Tombstone zeigt welche Wahrheiten sich hinter der Wahrheit verbergen

Showdown in Deadwood

Die Sonne brennt auf Deadwood hernieder wie der feurige Blick eines zornigen Gottes. Fliegen summen um träge Körper auf der Veranda des Saloons. Das langsame Klipp-Klapp eines einsamen Pferdes hallt dumpf von den wenigen Holzgebäuden zurück, die die Main Street darstellten.
Das Pferd hält vor dem Saloon. Der staubige Reiter steigt schwerfällig und steif ab. Die Dielen knarren und seinen Schritten, als er die Veranda überquert und die Flügeltüren aufstößt.
Er tritt an die Bar, die ein grimmiger, schwartiger Barmann gerade mit einem Tuch abwischt – danach wischt er sich mit demselben Tuch den Schweiß von der Stirn.
„Was darf es sein, Fremder?“
„Whisky. Und eine Auskunft.“
Er schiebt einen Steckbrief über den Tresen, darauf liegt ein Silberdollar.
Der Barkeeper wirft einen desinteressierten Blick auf den Steckbrief, der Dollar verschwindet unter dem Tuch.
„Murdoch, eh? Kann sein, das er hier war. Hat nach jemand gefragt, glaube ich. Einem Priester oder so.“
„Justice. Beaufort T. Justice heißt der Mann, den ich suche.“
Der Reiter wirbelt herum, die Hand am Colt.
In der Tür steht eine hagere, dunkelhaarige Gestalt in einem 50 Dollar Anzug. Am Gürtel baumelt – etwas exzentrisch – eine Grubenlampe. Die Hände ruhen auf den Kolben von zwei versilberten Peacemakern. Der Blick der blauen Augen ist so kalt wie ein Winter in Alaska.
„Aber wer will das wissen?“
„Der Name tut nichts zur Sache, Murdoch. Es gibt einen Preis auf deinen Kopf und ich plane, ihn zu kassieren.“
„Da haben wir wohl ein Problem, mein Freund. Ich habe Reverend Justice nämlich noch nicht gefunden, und in einem Gefängnis werde ich ihn vorerst nicht suchen.“
Das Klicken von zwei Hähnen unterbricht den Dialog.
„Klärt das draußen“, knurrt der Wirt über die beiden Läufe einer Schrotflinte.


Die Sonne steht senkrecht über der Main Street. Murdoch und der Reiter stehen knapp 10 Schritt voneinander entfernt. Während der Fremde am Griff seines Revolvers dreht, mischt Murdoch einen Satz Karten.
„Ich gebe Dir eine letzte Chance, namenloser Fremder. Steig auf Dein Pferd und reite weg. Das hier kann nicht gut für Dich enden.“ Er zieht ein Blatt von 5 Karten und lächelt.
„Gegenangebot, Murdoch. Du ergibst Dich und bekommst einen fairen Prozess. Und ein Jobangebot“ Der fremde hob ein Mantelrevers, und ein bronzener Stern blitzte kurz auf.
Murdochs Lächeln verschwindet.
„Du bist weit weg von zu Hause, Ranger.“
„Es gibt nicht viele Aussteiger in Deiner Branche, Murdoch. Die Wenigen, die es gibt, interessieren uns sehr.“ Der Ranger grinst schief, aber seine Augen bohren sich in die seines Gegners.
„Tut mir leid – ich habe genug vom Verstecken Spielen, Lügen und vertuschen. Ich gehe meinen eigenen Weg.“ Murdoch wirft einen letzten Blick auf sein Blatt, dann verschwinden die Karten.
„Dann soll es so sein.“ Der Ranger wirft einen Blick auf die Kirchturmuhr. „Du kennst unser Motto.“
Murdochs Blick verlässt keine Sekunde den des Rangers.
„Shoot it or recruit it. Ich bin gespannt.“
Die Kirchenglocke beginnt zu schlagen.
Die Blicke der Kontrahenten brennen sich ineinander. Die Hände bewegen sich leicht über die Kolben, lockern die Waffen in den Holstern.
Der zwölfte Glockenschlag wird von donnernden Schüssen verschluckt. Pulverdampf verdeckt nach wenigen Augenblicken die Szenerie. Als er aufsteigt, enthüllt er einen taumelnden Texas Ranger, der sich den linken Arm hält, und eine reglose Gestalt am Boden. Wie zum Hohn steht die Grubenlampe aufrecht neben Murdoch am Boden und flackert in einem bläulichen Licht.
Der Ranger nähert sich vorsichtig, zielt, und leert den Revolver aus nächster Nähe in Murdochs Schädel.
„Schlechte Karten, Wiedergänger.“ presste er hervor, während er seine Waffe nachlud.
„Full House“ hörte er noch, als ein Fächer aus leuchtenden Karten seinen Rechten Arm beinahe aus der Schulter riss. Der Schmerz überwältigte ihn und er verlor das Bewusstsein.


Das Gluckern von Öl erweckte den Ranger aus seiner Bewusstlosigkeit. Er versuchte, sich zu bewegen, aber der Schmerz in seinen Armen raubte ihm fast wieder die Sinne. Murdoch trat in sein Blickfeld, ein leeres Ölfass in den Händen.
„Ich hab's Dir gesagt, Ranger. Was jetzt passiert, geht auf dein Konto.“ Das Ölfass klapperte zu Boden, als Murdoch die Laterne öffnete. Er hielt ein Streichholz an die blaue Flamme, die gierig darauf übersprang.
„Wir sehen uns in der Hölle, Murdoch!“
Das Streichholz flog in einem flachen Bogen auf die Brust des Rangers. In Sekundenschnelle fressen sich blaue Flammen in sein Fleisch.
Murdoch bleibt stehen, bis die Schreie verklingen. Dann hebt er die Flamme wieder in die Laterne und wendet sich ab. „Erst muss ich Justice finden. Dann kann die Hölle kommen.“

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