Tombstone zeigt welche Wahrheiten sich hinter der Wahrheit verbergen

Kleine Wunder


Die Zirkusmusik hallte durch die Nacht, unterbrochen von Applaus und vielen „Aaaahs“ und Oooooohs“. Es war eine gute Nacht für den Zirkus Mondo. Außer für Elisabeth Obwohl Sie den Zirkus hören konnte, war er unerreichbar fern.

Denn zwischen Ihr und den Zelten waren die Soldaten. Sie waren zu viert. Schon angetrunken, als Sie zu Ihr ins Zelt gekommen waren, vermutlich wegen einer Wette. Sie kannte die Sorte. Einer hatte die hübsche „Zigeunerin“ gesehen und gehofft, dass sie Ihn gegen Geld oder Drohungen mehr als Ihre Karten sehen lassen würde.

Er bekam tatsächlich mehr, als er erwartet hatte. Elisabeth erinnerte sich nie selbst an Ihre Episoden, aber sie waren einer der Gründe, warum Sie selbst im Zirkus allein war. Selbst der starke Mann und die Messerwerfer warfen Ihr manchmal ängstliche Blicke zu, wenn Sie wieder einen Blackout hatte.

Es war nicht, wie sie aussah, wenn es über Sie kam. Oder die veränderte Stimme. Das kannte man von jeder guten Geisterbeschwörerin. Es waren die Dinge, die sie sagte.

Als sie wieder zu sich kam, war der Mann leichenblass gewesen. Als er nach draußen stolperte, konnte Sie das Wort „Brujah“ hören, als er mit seinen Freunden sprach.

Sie hätte es besser wissen sollen, als nach dieser Episode ins Dorf zu gehen. Die Blicke der Einheimischen brannten sich in Ihren Rücken, als Sie Ihre Einkäufe machte. Die Tüten lagen jetzt vergessen am Waldrand, wo die vier Ihr aufgelauert hatten. Jetzt rannte sie durch den finsteren Wald, hinter Ihr zuckten die Lichtkegel der Taschenlampen durch den Wald. Als es passierte war es so klischeehaft, das sie fast lachen musste. Wie in einem schlechten Horrorfilm hatte sie sich umgedreht, um nach Ihren Verfolgern zu sehen, und war über eine verdammte Wurzel gestolpert.

Jetzt standen die vier grobschlächtigen Kerle um sie herum, Taschenlampen und großkalibrige Gewehre in den Fäusten. Ihr schlechtes rumänisch reichte völlig aus, um die Beleidigungen und Drohungen zu verstehen – wahrscheinlich hätte es nicht mal der Worte gebraucht.

Sie versuchte es mit einem letzten, verzweifelten Akt. „Ich bin keine Brujah – ich bin Amerikanerin!“ Sie riss sich die Lockenperücke und das Kopftuch herunter, verschmierte die billige Theaterschminke.

„Seht Ihr? Alles nur gelogen!“

Es herrschte Stille. Schließlich sprach einer der Männer im gebrochenen Englisch.

„Ist egal – dann bist du amerikanische Hexe. Hättest nicht kommen sollen in Alte Welt.“ Er ließ den Lauf seiner Flinte in die offene Handfläche klatschen. „Wir wissen noch wie man umgeht mit Brujah! Machen wir wie mit UNO-Blauhelme, hatten wir viel Spass!“

Es gab einen dumpfen Schlag, als würde eine Baseball in einen Handschuh klatschen. Der Mann rechts vom Sprecher verdrehte die Augen, sank auf die Knie und fiel dann vornüber aufs Gesicht.
Pandämonium – Schüsse schallten durch die Nacht, als die Jäger panisch in die Richtung feuerten, aus er der Stein gekommen war. Ein Lichtkegel stach in den Wald, erfasste ein huschendes Etwas. Einer der Männer rannte hinterher. Es klirrte, das Licht ging aus.

Elisabeth glaubte, in der Richtung etwas zu erkennen. Knapp einem Meter über dem Boden leuchteten zwei rötliche Punkte, fast wie – Augen. Dann waren sie verschwunden.

