Tombstone zeigt welche Wahrheiten sich hinter der Wahrheit verbergen

Pantera - Fünf Reiter kamen nach Tucumcari

Blutrache Vazquez kam aus dem Norden. Ihr Haar war so schwarz wie Ihre Seele, und Ihre Pistole saß so locker wie Ihre Moral.
Rote Wut kam aus dem Norden. Ihre Schultern waren fast so breit wie die Ihres Pferdes, und Ihr Blick war so hart wie die Steine des Black Rock.
Doc Lightning kam aus dem Süden, und das Blitzen seiner Erfindungen war heller als die Blitze im Sturm, der mit ihm kam.
Shady Liveuax kam aus dem Osten, und seine Motive waren so undurchschaubar wie seine Kartentricks.
Niemand weiß woher Vater Johnson kam, aber sein Urteil war so unabänderlich wie das Urteil Gottes selbst.
Sie trafen sich vor dem Dead Dog Saloon und eine schwangere Stille lag über der Stadt. Doc Lightning brach die Stille. „Keine Angst, mein Bester. Sie sehen alle aus wie Profis. Wir werden das Problem sicher mit Vernunft lösen können. Alles wird gut.“
Keiner der anderen Reiter verlor ein Wort, aber Vater Johnson bedachte den Wissenschaftler mit einem strafenden Blick.
Das Innere des Saloons war kaum weniger öde als die Wüste um das Dorf. Der ausgezehrte Barkeeper wischte mit einem staubigen Tuch in einem staubigen Glas herum, und die drei Damen der Nacht wirkten gleichzeitig aufgedreht und gelangweilt, als sie neue Kundschaft erblickten.
Einzig Big Jim Clifford, der große Mann in Tucumcari, zeigte so etwas wie eine Reaktion auf das Auftauchen der Fünf.
„Willkommen in Tucumcari, der Perle von Texas! Ich nehme an, die Damen und Herren sind hier wegen meines Aufrufs?“
Vazquez ließ sich in einen Stuhl fallen und legte die Füße auf den Tisch. Ihre Hand blieb auf dem Griff des Revolvers in Ihrem Gürtel.
„100 Dollar pro Kopf.“
Rote Wut verschränkte nur die Arme, was sie solide wie eine Felswand erscheinen ließ.
„Black Rock Gang.“
Doc Lightning sah von einem Gerät an seinem Gürtel auf und schien einen Moment verwirrt ob der Aufmekrsamkeit.
„Was? Wer? Ach ja, die Belohnung. Man sprach davon, das es sich um eine recht wehrhafte Bande handelt, ja?“ Er schaute über die Schulter, wo sich absolut niemand befand. „Jaja, ganz sicher sagt man das.“
„Shady“ Liveaux blickte über den Rand seiner getönten Brille und rollte in breitem Cajun, während seine Hände unentwegt Karten mischten,
„Und was macht diese Burschen so wertvoll, mon Ami? Sind sie, comme on dit, gewitzt?“ Seine linke Hand zog einen roten Joker aus dem Deck.
„Sie tun das Werk des Teufels. Und wir werden es beenden.“ Die Worte Vater Johnsons waren Anklage und Urteil in einem.
Big Jims Grinsen war breit, aber unsicher. „Dann sind wir uns ja einig. Sie ereldigen die Black Rock Gang, und es gibt 100 Dollar pro Kopf dieser Ratten. Sherriff Wishbone und Deputy Cook hier können Ihnen alle weiteren Fragen zu diesen Schurken beantworten. Ich habe wichtige Geschäfte auf der Ranch. Giddyup, Compadres. Sie werden den Ratten bestimmt in den Hintern treten!“ Big Jim verliess den Saloon wie ein Kojote, der den Berglöwen gerochen hatte.
Rote Wut und Doc Lightning verschwanden fast ebenso schnell aus dem Saloon, gefolgt von Vater Johnson und einigen verdammenden Worten ob der Sünde des Alkohols und der Unkeuschheit.
Vazquez und Liveaux wandten sich den Gesetzeshütern von Tucumcari zu – zwei traurigen Individuen, deren schlechter Charakter nur von Ihrer miesen Körperhygiene übertrumpft wurde.
„Sie brennen jede Nacht eine Ranch nieder, und sie kommen der Stadt immer näher.“ Vazquez taxierte den rattendürren Wishbone über den Tisch hinweg.
„Sie hinterlassen keine Überlebenden, und keine Spuren, denen man folgen könnte. Aber sie kommen immer von Richtung Black Rock.“
„Du meinst keine Spuren, die du gefunden hättest, richtig, Gringo?“ Vazquez kippte den Whiskey, den der vertrocknete Barkeeper endlich gebracht hatte.
„Was? Ja ne, das haben die anderen – ich meine das haben die Range – es gibt eben keine Spuren.“ Vazquez warf dem Cajun einen bedeutungsschweren Blick zu.
„Und was 'abt Ihr bis jetzt gegen diese – Schurken – unternommen, mes amis?“ erkundigte sich der Spieler, während er scheinbar die Karten von einer Hand in die andere wandern ließ.
„Hä? Gemacht? Das sind ein Dutzend oder mehr, was sollen denn da zwei Männer machen. Wir halten den Kopf unten und sorgen für die Sicherheit hier im Ort.“ Sein Blick suchte schon während des Sprechens nach einem Ausweg. Mit einem Rasseln trafen Vazquez Stiefel den Boden. Betont langsam richtete sie sich auf und starrte dem Sherriff ins Gesicht.
„Dann sorg mal dafür, das Du und Deine Pussy da uns nicht im Weg stehen. Adios, Gringos.“ Das Gesetz des Ortes verschwand ebenso schnell wie der zweite Whisky. Vazquez starrte den Cajun herausfordernd an. „Ich hoffe, Deine Finger sind am Abzug genauso schnell wie mit den Karten, Gringo. Ich hab sechs Schuss in meinem Eisen, aber da bleiben noch sechs übrig.“
Liveaux schenkte Ihr sein bestes Lächeln. „Ich bin kein Revolverheld, cherié. Aber keine Sorge, ich werde meinen Teil am Kopfgeld verdienen. Lass mich jetzt kurz mit den Damen sprechen – normalerweise wissen die Ladies mehr als die feinen Vertreter des Gesetzes über das, was wirklich in einer Stadt passiert.“


