deine Finger sind am Abzug genauso schnell wie mit den Karten, Gringo. Ich hab sechs Schuss in meinem Eisen, aber da bleiben noch sechs übrig.“
Liveaux schenkte Ihr sein bestes Lächeln. „Ich bin kein Revolverheld, cherié. Aber keine Sorge, ich werde meinen Teil am Kopfgeld verdienen. Lass mich jetzt kurz mit den Damen sprechen – normalerweise wissen die Ladies mehr als die feinen Vertreter des Gesetzes über das, was wirklich in einer Stadt passiert.“


Rote Wut betrachtete stoisch, wie Doc Lightning diverse rotierende und glitzernde Gerätschaften aus dem Wagen fabrizierte. Ein nicht abbrechender Fluss von unverständlichen Worten ergoss sich aus dem Wissenschaftler, der sich seines Publikums in keinem Moment bewußt zu sein schien.
Vater Johnson stapfte zielstrebig an den beiden vorbei. Sein prüfender Blick fiel auf die verkohlte Ruine des Gotteshauses, in dessen Trümmern nur noch die Glocke und ein eisernes Kreuz auf seine frühere Funktion verwiesen. Zielstrebig passierte er die Ruine und betrat den Totenacker dahinter. Es schien schlagartig dunkler zu werden, als er das Tor durchschritt. Unbeeindruckt registirierte er, das sein Atem plötzlich als Wolke sichtbar war, und aus dem plötzlichen Zwielicht schien das dürre Gerippe eines Baumes hervor zu stechen, an dessen unterstem Ast eine leere Schlinge in nicht vorhandenem Wind baumelte.
Er packte seine Bibel fester und schritt zielbewußt auf den Baum zu. „Und ob ich doch wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich doch kein Leid, denn der Herr-“
Mit einem Flackern wie einer verlöschenden Flamme erschien eine weiße Gestalt in der Schlinge.
„Ich habe sie geliebt...“ wehte es an die Ohren des Predigers.
„ist mein Hirte, und es wird mir an nichts mangeln-“ Ohne zu zögern schritt er weiter zu dem Baum, und seine freie Hand umfasste die Schlinge.

Ich liebe sie, aber niemals werde ich es Ihr sagen können. Lucy, du bist so schön, du bist so unschuldig. Wie kann ich Dich nur beschützen vor all dem Bösen? Ich kann es nicht, ich konnte es nicht, WAS HABEN SIE DIR ANGETAN!-

Ein Gewicht wie ein umfallender Baum krachte auf den Priester hernieder. Mit einem Keuchen zog er die Luft zurück in seine brennenden Lungen. Ihm war, als hätte er seit Minuten keine Luft mehr bekommen. Ein scharfer Schmerz zog sich um seinen Hals, und er langsam wurde er der Gestalt der Indianerin gewahr, die auf ihm lag.
Wortlos erhob sich Rote Wut und ließ ihn wieder auf die Beine kommen. Doc Lightning stand neben Ihr und brabbelte halb zu ihm, halb zu einem ungesehenen Publikum. „Erstaunlich, spontanes Erscheinen von Würgemalen auf der Haut, deutliche Senkung der Körpertemperatur und Einstellen der Atmung über mindestens sechzig Sekunden. Hätte unsere Freundin Euch nicht unterbrochen, hätte ich gerne die Langzeitwirkungen der Halluzination untersucht.“ Er stellte einen klobigen Apparat auf ein Stativ und justierte diverse farbige Linsen.
„Ihr werdet keine Untersuchungen hier anstellen. Diese Ruhestätte der Toten ist entweiht.“ Resolut packte er seine Bibel und fiel vor dem Baum auf die Knie.
„Oh Herr, erlöse diese Seele, die den Weg nicht findet in Dein Reich, befreie Ihn von den Fesseln, die ihn an diese Welt ketten. Herr, erbarme Dich, Herr, ERLÖSE DEN SÜNDER“. Als der Pater sich von seinen Knien erhob, waren sowohl die Schlinge als auch das Zwielicht über dem Friedhof verschwunden. Eine weitere Seele hatte einen Weg aus dieser verfluchten Welt gefunden.
Die Temperatur des Ortes stieg merklich an, aber diese Erlösung war ein Tropfen auf den heißen Stein. Unbeirrt rappelte Vater Jones sich auf und schritt in Richtung der Kirche.
„Hier ist noch Arbeit des Herrn zu tun. Aber sein Auge liegt weiterhin auf Euch! Also wird hier keine Grabschändung getätigt, sonst, der Herr sei mien Zeuge, werde ich das Werkzeug seiner Vergeltung sein!“ Mit einem Blick, der die Verdammnis der Hölle erahnen ließ, schritt er in Richtung des alten Gotteshauses.

