Tombstone zeigt welche Wahrheiten sich hinter der Wahrheit verbergen

The sorry story of Crowley



Crowley erwachte in völliger Finsternis. Sein Schädel klang immer noch nach vom Aufprall des Gewehrkolbens. Verdammt nochmal, was haben Hawkins und eine Gang wieder angestellt, das er das hier verdient hatte? Was war das hier überhaupt? Er versuchte aufzustehen, aber Hand- und Fußgelenke waren fixiert.
„OK, was soll das. Sie haben soeben einen Bundesbeamten angegriffen und gefesselt. Sind Sie sich der Konsequenzen Ihres Handelns überhaupt bewusst?“ Ein Bluff konnte nie schaden, aber dieser verschwand wirkungslos in der Finsternis.

Nun, offensichtlich hatten Sie den Renrakuschläfer zum Handeln gezwungen. Er konnte nur hoffen, das Smooth ihn aus dieser Misere holen würde.

Plötzliches Licht. Als würde in der Ferne eine Tür geöffnet. Dann Schritte – nein, keine Schritte, Hufschläge. Ein Pferd? Aber das machte keinen Sinn – bei dieser völligen Finsternis musste er in einem Gebäude sein. Der Reiter kam näher. Er ritt auf einem bleichen Pferd, schien aus eigener Kraft zu leuchten. Der Reiter trug eine Art Mantel oder Kutte und – eine Sense? Das war nun völlig absurd. Aber tatsächlich kam ihm der Grimme Schnitter persönlich entgegen geritten. Immer näher, schneller. Crowley warf sich hin und her. Das konnte doch nicht real sein! Aber all seine Sinne schrien ihm diese Wahrheit entgegen, und seine panisch geweiteten Augen spiegelten sich auf dem gnadenlosen Blatt der Sense, als sie herunterfuhr – und das Licht im Operationssaal anging.

Ein ohrenbetäubendes Kreischen lag ihm in den Ohren, das erst verstummte, als er merkte, das er selber es ausstieß. Ein Mann schob sich von der Seite in sein Blickfeld. Sein blutüberströmter Arztkittel und die OP Handschuhe mit der komplexen Verkabelung, die unter dem Tisch verschwanden, hätten ihm schon eine Hauptrolle in einem beliebigen Horrorfilm ermöglicht, aber der wahre Schrecken lag in seine Augen. Tote, metallische Kugeln, eingebettet in ein Gewirr aus Narben. Gelegentlich schien etwas über Ihre Oberfläche zu huschen, wie ein Schatten. Dann wieder leuchteten rote Lichter in der Tiefe auf, oder sie wurden komplett weiß, dann spiegelten Sie Crowley eigenen Blick wieder. Es war faszinierend, aber auch hochgradig verstörend im Gesicht eines Menschen.

„Überraschend, wie leicht unsere Sinne getäuscht werden, nicht wahr.“ Seine Stimme war leise, belegt, als wäre er erkältet. „Es sind so wenige, so winzige Signale, die uns erzählen, was Realität ist und was nicht. Schauen Sie“ Und zu Crowleys Grauen nahm er ein Auge aus seiner Tasche, komplett mit baumelndem Sehnerv. Seine Finger glitten liebevoll den Nerv entlang. „Eine simple optische Faser. Es hat lange gedauert, aber endlich können wir leistungsfähigere Leitungen als diese bauen. Die dieselben Informationen überragen. Oder ganz andere.

„Dies hier“ er hielt Crowley das Auge selbst ins Gesicht „ist nichts weiter als eine Linse, ein Gerät zum Einfangen und bündeln von Licht. Und das ist alles was diese Realität“ er legte einen Schalter um „von dieser trennt“

Pandämonium. Blitze zuckten vom Himmel. Der Doktor trägt eine grinsende Totenfratze, seine Augen sind zahnbewehrte Schlünde. Crowley kann nicht anders, er schreit, bäumt sich in seinen Fesseln auf.

Klick. Der Doktor sieht wieder völlig normal aus.