Rote Wut betrachtete stoisch, wie Doc Lightning diverse rotierende und glitzernde Gerätschaften aus dem Wagen fabrizierte. Ein nicht abbrechender Fluss von unverständlichen Worten ergoss sich aus dem Wissenschaftler, der sich seines Publikums in keinem Moment bewußt zu sein schien.
Vater Johnson stapfte zielstrebig an den beiden vorbei. Sein prüfender Blick fiel auf die verkohlte Ruine des Gotteshauses, in dessen Trümmern nur noch die Glocke und ein eisernes Kreuz auf seine frühere Funktion verwiesen. Zielstrebig passierte er die Ruine und betrat den Totenacker dahinter. Es schien schlagartig dunkler zu werden, als er das Tor durchschritt. Unbeeindruckt registirierte er, das sein Atem plötzlich als Wolke sichtbar war, und aus dem plötzlichen Zwielicht schien das dürre Gerippe eines Baumes hervor zu stechen, an dessen unterstem Ast eine leere Schlinge in nicht vorhandenem Wind baumelte.
Er packte seine Bibel fester und schritt zielbewußt auf den Baum zu. „Und ob ich doch wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich doch kein Leid, denn der Herr-“
Mit einem Flackern wie einer verlöschenden Flamme erschien eine weiße Gestalt in der Schlinge.
„Ich habe sie geliebt...“ wehte es an die Ohren des Predigers.
„ist mein Hirte, und es wird mir an nichts mangeln-“ Ohne zu zögern schritt er weiter zu dem Baum, und seine freie Hand umfasste die Schlinge.

Ich liebe sie, aber niemals werde ich es Ihr sagen können. Lucy, du bist so schön, du bist so unschuldig. Wie kann ich Dich nur beschützen vor all dem Bösen? Ich kann es nicht, ich konnte es nicht, WAS HABEN SIE DIR ANGETAN!-