Rote Wut schaute dem Vater hinterher, dann wandte sie sich Doc Lighnting zu. „Dankbarkeit ist doch auch in dem Buch von weißem Gott?“ Der Doc hatte sich schon lange wieder seinen Geräten zugewandt und zuckte abwesend mit den Schultern.
„Es ist immer einfacher zu predigen als sich an seine eigenen Regeln zu halten. Stimmt's nicht, Murray? Genau, das dachte ich mir auch. Und ist es nicht faszienierend, das man jetzt die Namen aller Verstorbenen lesen kann, statt nur den dieser Dame? Faszinierend, sage ich.“


Vazquez und Shady Liveaux traten nach dem verstörenden Verhör gemeinsam auf die Strasse. In dem Moment, wo Ihre Stiefel den sandigen Boden berührten, wurde das Zwielicht von einem grellen Blitz erhellt, und in der Ferne erblickten Sie den Black Rock. Wie eine lauerndes Tier schien der Felsen inmitten der Wüste zu hocken, und nur für einen Moment schien es so, als wären auf dem Felsen Gestalten zu erahnen. Es war viel zu weit weg, als das man irgendwelche menschlchen Gestalen hätte erahnen können, aber Shady senkte seine Brille, runzelte die Stirn und zog dann eine paar Karten. ER blickte kurz auf das Blatt, schüttelte den Kopf und wandte sich and Blutrache.
„Ich denke, frü'er oder später werden wir uns diesen unwirtlichen Felsen anschauen müssen, ma chére.“ Vazquez schob den Hut aus der Stirn und spuckte aus.
„Später, hombre. Lass uns mal sehen, was die pendejos mit der Kirche gemacht haben.“ Mit klirrenden Sporen schritt die harte Frau zu den Trümmern der Kirche. Liveaux genoss einen Moment den Ausblick, dann folgte er Ihr. Sie ereichten die Ruine im selben Moment, in dem Rote Wut und Doc Lightning vom Totenacker zurück waren.
„Erstaunliche Konvergenz, wenn ich das so sagen darf, Murray.“ Doc Lightning inspizierte ein merkwürdig summendes Gerät. „Eine Wahrscheinlichkeit nahe der Fluxgrenze.“ Rote Wut blickte prüfend in den Himmel. „Zuviel Zeit vergangen.“
Blutrache winkte ab. „Wo ist der Padre?“ Ein weiterer Blitz erhellte kurz die Szenerie und gab den Blick frei auf eine dahingestreckte Gestalt vor der zersprungenen Glocke in den Trümmern der Kirche, die linke Hand über der Brust verkrampft, die Bibel noch in der Rechten.
„Sacre Coeur, mes amies. Das ist – etwas - mehr als merkwürdig.“ Liveaux's Brillengläser reflektierten die Blitze und verwandelten sein blasses Gesicht in eine Totenmaske.
Mit einem metallischen Klicken spannte Vazquez Ihr Eisen.
„Von jetzt an bleiben wir zusammen. Der Padre war nicht schwach und nicht wehrlos - „ Sie deutete mit dem Lauf Ihres Sechsschüssers auf die Schrotflinte, die unbeachtet vor der Glocke lag. „- und irgendwas hat ihn geknickt wie einen Strohhalm.“
Rote Wut inspizierte den Boden und zerbröselte ein paar Brocken Ache zwischen den Fingern. Sie schüttelte den Kopf wie ein angeschlagener Bulle. Doc Lightning schaute Ihr interessiert über die Schulter. „Was sagt Ihre Expertenmeinung, werte Kollegin? Mr. Murray wüsste gerne, ob sich Spuren des Tathergangs rekonstruieren lassen.“
„Keine Spuren außer von Gottesmann. Und Asche ist – älter als ein Monat, aber noch warm als war Feuer gestern.“ Sie griff in einen Beutel an Ihrem Gürtel und warf einige Kräuter auf den Boden. „Mehr unruhige Geister.“ Liveaux schritt vorsichtig durch die Asche.
„Und gestanden hat er 'ier, nicht wahr?“ Er deutete auf die Überreste eines Kamins inmitten der Trümmer.
Rote Wut blickte auf und nickte kurz. Vazquez schritt zu dem Spieler und schuate, was er entdeckt hatte. „Si – das wird es sein.“
Auf dem Kaminsims, wie durch Magie unberührt, stand eine Fotografie einer Frau. Darunter eine Inschrift - 'Du lässt mich einsam und unvollständig zurück.'
Blutrache ließ den Blick schweifen. „Irgendwelche Freiwilligen?“