„Ein dünner Schleier. Eine simple Illusion. Aber ich habe sie durchdrungen. Ich habe die Wahrheit gesehen. Hinter dieser Realität liegt eine andere. Und dahinter vielleicht noch eine. Und noch eine. Wer weiß, vielleicht hat ja jeder von uns eine eigene Realität. Eine eigene Wahrheit. Ich weiß nur, das mir die Mittel gegeben wurden, diesen Schleier zu durchstoßen.“
OK, das war genug des schurkischen Monologs. Crowley beschloss, das Ganze auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.
„Das ist ja interessant, Mister. Oder ist es Doktor? Mit wem spreche ich überhaupt?“
Mein Name ist Sings with Bears, Dr. Jonathan Sings with Bears. MD. Ich bin ein Heiler, wie schon meine Vater und all seine Vorfahren. Ein Medizinmann. Nur habe ich eingesehen, dass in manchen Fällen Kräuter, Gesänge und Geister nicht helfen können. Oder wollen. Wie bei meiner kleinen Schwester.

„Also beschloss ich, in der optischen Prostethik zu forschen. Aber Forschung kostet Geld, und Geld gibt es nur begrenzt. Außer, man arbeitet für die richtigen Leute„ Er machte eine weitschweifende Bewegung mit dem Arm, und um Ihn herum erleuchteten Halogenlampen unzählige High-Tech Operationstischen, Workstations und diverse robotische Chirurgieeinheiten.

„Bear Island war ein Traum für Forscher. Budget war keine Frage, die Fortschritte unfassbar schnell. Und dann, wie in jedem Traum, das Erwachen. Die Übertragungs- und Akzeptanzrate der Prothesen war perfekt. Kaum noch Abstoßungen, glasklare Signalübertragung. Und wer brachte meine Werk beinahe zu Fall? Eine Verhaltensforscherin. Ein Pferdeflüsterer. Es war lächerlich. Er behauptete, schwere Verhaltensstörungen bei den Versuchsobjekten festzustellen. Ihre Gewaltbereitschaft sei unverhältnismäßig hoch, sie seien von den zusätzlichen Sinneseindrücken überfordert und psychotisch geworden. Er lehnte jeden Versuch am Menschen ab.“

„Es war zu ungefähr dieser Zeit, als oben auf der Insel die Lager eingerichtet wurden. Als ich also in meiner Welt keinen Rat mehr fand, suchte Ich ihn bei den geistern. Zusammen mit Man of the Loon und Raven machte ich mich auf eine Reise der Läuterung. Wir schwitzten und rauchten beinahe eine Woche, aber schließlich bekam ich eine Antwort – eine Vision! Der Mann ohne Augen erschien mir. Der Augenfresser. Ich will sie nicht mit Details langeweilen – „

„Brauchen sie auch nicht“ – unterbrach Crowley. „Ich kenne die Story. Ein alter Buhmann der Sious, wenn mich nicht alles täuscht. Der Augenfresser war so eitel und in seinn Anblick verliebt, das er sein eigenes verdorbenes Inneres nicht mehr sehen konnte. Also nahm Manitu ihm seine Augen, auf das er den Blick nach innen richtet. Hat leider nicht geklappt und jetzt durchstreift er die Nacht auf der Suche nach Augen, die ihm die Wahrheit zeigen. Sieht irgendwie unappetitlich aus, er hat Mäuler anstelle von Augenhöhlen.“

„Ganz genau! Und mein Weg war klar – ich musste zu ihm werden! Zum Mann ohne Augen. Aber meine Augen der Wahrheit hatte ich schon. Ich hatte sie selbst gebaut! Die Operation war nicht einfach. Auch, wenn die Autodocs viel selber machen können, stand eine Narkose natürlich außer Frage. Aber Raven stand mir zur Seite – er erschien mir im Delirium meiner Schmerzen und gemeinsam sangen wir die alten Lieder. Es war erhebend. Und schließlich war es getan. Und der Aufstieg von der Dunkelheit ins Licht war – pure Erleuchtung. Keine Unklarheiten. Keine Zweideutigkeiten, keine Schatten. Nie wieder Blinzeln. Jeder Moment, jedes einzelne Bild, vollkommene Klarheit. Dieses Geschenk musste ich weitergeben. Als erstes dem Verhaltensforscher. Aber irgendetwas bei der Operation schien nicht richtig zu funktionieren. Als er aus der Narkose erwachte, sah er nicht so klar wie ich. Raven erklärte mir das Problem. Das Ritual der Operation selbst, der Schmerz, die Visionen – all das war Teil des Erwachens. Zum Glück kamen wir gemeinsam auf eine Idee. Auch, wenn die Operation schon vollzogen war, durch seine neuen Augen war es uns möglich, ihm all die Wahrheiten und Erfahrungen zu zeigen, die er brauchte. Es dauerte ein paar Tage, aber schließlich erkannte er den Weg. Und mit ihm gemeinsam entwarfen wir die Vision. Die glorreiche Vision. Ob Mensch oder Tier, mit der Vision konnten wir allen den rechten Weg zeigen!“ Er hob einen Chip