Ein Gewicht wie ein umfallender Baum krachte auf den Priester hernieder. Mit einem Keuchen zog er die Luft zurück in seine brennenden Lungen. Ihm war, als hätte er seit Minuten keine Luft mehr bekommen. Ein scharfer Schmerz zog sich um seinen Hals, und er langsam wurde er der Gestalt der Indianerin gewahr, die auf ihm lag.
Wortlos erhob sich Rote Wut und ließ ihn wieder auf die Beine kommen. Doc Lightning stand neben Ihr und brabbelte halb zu ihm, halb zu einem ungesehenen Publikum. „Erstaunlich, spontanes Erscheinen von Würgemalen auf der Haut, deutliche Senkung der Körpertemperatur und Einstellen der Atmung über mindestens sechzig Sekunden. Hätte unsere Freundin Euch nicht unterbrochen, hätte ich gerne die Langzeitwirkungen der Halluzination untersucht.“ Er stellte einen klobigen Apparat auf ein Stativ und justierte diverse farbige Linsen.
„Ihr werdet keine Untersuchungen hier anstellen. Diese Ruhestätte der Toten ist entweiht.“ Resolut packte er seine Bibel und fiel vor dem Baum auf die Knie.
„Oh Herr, erlöse diese Seele, die den Weg nicht findet in Dein Reich, befreie Ihn von den Fesseln, die ihn an diese Welt ketten. Herr, erbarme Dich, Herr, ERLÖSE DEN SÜNDER“. Als der Pater sich von seinen Knien erhob, waren sowohl die Schlinge als auch das Zwielicht über dem Friedhof verschwunden. Eine weitere Seele hatte einen Weg aus dieser verfluchten Welt gefunden.
Die Temperatur des Ortes stieg merklich an, aber diese Erlösung war ein Tropfen auf den heißen Stein. Unbeirrt rappelte Vater Jones sich auf und schritt in Richtung der Kirche.
„Hier ist noch Arbeit des Herrn zu tun. Aber sein Auge liegt weiterhin auf Euch! Also wird hier keine Grabschändung getätigt, sonst, der Herr sei mien Zeuge, werde ich das Werkzeug seiner Vergeltung sein!“ Mit einem Blick, der die Verdammnis der Hölle erahnen ließ, schritt er in Richtung des alten Gotteshauses.

Rote Wut schaute dem Vater hinterher, dann wandte sie sich Doc Lighnting zu. „Dankbarkeit ist doch auch in dem Buch von weißem Gott?“ Der Doc hatte sich schon lange wieder seinen Geräten zugewandt und zuckte abwesend mit den Schultern.
„Es ist immer einfacher zu predigen als sich an seine eigenen Regeln zu halten. Stimmt's nicht, Murray? Genau, das dachte ich mir auch. Und ist es nicht faszienierend, das man jetzt die Namen aller Verstorbenen lesen kann, statt nur den dieser Dame? Faszinierend, sage ich.“


Vazquez und Shady Liveaux traten nach dem verstörenden Verhör gemeinsam auf die Strasse. In dem Moment, wo Ihre Stiefel den sandigen Boden berührten, wurde das Zwielicht von einem grellen Blitz erhellt, und in der Ferne erblickten Sie den Black Rock. Wie eine lauerndes Tier schien der Felsen inmitten der Wüste zu hocken, und nur für einen Moment schien es so, als wären auf dem Felsen Gestalten zu erahnen. Es war viel zu weit weg, als das man irgendwelche menschlchen Gestalen hätte erahnen können, aber Shady senkte seine Brille, runzelte die Stirn und zog dann eine paar Karten. ER blickte kurz auf das Blatt, schüttelte den Kopf und wandte sich and Blutrache.
„Ich denke, frü'er oder später werden wir uns diesen unwirtlichen Felsen anschauen müssen, ma chére.“ Vazquez schob den Hut aus der Stirn und spuckte aus.
„Später, hombre. Lass uns mal sehen, was die pendejos mit der Kirche gemacht haben.“ Mit klirrenden Sporen schritt die harte Frau zu den Trümmern der Kirche. Liveaux genoss einen Moment den Ausblick, dann folgte er Ihr. Sie ereichten die Ruine im selben Moment, in dem Rote Wut und Doc Lightning vom Totenacker zurück waren.
„Erstaunliche Konvergenz, wenn ich das so sagen darf, Murray.“ Doc Lightning inspizierte ein merkwürdig summendes Gerät. „Eine Wahrscheinlichkeit nahe der Fluxgrenze.“ Rote Wut blickte prüfend in den Himmel. „Zuviel Zeit vergangen.“
Blutrache winkte ab. „Wo ist der Padre?“ Ein weiterer Blitz erhellte kurz die Szenerie und gab den Blick frei auf eine dahingestreckte Gestalt vor der zersprungenen Glocke in den Trümmern der Kirche, die linke Hand über der Brust verkrampft, die Bibel noch in der Rechten.
„Sacre Coeur, mes amies. Das ist – etwas - mehr als merkwürdig.“ Liveaux's Brillengläser reflektierten die Blitze und verwandelten sein blasses Gesicht in eine Totenmaske.
Mit einem metallischen Klicken spannte Vazquez Ihr Eisen.
„Von jetzt an bleiben wir zusammen. Der Padre war nicht schwach und nicht wehrlos - „ Sie deutete mit dem Lauf Ihres Sechsschüssers auf die Schrotflinte, die unbeachtet vor der Glocke lag. „- und irgendwas hat ihn geknickt wie einen Strohhalm.“
Rote Wut inspizierte den Boden und zerbröselte ein paar Brocken Ache zwischen den Fingern. Sie schüttelte den Kopf wie ein angeschlagener Bulle. Doc Lightning schaute Ihr interessiert über die Schulter. „Was sagt Ihre Expertenmeinung, werte Kollegin? Mr. Murray wüsste gerne, ob sich Spuren des Tathergangs rekonstruieren lassen.“
„Keine Spuren außer von Gottesmann. Und Asche ist – älter als ein Monat, aber noch warm als war Feuer gestern.“ Sie griff in einen Beutel an Ihrem Gürtel und warf einige Kräuter auf den Boden. „Mehr unruhige Geister.“ Liveaux schritt vorsichtig durch die Asche.
„Und gestanden hat er 'ier, nicht wahr?“ Er deutete auf die Überreste eines Kamins inmitten der Trümmer.
Rote Wut blickte auf und nickte kurz. Vazquez schritt zu dem Spieler und schuate, was er entdeckt hatte. „Si – das wird es sein.“
Auf dem Kaminsims, wie durch Magie unberührt, stand eine Fotografie einer Frau. Darunter eine Inschrift - 'Du lässt mich einsam und unvollständig zurück.'
Blutrache ließ den Blick schweifen. „Irgendwelche Freiwilligen?“