Du musst Dich von diesem jungen fernhalten, Cindy. Er hat nichts gutes im Sinne.“ Sie schaute Ihr armes, unschuldiges Mädchen an, das so viel Leid über die Stadt bringen würde.
Sag Du auch etwas, Vater!“ Pater Livingstone schaute seine beiden Mädchen besorgt an.
Ihr wünschte, diese Stadt wäre etwas gottesfürchtiger, dann würde es nicht so viel Leid geben“,
Mit einem Knall, als würden die Tore der Hölle selbst aufgestossen, flog die tür der Kirche auf. Eine finstere Gestalt auf einem Pferd, die Peitsche in der Linken, ritt in das Haus des Herrn.
Wo ist die Hure, die mir meinen Sohn nehmen will?“
Sie griff sich an die Brust, der Schreck war so groß, das Ihr Herz schier stehen blieb. Der Atem stockte Ihr, und der Schmerz strahlte aus in all Ihre Glieder.
Mit einem Summen wie von Tausend Bienen lud sich das Gerät auf, nur um sich dann in einem zähnerschütternden Kreischen zu entladen. Der Blitz warf einen grünlichen Schleier über die gesamte Ruine und verwandelte den Kaminsims samt dem Bild in grünlichem Schleim.
Vazquez, Rote Wut und Liveaux fielen zu Boden. Liveaux übergab sich lautstark, und Vazquez schüttelte sich kurz, bevor sie eine Flasche aus der Jacke zog und einen tiefen Schluck nahm.
„Madre de Dios, verdammte Gespenster.“ Sie prostete dem Doktor zu. „Danke, gringo.“ Sie stupste mit dem Stiefel die Indianerin neben Ihr an. „Ay, chica, es ist vorbei. Steh auf.“ Unter ihrem rötlichen Hautton war die Haut der Kriegerin grau, Ihre linke Hand krampfte über dem Herz zusammen.
„Maledicta, es sind genug gestorben – Du nicht!“ Resolut rollte sie die Kriegerin zu sich herüber und zwängte Ihr die Flasche zwischen die Lippen. Der scharfe Schnaps rann wie flüssiges Feuer den Hals der Indianerin herab, und mit einem Ruck bäumte sie sich auf, hustete und keuchte wie ein Ertrinkender. Ein Schwall indianischer Worte ergoss sich aus Ihr, während sie blind nach dem Medizinbeutel an Ihrer Seite tastete und den Inhalt über sich aus schüttete. Dann blickte sie sich wild um, erblickte die Mexikanerin und riss Ihr Messer aus dem Gürtel.
Blutraches Hand lag schon auf dem Revolvergriff, als Rote Wut mit der anderen Hand die Klinge des Messers ergriff und mit einem Ruck einen tiefen Schnitt in Ihre Handfläche grub. Sie legte die blutige Hand erst auf Ihre Brust, dann auf die von Vazquez. „Mein Leben ist Deines, Butrache.“
Irritiert blickte die Revolverheldin auf Ihre beschmierte Brust. „Eh, wo ich herkomme, feiern wir das Leben anders. Sie schritt zu Liveaux und packte ihn am Kragen. „Komm schon, Cajun. Wir haben zu feiern.“ Dann zerrte sie ihn kompromisslos hinter die Ruine.