„Aber am besten ist weiterhin, die Operation mitzuerleben. Der Schmerz ist ein Katalysator, er weißt Dir den Weg nach innen.“ Ein bedrohliches Surren ertönte, die Operationsarme über dem Tisch begannen sich zu bewegen. „Aber das wirst Du ja bald sehen. Für immer“


Rot. Die Welt ist rot. Und laut. Dämonen. Der Augenlose. Ein monströser Bär. Schmerz. Flackernde Gestalten, die weiß glühenden Tod bringen. Stimmen.
„Verdammt, es ist Crowley. Was hat er mit ihm gemacht?“

Schwarz. Die Welt wird schwarz.




Weiß. Die Welt ist weiß. Und kalt. Er wird gezerrt, halb getragen. „Selbstzerstörungssequenz abgeschlossen.“ Hitze. Er fliegt. Die Welt oben ist weiß und kalt, unten rot und heiß.

„Komm schon Crowley, wir müssen hier weg.“ Smooth. Ist er das? Es ist sein Gesicht. Aber er ist – so unwirklich. Sie alle wirken so – scharf. Und plötzlich sind sie alle weg, ersetzt durch farbige Umrisse, rot, blau, wabernd. Er schreit.

Schwarz. Die Welt ist schwarz.


„Ist er wach?“
„Ich weiß nicht. Schwer zu sagen. Die Vitalfunktionen sind gleichbleibend.“
„Aber seine – Augen – sind doch offen.“
„Er kann sie nicht schließen. Seine Augenlider…“

Sprechen Sie über ihn? Er ist nicht sicher. Träumt er. Er sieht die beiden ganz klar, Smooth und Hawkins. Aber sind sie es wirklich. sie sind so scharf gezeichnet, und doch liegt ein Wabern über ihnen. Als er sich konzentriert, verschwinden Ihre Gesichtszüge in Farben. Rot, Gelb orange, der Rest des Zimmers blau. Er schreit auf.

Crowley! Crowley, bist Du wach?“

“Ich, ich weiß nicht.” Er erhebt seine Hand, und auch sie ist rot und gelb. Die Farben verschwinden. Seine Hand ist so gestochen scharf wie noch nie in seinem Leben. Er kann jedes Haar, jede Furche sehen. Aber ist das wirklich seine Hand.

  • Nur eine Illusion –

„Ihr – wo bin ich?“
„Chicago General. Nach der Explosion habe wir uns ausfliegen lassen. Skinner dreht völlig am Rad, aber es gibt keinerlei Aufzeichnungen aus dem Lager. Trout hält still, McLusky ist unehrenhaft entlassen worden, und der ganze Ausbruch wird den Sons of Raven angelastet. Die Explosion passt ja ganz gut in Ihr Portfolio, und naja, ganz so falsch ist es ja nicht. Raven war immerhin da.“

  • Der schwarze Vogel kennt die Wahrheit – erwache! -

Blut, Gewalt. Zerfetzte Körper, gesichtslose Truppen marschieren. Hände greifen nach ihm. Der Schwarze Vogel kreist, seine Augen ruhen auf Ihm. Er schlägt um sich Hände ergreifen ihn, er bäumt sich auf.

„Um Himmels Willen Crowley, beruhige Dich! Es ist vorbei!“

Smooths Gesicht unmittelbar vor seinem. Unfassbar scharf, detailliert.

„Nein, Smooth. Nicht für mich.“

Es ist nicht leicht, Grün zu sein

Der Anruf riss Jennifer aus unruhigen Träumen. Die Bilder Ihres Abstiegs in die Hölle würden Sie wahrscheinlich nie mehr wirklich verlassen, aber Schlaftabletten halfen.

Träge griff sie nach dem schwer modifizierten Telefon an auf Ihrem Nachttisch, das sichere Verbindungen zu Ihren diversen Kontakten ermöglichte.

Sie aktivierte das Telefon und wartete – schon lange gab sie keine Informationen mehr Preis, wenn es nicht nötig war.

„Jennifer? Bist Du das? Ich bin’s Bear. Ich brauche Deine Hilfe.“

Sie erstarrte – die Stimme, der Name, all das trug sie zurück in eine Zeit, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte.