Du musst Dich von diesem jungen fernhalten, Cindy. Er hat nichts gutes im Sinne.“ Sie schaute Ihr armes, unschuldiges Mädchen an, das so viel Leid über die Stadt bringen würde.
Sag Du auch etwas, Vater!“ Pater Livingstone schaute seine beiden Mädchen besorgt an.
Ihr wünschte, diese Stadt wäre etwas gottesfürchtiger, dann würde es nicht so viel Leid geben“,
Mit einem Knall, als würden die Tore der Hölle selbst aufgestossen, flog die tür der Kirche auf. Eine finstere Gestalt auf einem Pferd, die Peitsche in der Linken, ritt in das Haus des Herrn.
Wo ist die Hure, die mir meinen Sohn nehmen will?“
Sie griff sich an die Brust, der Schreck war so groß, das Ihr Herz schier stehen blieb. Der Atem stockte Ihr, und der Schmerz strahlte aus in all Ihre Glieder.
Mit einem Summen wie von Tausend Bienen lud sich das Gerät auf, nur um sich dann in einem zähnerschütternden Kreischen zu entladen. Der Blitz warf einen grünlichen Schleier über die gesamte Ruine und verwandelte den Kaminsims samt dem Bild in grünlichem Schleim.
Vazquez, Rote Wut und Liveaux fielen zu Boden. Liveaux übergab sich lautstark, und Vazquez schüttelte sich kurz, bevor sie eine Flasche aus der Jacke zog und einen tiefen Schluck nahm.
„Madre de Dios, verdammte Gespenster.“ Sie prostete dem Doktor zu. „Danke, gringo.“ Sie stupste mit dem Stiefel die Indianerin neben Ihr an. „Ay, chica, es ist vorbei. Steh auf.“ Unter ihrem rötlichen Hautton war die Haut der Kriegerin grau, Ihre linke Hand krampfte über dem Herz zusammen.
„Maledicta, es sind genug gestorben – Du nicht!“ Resolut rollte sie die Kriegerin zu sich herüber und zwängte Ihr die Flasche zwischen die Lippen. Der scharfe Schnaps rann wie flüssiges Feuer den Hals der Indianerin herab, und mit einem Ruck bäumte sie sich auf, hustete und keuchte wie ein Ertrinkender. Ein Schwall indianischer Worte ergoss sich aus Ihr, während sie blind nach dem Medizinbeutel an Ihrer Seite tastete und den Inhalt über sich aus schüttete. Dann blickte sie sich wild um, erblickte die Mexikanerin und riss Ihr Messer aus dem Gürtel.
Blutraches Hand lag schon auf dem Revolvergriff, als Rote Wut mit der anderen Hand die Klinge des Messers ergriff und mit einem Ruck einen tiefen Schnitt in Ihre Handfläche grub. Sie legte die blutige Hand erst auf Ihre Brust, dann auf die von Vazquez. „Mein Leben ist Deines, Butrache.“
Irritiert blickte die Revolverheldin auf Ihre beschmierte Brust. „Eh, wo ich herkomme, feiern wir das Leben anders. Sie schritt zu Liveaux und packte ihn am Kragen. „Komm schon, Cajun. Wir haben zu feiern.“ Dann zerrte sie ihn kompromisslos hinter die Ruine.


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