Sünden der Väter

„…und basierend auf diesen Fakten ist die Existenz einer Rasse von sogenannten Hemophagen nicht nur wahrscheinlich, sondern meiner Meinung nach eine evolutionäre Notwendigkeit!“

Blitzlichter flammten auf, und unzählige Reporter begannen gleichzeitig zu schreien:
„Dr Hawkins, Ihre Verwicklungen in Apartment H…“
„Dr Hawkins, sind sie tatsächlich selber von Vampiren gebissen…“
„Was sagen Sie zu den Ergebnissen von Professor Styx und seiner…“
„Wie kommt es, das Ihre Geschichte zunächst in einem Schmierenblatt wie dem Epitaph…“

Jeff verließ das Podium und überließ die Geier dem PR Experten der Universität. Er ging schnellen Schrittes durch die Gänge des Psychologiegebäudes und erreiche schließlich sein Vorzimmer. Seine Sekretärin begrüßte ihn mit einem verschmitzten Lächeln.
„Haben Sie es überstanden?“
„Ja, zum Glück übernimmt Harvey die Kommentierung, so daß ich mich dem schlimmsten Rummel entziehen kann.“
„Ich fürchte, sie haben es noch nicht ganz geschafft“ sie zwinkerte ihm zu und deutete auf die halb geöffnete Tür seines Büros. Dahinter konnte er die Umrisse eines Damenschuhs sehen, der ungeduldig wippte. Der Rest der Gestalt war noch von der Tür verborgen, aber die milchkaffeefarbige Haut, die schreiend roten Schuhe und die Dreistigkeit, ihm in seinem Büro aufzulauern, ließen nur eine Schlussfolgerung zu.