Februar, 2003 Norwegische Küste, 100 Km nördlich von Bergen.

Bear und Jennifer lagen zusammen mit 4 anderen Greenpeace Aktivisten im Schutz eines Tarnnetzes. Jennifer spähte durch ein Fernglas, während Bear seine Augen mit der Hand schützte.

„Du hattest, recht, Bear. Das ist keine Geothermalanlage. Die Hitzewerte stimmen nicht im Geringsten – da geht irgendwas anderes vor.“

„Tierversuche – ich sage Dir, sie experimentieren an Walen. Wir haben Ihre Schiffsbewegungen seit Monaten erfolgt. Sie haben lebende Wale da reingeschleppt.“
Er griff nach Ihrer Hand. „Wir müssen etwas tun – ich spüre Ihr Leiden!“

Jennifer ließ das Fernglas sinken und sah ihn an. Sein wettergegerbtes Gesicht mit den tiefliegenden, dunklen Augen, in denen so viel Schmerz stand. Die langen, dunklen Haare, zu einem Zopf zusammengebunden, die sie so gerne auf Ihrem Gesicht spürte.

„Es wird gefährlich, Bear. Die Wachen dort haben automatische Waffen. Wem auch immer diese Anlage gehört, er versteht keinen Spaß.“

„Es tut mir leid, dass ich Dich darum bitten muss – aber ich kann es nicht ohne Dich.“

„Dann los!“



Der Zaun war kein Problem – sie musste eine Kamera ausschalten und ein paar Berührungssensoren überbrücken, dann konnten Ihre Leute das Loch schneiden. Sie schätzte, das sie 15 Minuten hatten, bevor eine Patrouille wieder hier vorbei käme, und mit Glück würden Sie die Öffnung nicht einmal bemerken.

Sie führte Ihre kleine Gruppe zu dem großen Gebäude, das auf Luftaufnahmen wie ein Kraftwerk aussah. Die Tür war Passwortgeschützt, aber sie kannte das Modell und konnte mit wenigen Handgriffen den Fehlersuchmodus auslösen und dann mit der Werks-ID die Tür öffnen. Die Tür öffnete sich mit einem leisen Klicken.

„Habt Ihr die Kameras bereit? Wir haben nicht mehr viel Zeit.“

Einer der Aktivisten hob den Camcorder, und den Daumen der anderen Hand.

Sie huschten durch neonerhellte Gänge, die irgendwie klinisch anmuteten. Sie passierten diverse Türen mit Warnzeichen für Biologische Gefahrenstoffe, aber Ihr Ziel war weiter unten. Diese Anlage hatte einen Zugang zum Meer, und sie zog sich bis tief in die Klippen des Fjordes - das musste einen Sinn haben.

Schließlich mussten Sie eine letzte Tür überwinden – Jennifer lächelte darüber, wie gut viel einfacher es Ihren Job machte, wenn Konzerne Ihre Schlösser alle vom selben Hersteller kauften.

Die Tür, schon eher ein Tor, öffnete sich auf einen metallenen Steg über einem gewaltigen Raum. Das Rauschen des Meeres gelangte an Ihre Ohren, und tatsächlich öffneten sich unter Ihren Füßen der Raum in eine gewaltige Höhle, durchspült von den Wellen der Nordsee.

In diesem Moment erklang ein langgezogener, trauriger Ruf – ein Geräusch, so voller Leid und Schmerz, dass er sie unmittelbar ins Herz traf.

Das Wesen, das diesen Ruf von sich gab, lag angekettet in der Mitte des Beckens. Unzählige Kabel, Leitungen, Röhren und Schläuche durchzogen das Gezeitenbecken und trafen auf die gräuliche Haut des Wals, drangen in seinen Körper und seinen Kopf ein wie gierige Saugrüssel eines mechanischen Insekts.. Unzählige Maschinen, Computer und Gerätschaften bedeckten den Rand des Beckens, und metallische Stege führten über den Körper hinweg und um Ihn herum.

„Das ist – das ist –“ Der Kameramann murmelte unzusammenhängend. Das Ausmaß des Grauens war nicht in Worte zu fassen. Jennifer schüttelte den Kopf. Auch wenn Sie selber keine Ökoaktivistin war wie Bear, das da unten war eine Vergewaltigung der Natur. Dieses Video würde dem Treiben ein Ende machen, wer auch immer die Hintermänner hinter Thermal Dynamics, Inc waren.