Die beiden verbleibenden Jäger redeten hektisch aufeinander ein. Schließlich packte sie der Anführer und hielt Ihr seine Flinte unter die Nase.
„Du hast Waldgeist gerufen, gib zu! Der böse Zwerg ist auf deiner Seite, der pitic!“
„Ich komme aus Chicago! Ich kenne keinen pittisch, ich esse nicht mal Pita!“ Oje, war sie schon so hysterisch, das sie so schlechte Witze machte? Nun, eine Schrotflinte im Gesicht war Ihrer Konzentration nicht zuträglich.

„Komm raus, pitic!“ rief der Jäger auf Rumänisch. „Ich habe Deine Hexenherrin! Ich erschieße Sie, wenn Du nicht rauskommst!“

Ein Schrei ertönte, ein Schuss, dann klappte der vorletzte Jäger zusammen, als hätte ihn eine Dampframme in der Körpermitte getroffen.

Dahinter kam eine gedrungene Gestalt zum Vorschein.

Das Wesen war kaum einen Meter hoch, aber beinahe ebenso breit. Sein kahler Schädel war unverhältnismäßig groß, die Ohren blumenkohlförmig verschrumpelt und doch merkwürdig spitz. Kleine, tiefsitzende Augen stachen unter einer vorstehenden Stirn hervor, die merkwürdig schief zu sein schien. Es der Körper war mit Fellen bedeckt, aus denen nur zwei gewaltige Fäuste herausragten. Die rechte war mit einem groben Schlagring bedeckt, offensichtlich ein zweckentfremdetes Hufeisen.

Elisabeths letzter Peiniger wirbelte herum.

„Geh weg!“ Schrie er panisch. Entscheiden konnte er sich offensichtlich auch nicht, dachte Elisabeth, während sie langsam zu der gefallenen Waffe des anderen Soldaten kroch.

Das Wesen schaute abschätzend auf die zitternden Läufe der Schrotflinte, dann zu Elisabeth. Eins seiner Augen verschwand unter einem Furunkel. War das etwa ein Zwinkern?

„Nein, du kriegst sie nicht! Sie weiß, was wir mit der kleine Katja gemacht haben! Sie muss sterben!“ Der Fremde grunzte, sein Gesicht verzog sich wütend. Er machte einen Schritt, dann taumelte er kurz und griff sich an die rechte Schulter. Erst jetzt erkannte Elisabeth, das die Felle dort blutgetränkt waren.

Unglücklicherweise sah der Jäger es auch. „Du blutest! Du bist gar kein pitic, du bist nur ein hässlicher Freak!“ Donnernd entluden sich beide Läufe der Schrotflinte in den kleinen Mann, der mindestens einen Meter zurückgeschleudert wurde und unter einem Baum zusammensackte.

„Willkommen im 20,Jahrhundert, du hässliches Waldgespenst!“

Das Haufen Felle unter dem Baum zuckte, dann rappelte sich der kleine Mann schwerfällig wieder auf.

„Das – das kann nicht sein!“ Hastig begann der Mann nachzuladen. Er wurde vom Klicken zweier Hähne unterbrochen.

„Das vergiss mal ganz schnell, Freundchen.“ Elisabeth richtete die Waffe des gefallenen Jägers auf den Mann.

Die Augen des Jägers zuckten panisch zwischen Ihr und dem kleinen Mann hin und her. Der Kleine erreichte ihn und riss ihm mit einem Ruck die Waffe aus den Händen. Er packte sie am Lauf, ließ sie einmal über seinen Kopf kreisen und schmetterte Sie ihm dann so heftig an den Schädel, das der Schaft brach.

Er trat an den Bewusstlosen heran und hob die Felle an seiner Brust. Darunter kam eine UNO-blaue Kevlarweste zum Vorschein, gespickt mit Schrot.

„Willkommen im 21. Jahrhundert, elender prost. “

Dann wandte er sich mit seinen unheimlich schimmernden Augen Elisabeth zu und streckte Ihr die linke Hand entgegen.

„Hallo. Bin Igor Core. Weißt Du, ob Zirkus noch hat Arbeit?“

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