„Carmen, wie schön, das Du mal wieder vorbei schaust. Ich habe Dich bei der Pressekonferenz vermisst.“
Carmen Sanchez-Sanchez, Top Reporterin des Tombstone Epitaph, schenkte ihm ein freches Grinsen.
„Ach weißt Du, das Thema Vampire ist irgendwie durch. Und meine Leser sind an wissenschaftlichen Hintergründen weniger interessiert als an den schmutzigen kleinen Details. Du weißt schon, waren die Opfer nackt, prominent, oder besser beides, so was in der Art.“
„Ja, und ich bin Dir dankbar, dass Du meinen Namen so unfassbar gut verändert hast. Professor H, ein anerkannter Parapsychologe der Universität Chicago – da wird bestimmt niemand auf mich kommen.“
„Ach komm, als ob Du Publicity scheuen würdest. Aber genug des Vorspiels – ich brauche Deine Unterstützung. Was sagst Du hierzu?“
Sie ließ einen Umschlag mit Fotoagrafien über seinen Schreibtisch gleiten. Die Art der Abzüge, die Beleuchtung und Markierungen auf dem Boden identifizierten die Bilder als Tatortaufnahmen.
„Das Opfer ist, Asiate, Mitte 20. Es hat offensichtlich einen Kampf gegeben, da ist deutlich zu viel Blut, um nur von Ihm zu sein, vor allem, da er nur wenige Wunden hat. Hm. Das ganze sieht merkwürdig aus. Einerseits ist seine ganze Front voller Kratzer auf der Brust – hier, tiefe parallele Furchen, fast wie von Hörnern, aber recht flach und an den Händen so etwas wie – Bißwunden? An Oberschenkeln und Unterleib gibt es Hämatome, wie von einem stumpfen gegenstand. Aber das hier scheint wohl die Todesursache zu sein.“
Jeff hielt ein Foto nach oben, das einen Pfeil im Rücken des Opfers zeigte.
„Und genau deswegen bin ich bei Dir. Was kannst Du mir zu dem Pfeil sagen?“
Jeff betrachtete die Fotografie näher und setzte seine Brille auf.
„Hm, da gibt es einige interessante Markierungen auf dem Schaft. Die Färbung der Federn ist auch recht auffällig. Allerdings müsste ich ihn näher-„
Eine Plastiktüte mit der Aufschrift „Evidence – Chicago Police Department“ klapperte auf seinen Schreibtisch. Jeff blickte Carmen über den Rand seiner Brille misstrauisch an.
„Ich frage besser nicht, woher Du die hast, oder?“
„Besser nicht – konzentrier Dich auf das Wesentliche. Was ist das für ein Pfeil?“
Jeff hielt den Pfeil ins Licht. Die Färbung der federn lässt auf Navajo schließen, vielleicht auch Salish. Die Markierungen auf dem Schaft haben aber nichts mit Stämmen zu tun, das ist etwas anderes. Er sprang auf und durchsuchte einige Referenzbücher, bis er schließlich mit einem dicken Wälzer zum Schreibtisch zurück kam.
„Hier ist es – ein sogenannter Weia Hoka. Diese Markierungen hier sind Anrufungen an verschiedene Manitus, um Stärke und Treffsicherheit zu erhöhen, und das Böse zu vernichten, das dieser Pfeil trifft. Das erklärt auch - “ er kratzte durch die Tüte etwas Blut von der Spitze „warum die Spitze mit Asche bedeckte ist. In vielen indianischen Stämmen wird weiße Asche von heiligen Bäumen als Mittel gegen das Böse benutzt.“ Er stützte sich auf den Schreibtisch, nahm seine Brille ab und sah Carmen in die Augen. „Was wir hier haben, ist ein Dämonentöter.“

Carmen klatschte aufgeregt in die Hände. „Das wollte ich hören, Jeff! Du bist ein Schatz!“ Sie sprang auf und küsste ihn auf die Wange. Sie stopfte den Pfeil in Ihre Handtasche und machte sich auf zur Tür. Im Türrahmen drehte sie sich kurz um. „Kommst Du?“

„Äh, wohin denn?“

„Na, Du willst doch bestimmt mal mit einem echten Geisterjäger sprechen. Komm schon!“


Jeff Hawkins blieb es schleierhaft, wie Carmen es immer wieder schaffte, Menschen so der Massen zu überrumpeln. Jetzt saß er im Besucherraum des Chicagoer Polizeireviers, getrennt nur durch eine Scheibe von einem geständigen Mörder.

„Mr Falcon, glauben Sie mir, wir haben nichts mit der Polizei zu tun. Und auch nicht mit dem FBI. Wir wollen nur Ihre Geschichte hören.“ Carmen hatte Ihr Telefon auf mitschneiden gestellt und redete jetzt intensiv auf den Mann vor Ihr ein. Er sah weder aus wie ein Mörder, noch wie ein Indianer. Er sah aus wie ein Buchhalter irischer Abstammung. Blass, rötliche Haare, eine Nickelbrille. Höchstens 1,60, untersetzt.

„Sie wissen, dass es schlecht für Sie aussieht. Man hat sie am Tatort aufgegriffen, mit einem Bogen, und zwei weiteren Pfeilen wie diesem.“ Sie hielt das Foto hoch. „Sie sind nur noch hier, weil man noch Ihre genealogischen Werte abwartet. Wenn sie als Indianer eingestuft werden können, brauchen die nicht mal eine Verhandlung, sondern sie landen direkt im Lager.

Der kleine Mann blickte zu Boden.