Ein Scheppern unter Ihr ließ Sie aufschrecken.

„Oh Nein…“ Sie erblickte Bears Gestalt, der sich über einen der Stege der Maschinerie näherte, die den Wal festhielt. Sie schüttelte den Kopf.
„Ihr drei macht, dass Ihr hier rauskommt. Was auch immer passiert, der Film muss an die Öffentlichkeit. Ramirez, Du bleibst hier und piepst mich an, wenn Irgendwer kommt. . Was immer Bear da unten vorhat, wir müssen Ihm den Rücken decken. Wenn Bear nur nicht diesen Old Way Unsinn im Kopf hätte, dann würde er auch ein verdammtes Funkgerät tragen!“

Ramirez nickte und tippte an das Gerät an seiner Brust.

Geschmeidig ließ Jennifer sich am Steg herab – Ihre Landung auf dem Steg darunter machte beinahe kein Geräusch. Geräuschlos huschte Sie hinter Bear her, der inzwischen auf den Steg zum Kopf des Wales geklettert war. Er stand nahe bei Auge des Tieres und legte seine Hand auf die Haut. Sein Kopf war gesenkt, und seine Schultern zitterten.

„Bear“ zischte Jennifer. Was treibst Du hier?

„Sie hat Angst, Jenny. So große Angst. Er öffnete die Augen und stellte sich vor das gewaltige Auge des Meeressäugers. „Hab keine Angst, Schwester – wir holen Dich hier raus.“

„Bist Du Irre? Wie sollen wir denn einen WAL hier raus schaffen! Wir haben die Aufnahmen, die Anlage hier ist geliefert. Innerhalb von Tagen werden sie die Bude hier dichtmachen.“

„Und was glaubst Du, was sie mit Ihr machen?“

Jennifer schwieg.

„Komm, ich glaube, wir müssen nur diese größeren Kabel entfernen, dann müsste Sie sich losreißen können. Sie haben Sie unter Drogen gesetzt, aber ich denke, ich kann zu Ihr durchdringen und sie wecken.“

Ein paar Minuten sah es aus, als könnte der Plan sogar funktionieren. Bear und Jennifer fanden die Verankerungssystem für die größeren Stahlkabel und schafften es, 8, der 12 die Mechanismen zu lösen, als Ihr Funkgerät knisterte.
„Jenny, da kommt – argh“ Der Schrei wurde übertönt vom trockenen Husten einer automatischen Waffe. Jennys Blick ruckte nach oben und sah gerade noch Ramirez Körper in einer Kistenablage aufschlagen. Auf dem Steg stand ein Wachmann, eine rauchende Waffe in der Hand.

„Verdammt – Bear, du kümmerst Dich um die Verankerungen – ich versuche den Typ abzulenken!“

Mit einem Satz hechtete sie hinter eine Ansammlung komplexer Maschinen. Sie griff in einer Ihrer Beintaschen und griff sich eine Ihrer „Shit hits the fan“ Überraschungen. Sie stellte den Time auf 2 Sekunden, warf das Paket nach oben und sprang dann mit geschlossenen Augen auf.

„ich ergebe mich, nicht schießen!“ Der Wachmann blickte genau rechtzeitig in Ihre Richtung, um die volle Ladung der Blendgranate abzubekommen.

„Der schießt für mindestens eine Minute nicht mehr.“ Murmelte sie zu sich, während sie schon auf dem Weg zur nächsten Tür in den Hangar war. Mittels eines Thermitstiftes zerschmolz sie die Scharniere der Tür innerhalb weniger Sekunden, so das von hier definitiv keine Verstärkung kommen würde. Aber es gab einfach zu viele Zugänge. Auf der anderen Seite des Wals Hörte sie eine Tür auffliegen, gleichzeitig ertönten plötzlich Alarmsirenen und diverse gelbe Scheinwerfer blinkten ins Leben.

„Noch zwei Anker“ ertönte es von der Seite des Wals. Ein weiteres, langgezogenes Seufzen oder Jaulen kam von dem Tier. Träge bewegte sich seine Schwanzflosse, und diverse Anschlüsse rissen ab.

Jennifer setzte wie eine Hürdenläuferin über diverse Tische und Apparaturen. Unterwegs zog sie Ihre Walter PPK aus dem Hüfthalfter. Erste Schüsse ertönten von der anderen Seite des Wals, aber dem Fluchen nach zu urteilen hatte noch niemand Bear getroffen.

Stattdessen hörte sie ein Grunzen, einen Aufschrei und ein gewaltiges Scheppern. Als sie den Raum soweit umrundet hatte, sah sie einen Wachmann unter einem Tisch begraben, den Bear durch die Luft gewuchtet hatte.

Nach einem kurzen Lagecheck zielte sie und drückte dreimal ab. Die Seite der Halle wurde deutlich dunkler, nachdem sie die zentralen Scheinwerfer zerschossen hatte.

„Noch einer, Jenny. Komm rauf hier.“

Verwundet wandte sie sich um. Bear stand oben auf dem Wal, nah des Spundlochs, und hatte einen gewaltigen Bolzenschneider über der Schulter.

„Das ist nicht Dein Ernst, Bear.“ Schüsse pfiffen um seinen Kopf, und er duckte sich herunter.

„Sie bringt uns hier raus, keine Sorge. Es gibt noch genug Schläuche zum fest halten.“

„Ich glaube das einfach nicht“, murmelte Jennifer und hastete über die Stege in Richtung des Wals. Eine kurze Steigung später kauerte sie neben Ihm auf dem Rücken des Meeressäugers.

„Hilf mir, dieses Kabel hier ist widerspenstig.“ Er deutete auf einen letzten, unterarmdicken Kabelstrang, in den sich der Bolzenschneider verbissen hatte. Er legte sich gegen einen der Arme, Jennifer lehnte sich gegen den anderen.

„Wenn wir das hier überleben, bringe ich Dich um, Bear.“

„Und ich gehe mit Freuden in die ewigen Jagdgründe ein! Nun drück!“

Sie legten Sich beide mit vollem Gewicht gegen den Bolzenschneider, und quälend langsam fraßen sich die Schneiden tiefer in das Kabel. Plötzlich explodierte ein brennender Schmerz in Jennys Unterschenkel – mit einem quälenden Schrei rutschte sie ab.

Der Rücken des Wals war rutschig, und ausgerechnet in Ihrer unmittelbaren Umgebung gab es nichts zu greifen – das konnte doch nicht – eine Hand schloss sich um Ihren Unterarm und stoppte Ihren Fall.

„So leicht kommst Du mir nicht davon, Jenny!„ Bear hing mit einem Arm an einem Kabelgewirr, der andere Hielt sie fest.

„Und jetzt? Das Kabel ist nicht durch!“
„Nun, dann muss unser Mädchen den Rest alleine machen.“ Bear schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie sah, wie sich seine Lippen bewegten, als würde er irgend etwas singen, was sie nicht hören konnte.

Ein Beben ging durch den Körper des Wals. Ein weiteres, klagendes Heulen kam aus dem Spundloch, und jetzt konnte Jenny diesen Ruf mit Ihrem ganzen Körper spüren.

Der Wall bäumte sich auf. Mit ohrenbetäubenden Knall und Sirren zerriss das letzte Haltekabel, und unzählige andere Verbindungen rissen aus Halterungen. Also der Körper des Wals wieders ins Wasser klatschte, überflutete er die halbe Höhle mit einer gewaltigen Welle und riss die letzten Wachleute von den Beinen. Bears Finger gruben sich tief in Jennys Arm.

„Mach Dich auf eine wilden Ritt gefasst!“ brüllte er zu Ihr herüber, und dann versank die Welt in Schaum und Fluten, als der Wal sich herumwarf und auf den Weg in die Freiheit machte.


Jennifer und Bear zitterten gemeinsam unter der Schutzdecke, die Ihre Greepeacefreunde über sie gelegt hatten. Jennifers Finger klammerten sich um den Metallbecher mit heißem Tee, während Sie den Wal in der Ferne verschwinden sah. Ein letztes Mal erhob sich die gewaltige Finne wie zum Gruß, bevor sie im Meer verschwand.