„Sie haben Mr Hsiang Tsung ermordet. Ich will nicht sagen, dass es den schlechtesten Menschen der Welt erwischt hat. Wenn ich mir das so ansehe, hat Mr. Tsung diverse Anklagen wegen häuslicher Gewalt hinter sich, und der einzige Grund, warum er das Sorgerecht hat, ist die indianische Abstammung seiner Mutter und sein Status als Bürger von Shiawase Computersystems.

Jeff ergriff das Wort

„Warum haben Sie ihn mit einem Weia Hoka getötet? Das ist mächtige Medizin.“

Die Augen des kleinen Mannes ruckten hoch. „Sie wissen, was das ist?“

Jeff nickte.

„Dann wissen Sie auch, wofür er gut ist. Es ist ein böser Geist unterwegs. Ein yee naaldlooshii, ein Hautwechsler. Und ich wollte ihn aufhalten.” Er vergrub sein Gesicht in den Händen. „Aber ich habe versagt!“

Jeff und Carmen schauten sich an. Carmen sprach zuerst.
„Naja, aber sie haben Ihn schon erwischt. Der Gute ist hin.“
„Aber nicht der naaldloshii. Ich war zu schwach. Er hatte schon einen neuen Körper. Der Hautwechsler kann in jeden fahren, dessen Blut er geschmeckt hat. Und dieser hatte Blut geschmeckt.“
Jeff wirkte irritiert. „Warum haben Sei dann seinen neuen Wirt nicht auch erwischt? Sie hatten doch noch weitere Pfeile, und das Opfer kann doch nicht weit gewesen sein?“
Carmen räusperte sich und zeigte Jeff ein Bild auf Ihrem Telefon.. „Weil das hier das Opfer ist…“





Carmen und Jeff standen auf dem Gang des Sacred Heart Hospitals und schauten durch das Fenster in ein Krankenzimmer. Ein kleines, rotblondes Mädchen verschwand beinahe in den dicken Decken. Ihre Arme und Brust waren bandagiert, und sie war sehr blass. Es war schon 22.00 - Jeff hatte die Nachtschwester überzeugen könne, das sie etwas länger bleiben durften.

Carmen las von Ihrem Telefon ab.
„Sally Tsung Whitefeather, 11 Jahre. Sie ist Pfadfinderin und singt im Kirchenchor. Sie ist das dritte von fünf Kindern. Mutter ist Emily Whitefeather, Navajo, deportiert ins Lage Chicago-Süd. Vater Hisang Tsung. Sie ist die einzige Überlebende von fünf Kindern - VITAS und die ersten Bombenanschläge der Sons of Raven. Und jetzt möglicherweise Wirtskörper für einen bösen Indianischen Geist.“

„Genaugenommen sind Naagloshi keine Geister. Es sind Hexen, die die Gestalt von Tieren annehmen können, indem sie sich Ihre Felle überziehen. Deshalb tragen die Navajo selbst kaum Felle, da sie mit diesen Hexen in Verbindung gebracht werden. “

„Und was tun wir jetzt?“

„Nun, zunächst schauen wir nach, was heute Nacht passiert. Der Naagloshi scheut die Sonne, da sie zeigt, dass er keinen Schatten wirft. Deshalb wechselt er – oder sie – seine Gestalt steht’s im Dunkel. Dazu wirft er das Fell eines Tieres über und macht sich dann auf die Jagd.“

„Und mal angenommen, die kleine Sally ist unser Naagloshi?“

„Das glaube ich kaum. Die Geschichte unseres Mr. Falcon hat nämlich einen Haken – Naagloshi sind keine Werwölfe. Sie werden nicht durch Biss übertragen oder Blut. Sie sind böse Zauberer. Sie können allerdings die Gestalt derjenigen annehmen, die ise gesehen haben.“

„Also könnte sie es doch sein? Und was dann?“

„Dann haben wir ein Problem. Es heißt, der Naagloshi sei so schnell, das man ihm aus einem Schritt Entfernung ins Gesicht schießen kann und dennoch nicht trifft. Einzig ein Pfeil oder eine Kugel bedeckt mit der weißen Asche des heiligen Baums kann ihn töten, nachdem man seinen wahren Namen offenbart hat. Das zwingt Ihn, sein Fell abzuwerfen, und dann ist er verwundbar.“