„Meinst Du, sie schafft es? Mit all diesem Mist in Ihr drin?“
„Ich glaube schon – sie ist ein starkes Mädchen, und tatsächlich schienen diese Monster sie einigermaßen gesund gehalten zu haben. Sie hatten wohl noch lange was mit Ihr vor. Und selbst, wenn nicht. Ein Tod in der Freiheit ist allemal besser als diese Folter.“
„Sie haben Ramirez erschossen, Bear. Ich weiß nicht, wo das alles noch hinführen soll. Parks hat über einen Gegenschlag gesprochen, und es gibt einen Haufen Leute die meinen, mit Filmen und Propaganda allein kommen wir nicht weiter.“
Bear war einen Moment still. „Wenn das Ihr Weg ist, dann sollen Sie ihn einschlagen. Mein Volk hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit Waffengewalt gewehrt, aber hat uns das den Sieg gebracht? Ich glaube nicht an Gewalt, Jenny.“
Jennifer schwieg, und sie schmiegte sich unter der Decke an Bear, um seine Wärme zu spüren. Sie wollte jetzt nicht an die Zukunft denken. Sie wollte glauben, das Sie heute etwas erreicht hatten, etwa Gutes. Wer weiß schon, was der Morgen bringen würde?


Kleine Wunder


Die Zirkusmusik hallte durch die Nacht, unterbrochen von Applaus und vielen „Aaaahs“ und Oooooohs“. Es war eine gute Nacht für den Zirkus Mondo. Außer für Elisabeth Obwohl Sie den Zirkus hören konnte, war er unerreichbar fern.

Denn zwischen Ihr und den Zelten waren die Soldaten. Sie waren zu viert. Schon angetrunken, als Sie zu Ihr ins Zelt gekommen waren, vermutlich wegen einer Wette. Sie kannte die Sorte. Einer hatte die hübsche „Zigeunerin“ gesehen und gehofft, dass sie Ihn gegen Geld oder Drohungen mehr als Ihre Karten sehen lassen würde.

Er bekam tatsächlich mehr, als er erwartet hatte. Elisabeth erinnerte sich nie selbst an Ihre Episoden, aber sie waren einer der Gründe, warum Sie selbst im Zirkus allein war. Selbst der starke Mann und die Messerwerfer warfen Ihr manchmal ängstliche Blicke zu, wenn Sie wieder einen Blackout hatte.

Es war nicht, wie sie aussah, wenn es über Sie kam. Oder die veränderte Stimme. Das kannte man von jeder guten Geisterbeschwörerin. Es waren die Dinge, die sie sagte.

Als sie wieder zu sich kam, war der Mann leichenblass gewesen. Als er nach draußen stolperte, konnte Sie das Wort „Brujah“ hören, als er mit seinen Freunden sprach.

Sie hätte es besser wissen sollen, als nach dieser Episode ins Dorf zu gehen. Die Blicke der Einheimischen brannten sich in Ihren Rücken, als Sie Ihre Einkäufe machte. Die Tüten lagen jetzt vergessen am Waldrand, wo die vier Ihr aufgelauert hatten. Jetzt rannte sie durch den finsteren Wald, hinter Ihr zuckten die Lichtkegel der Taschenlampen durch den Wald. Als es passierte war es so klischeehaft, das sie fast lachen musste. Wie in einem schlechten Horrorfilm hatte sie sich umgedreht, um nach Ihren Verfolgern zu sehen, und war über eine verdammte Wurzel gestolpert.

Jetzt standen die vier grobschlächtigen Kerle um sie herum, Taschenlampen und großkalibrige Gewehre in den Fäusten. Ihr schlechtes rumänisch reichte völlig aus, um die Beleidigungen und Drohungen zu verstehen – wahrscheinlich hätte es nicht mal der Worte gebraucht.

Sie versuchte es mit einem letzten, verzweifelten Akt. „Ich bin keine Brujah – ich bin Amerikanerin!“ Sie riss sich die Lockenperücke und das Kopftuch herunter, verschmierte die billige Theaterschminke.

„Seht Ihr? Alles nur gelogen!“

Es herrschte Stille. Schließlich sprach einer der Männer im gebrochenen Englisch.

„Ist egal – dann bist du amerikanische Hexe. Hättest nicht kommen sollen in Alte Welt.“ Er ließ den Lauf seiner Flinte in die offene Handfläche klatschen. „Wir wissen noch wie man umgeht mit Brujah! Machen wir wie mit UNO-Blauhelme, hatten wir viel Spass!“

Es gab einen dumpfen Schlag, als würde eine Baseball in einen Handschuh klatschen. Der Mann rechts vom Sprecher verdrehte die Augen, sank auf die Knie und fiel dann vornüber aufs Gesicht.
Pandämonium – Schüsse schallten durch die Nacht, als die Jäger panisch in die Richtung feuerten, aus er der Stein gekommen war. Ein Lichtkegel stach in den Wald, erfasste ein huschendes Etwas. Einer der Männer rannte hinterher. Es klirrte, das Licht ging aus.