„Und du willst einem 12jährigen Mädchen ins Gesicht schießen?“

„Das meinte ich mit dem Problem…“


„Irgendwie passt das alles nicht zusammen.“
Carmen gähnte und streckte sich.
„Es ist jetzt beinahe ein Uhr. Ich hole uns noch einen Kaffee, sonst halte ich die Nacht nicht durch.“
Jeffs Kopf ruckte hoch – auch er war schon beinahe weggenickt. Er schaute Carmen noch einen Moment hinterher, dann schaute er wieder hinüber zu Sally. Der Raum lag ihm Schatten, nur wenig Mondlicht und die Notbeleuchtung des Krankenhauses erhellten ihn. Trotzdem schien etwas anders zu sein. Irgendetwas fehlte. In dem offenen Schrank neben Sallys Bett hatte eine Jacke gehangen, eine schwere gefütterte Lederjacke. Er stand auf und ging zum Fenster, um genauer nachzusehen. Als er am Fenster stand, schlug plötzlich die Tür des Zimmers auf und schlug mit einem lauten Klirren gegen die Wand. Irgendetwas huschte an Ihm vorbei, ohne das er es erkennen konnte.

Er wirbelte herum. Etwas klapperte über den Boden – Carmens Absätze? Falsche Richtung! Er hastete den zwielichtigen Gang entlang. Ein Tür klappert. Als Jeff sie erreicht, fällt sie gerade ins Schloss.
Noch einmal atmet er tief ein, stützt sich an der Wand ab – und reißt die Tür auf.

Ein kreischendes etwas trifft ihn in der Körpermitte. Jeff taumelt, geht zu Boden. Krallenartige Nägel zerren an seiner Jacke. Etwas spitzes, hornartiges schabt seine Rippen entlang. Verzweifelt greift er nach seinem Angreifer, spürt Fell. Er zerrt daran, und erkennt grüne Augen, die ihn haßerfüllt anstarren. Kurze Arme versuchen, seine Augen zu erreichen, sein Unterleib wird mit Tritten malträtiert.

Sally! Sally Tsung Whitefeather! Wach auf!“ Scharfe Zähne graben sich tief in sein Handgelenk, bis Blut fließt. Verdammt, einmal hätte das ja klappen können mit dem wahren Namen. Er reißt seine Hand los und stößt das Kind von sich, das auf allen vieren unter einem Bett verschwindet. Rückwärts rutscht Jeff an die Wand, hält sein blutiges Handgelenk.

Tierhaftes Knurren und – Blöken tönt unter dem Bett hervor, dann schießt Sally nach vorne, die Hände klauenartig ausgestreckt. Die riesige Lederjacke bläht sich auf wie Flügel. Er kann das Kind gerade noch packen, aber das Kind schlägt, beißt und kratzt mit unbändiger Kraft um sich. Jeffs verletzte Hand gibt nach, und eine Kinderhand reißt ihm blutige Furchen in die Wange. Nur Zentimeter von seinem Auge entfernt. Ein harter Tritt in den Unterleib treibt ihm die Tränen in die Augen.

„Das reicht, Elisabeth Falcon!“ Zwei kaffebraune Hände reißen das Kind zurück.. Als der Name ertönt, erschlaffen die Züge des Kindes, und es rutscht völlig knochenlos aus der zu großen Lederjacke. Auf dem Boden liegt ein kleines, unschuldiges Mädchen.

Carmen betrachtet kurz die Jacke, bevor sie sie weit weg von Sally auf eine Pritsche wirft. „Schafsfell. Du bist beinahe von einem Werschaf ermordet worden.“ Jeff lässt erschöpft seinen Kopf hängen.
„Kannst Du in deinem Artikel wenigstens einen Hund daraus machen? Mein Ruf ist eh schon arg ruiniert.“
„Mal sehen. Vielleicht lasse ich auch Dich darauf kommen, das Sie Falcons Tochter ist. Meine Leser mögen den heldenhaften Parapsychologen sooo gerne.“ Sie zwinkerte mir zu.
„Wieder bleibt die Frage – was machen wir jetzt?“ Gemeinsam schauten sie zu Sally, die ängstlich auf der Pritsche hockte.