Elisabeth glaubte, in der Richtung etwas zu erkennen. Knapp einem Meter über dem Boden leuchteten zwei rötliche Punkte, fast wie – Augen. Dann waren sie verschwunden.

Die beiden verbleibenden Jäger redeten hektisch aufeinander ein. Schließlich packte sie der Anführer und hielt Ihr seine Flinte unter die Nase.
„Du hast Waldgeist gerufen, gib zu! Der böse Zwerg ist auf deiner Seite, der pitic!“
„Ich komme aus Chicago! Ich kenne keinen pittisch, ich esse nicht mal Pita!“ Oje, war sie schon so hysterisch, das sie so schlechte Witze machte? Nun, eine Schrotflinte im Gesicht war Ihrer Konzentration nicht zuträglich.

„Komm raus, pitic!“ rief der Jäger auf Rumänisch. „Ich habe Deine Hexenherrin! Ich erschieße Sie, wenn Du nicht rauskommst!“

Ein Schrei ertönte, ein Schuss, dann klappte der vorletzte Jäger zusammen, als hätte ihn eine Dampframme in der Körpermitte getroffen.

Dahinter kam eine gedrungene Gestalt zum Vorschein.

Das Wesen war kaum einen Meter hoch, aber beinahe ebenso breit. Sein kahler Schädel war unverhältnismäßig groß, die Ohren blumenkohlförmig verschrumpelt und doch merkwürdig spitz. Kleine, tiefsitzende Augen stachen unter einer vorstehenden Stirn hervor, die merkwürdig schief zu sein schien. Es der Körper war mit Fellen bedeckt, aus denen nur zwei gewaltige Fäuste herausragten. Die rechte war mit einem groben Schlagring bedeckt, offensichtlich ein zweckentfremdetes Hufeisen.

Elisabeths letzter Peiniger wirbelte herum.

„Geh weg!“ Schrie er panisch. Entscheiden konnte er sich offensichtlich auch nicht, dachte Elisabeth, während sie langsam zu der gefallenen Waffe des anderen Soldaten kroch.

Das Wesen schaute abschätzend auf die zitternden Läufe der Schrotflinte, dann zu Elisabeth. Eins seiner Augen verschwand unter einem Furunkel. War das etwa ein Zwinkern?

„Nein, du kriegst sie nicht! Sie weiß, was wir mit der kleine Katja gemacht haben! Sie muss sterben!“ Der Fremde grunzte, sein Gesicht verzog sich wütend. Er machte einen Schritt, dann taumelte er kurz und griff sich an die rechte Schulter. Erst jetzt erkannte Elisabeth, das die Felle dort blutgetränkt waren.

Unglücklicherweise sah der Jäger es auch. „Du blutest! Du bist gar kein pitic, du bist nur ein hässlicher Freak!“ Donnernd entluden sich beide Läufe der Schrotflinte in den kleinen Mann, der mindestens einen Meter zurückgeschleudert wurde und unter einem Baum zusammensackte.

„Willkommen im 20,Jahrhundert, du hässliches Waldgespenst!“

Das Haufen Felle unter dem Baum zuckte, dann rappelte sich der kleine Mann schwerfällig wieder auf.

„Das – das kann nicht sein!“ Hastig begann der Mann nachzuladen. Er wurde vom Klicken zweier Hähne unterbrochen.

„Das vergiss mal ganz schnell, Freundchen.“ Elisabeth richtete die Waffe des gefallenen Jägers auf den Mann.

Die Augen des Jägers zuckten panisch zwischen Ihr und dem kleinen Mann hin und her. Der Kleine erreichte ihn und riss ihm mit einem Ruck die Waffe aus den Händen. Er packte sie am Lauf, ließ sie einmal über seinen Kopf kreisen und schmetterte Sie ihm dann so heftig an den Schädel, das der Schaft brach.

Er trat an den Bewusstlosen heran und hob die Felle an seiner Brust. Darunter kam eine UNO-blaue Kevlarweste zum Vorschein, gespickt mit Schrot.

„Willkommen im 21. Jahrhundert, elender prost. “

Dann wandte er sich mit seinen unheimlich schimmernden Augen Elisabeth zu und streckte Ihr die linke Hand entgegen.

„Hallo. Bin Igor Core. Weißt Du, ob Zirkus noch hat Arbeit?“