„Ich werde sie mitnehmen. Ich weiß, wie ich mit dem Fluch umgehen kann.“ Falcon saß oben auf einem Fenstersims, in der Hand einen Umhang aus Federn. Geschmeidig ließ er sich zu Boden fallen.
„Wenn wir uns von Fellen und Federn fernhalten, passiert uns nichts. Es ist zwar in den letzten Jahren stärker geworden, aber Den Geistern sei Dank gibt es sowieso kaum noch echte Felle. Ich verspreche, ich werde Sie von all diesen Dingen fernhalten.“
„Und wenn das nicht reicht?“ Wenn doch etwas passiert und Menschen zu Schaden kommen?“ Carmen sah Ihn herausfordernd an.

Falcon ließ den Kopf hängen. Dann riss er zwei Federn aus dem Umhang, und stach mit den Kielen erst sich selbst, dann Sally in den kleinen Finger. Er reichte die Federn Carmen.
„Mein voller Name ist Nicholas Bartleby Falcon. Den Namen meiner Tochter kennt Ihr. Wenn einer von uns einem Menschen schaden sollte, sollt Ihr uns finden und mit einem Pfeil durchbohren, der diese Feder trägt. Ihr kennt nun unsere Namen, kein Fell kann unsere wahre Gestalt vor Euch verbergen.“ Er schaute ernst erst in Carmens, dann in Jeffs Augen.
„Ich vertraue Euch unser Leben an. Ich bitte Euch, weise damit umzugehen.“

Dann nahm er seine Tochter bei der Hand und schritt langsam mit Ihr den Gang hinunter.

Carmen starrte lange Zeit die blutigen Federn in Ihrer Hand an, bevor Sie sie in Ihrer Handtasche verschwinden ließ. Jeff räusperte sich. „Aähm, ich würde diese Federn schon gern untersuchen, Du weißt schon, im Namen der Wissenschaft..“

Sie hakte ihn unter und schritt schnurstracks den Gang hinunter, fort von den Falcons. „Das hängt schwer davon ab, wohin Du mich jetzt ausführst. Ich denke Dein Leben und Dein Ruf sollten schon mindestens ein Fünf Sterne Dinner wert sein. Lass Dir was einfallen, wie Du das noch steigern kannst, wenn Du die Federn auch noch haben willst.“


TOMBSTONE EPITAPH

**NEU**: FÜNF Kolumnen, die aufdecken das die Wahrheit nicht immer ist was sie scheint. C-Files, Lost Scripts und Lone Gunmen berichten aus 1.Hand über ungesagtes, vertuschtes und unfassbare Wahrheiten. 100% unabhäng, objektiv und unbestechlich. Neu hinzugekommen sind Die Abenteuer von Anita Bluebird, Tempelritter im Wilden Westen und Die Aufzeichnungen der Diogenes Gesellschaft, Monsterjagden im Deutschen Kaiserreich von 1899.
VORSICHT: Diese Wahrheit könnte ihre psychische Gesundheit gefährden. 


 ************************************************
Unglaubliche Tatsachenberichte aus Chicago



************************************************
In seinen Drehbüchern verarbeitet P.J.
 seine unfassbaren Abenteuer

************************************************
Insider des FBI berichten aus den Schatten der Gesellschaft





************************************************
Die frühen Geschichten des Tombstone Epitaph - die1870er












Wir folgen den Abenteuern von Anita Bluebird, Ritter des Tempels im Wilden Westen!

************************************************
Die Aufzeichnungen der Diogenes Gesellschaft, Unterkapitel Stuttgart, Königreich Württemberg

Kapitel II : Das Prager Fiasko



Zusammengestellt von Mycroft Holmes, Esquire

>>[click picture]<<